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Bedeutung der Wohnbauförderung in Österreich

02.11.2006

Die Wohnbauförderung hat einen dominanten Einfluss auf Wohnungsproduktion, Wohnungssanierung, Wohnzufriedenheit und -qualität in Österreich. Gleichzeitig ist sie durch das starke Engagement der öffentlichen Hand ein erstrangiges Instrument der Umsetzung von Politikzielen. Dies gilt nicht nur für die ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch im Hinblick auf wirtschaftliche, regionalplanerische sowie vor allem soziale Aspekte.

Als Gesprächspartner für das Pressegespräch standen KR Dr. Wolfgang Ulrich, Präsident der FGW, Dir. Dr. Gerhard Schuster, Vizepräsident der FGW, Prof. Dr. Otto Bammer, Vorstandsmitglied und a.o. Univ. Prof. Dr. Andreas Vonkilch, Vorstandsmitglied, zur Verfügung. Diskutiert wurden die verschiedenen Aspekte der Wohnbauförderung und ihre zukünftige Entwicklung.

Soziale Aspekte
Besonders hervorzuheben ist die soziale Bedeutung der Wohnbauförderung für Österreich. Die Wohnversorgung der Österreicher - in einem stabilen Wohnungsmarkt - kann durchaus als "sehr gut" bezeichnet werden. Der überwiegende Teil des Bestandes, fast 89 Prozent, besteht aus Kategorie A-Wohnungen. Die Wohnkostenbelastung der heimischen Haushalte liegt bei 19 Prozent, im EU-Durchschnitt sind es hingegen 23 Prozent. Dass - wie erwähnt - mehr als 80 Prozent der baubewilligten Wohnungen österreichweit gefördert sind, ist ein weiteres Indiz auch für die soziale Bedeutung der Wohnbauförderung, durch die auch für einkommensschwache Personen qualitativ hochwertiger Wohnraum bereit gestellt werden kann. In diesem Zusammenhang ist auch die Splittung der Mittel erwähnenswert: Auf gemeinnützige Bauvereinigungen ist in den letzten Jahren ein Drittel der Fördermittel entfallen. Den Rest teilen sich Private (auch der Eigenheimneubau sowie die -sanierung werden gefördert), Gebietskörperschaften sowie private und gewerbliche Bauträger.

Auch der Vorwurf der fehlenden sozialen Treffsicherheit kann zumindest teilweise entkräftet werden: zwar leben tatsächlich mehr mittlere und höhere Einkommensschichten in wohnbaugeförderten Wohnungen als untere Einkommensschichten. Gleichzeitig bedeutet die Wohnbauförderung jedoch eindeutig einen Transfer von älteren zu jüngeren Haushalten, da die Wohnbauförderung überwiegend von einkommensbezogenen Steuern gespeist wird. Ältere Einkommenskohorten tragen mit ihren durchschnittlich höheren Gehältern stärker zur Finanzierung der Wohnbauförderung bei, während jüngere Haushalte demgegenüber überproportional Nutznießer derselben sind. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist von einer verteilungspolitisch neutralen Wirkung der Wohnbauförderung auszugehen. Dazu kommt, dass es in zahlreichen Förderungsschienen Hebesätze für einkommensschwächere und/oder kinderreiche Haushalte gibt. In mehreren Bundesländern gibt es darüber hinaus Mietwohnungen, die einkommensschwachen Haushalten eigenmittelfrei zu monatlichen Mieten von unter drei Euro/Quadratmeter angeboten werden. Subjektförderungen, wie etwa die bereits erwähnte Wohnbeihilfe, werden hundertprozentig einkommensabhängig ausbezahlt.

In diesem Zusammenhang ist auf eine weitere soziale Funktion der Wohnbauförderung zu verweisen: die durch sie bewirkte Durchmischung, das Fehlen von Segregation und Ghettobildung in Österreich sowie die Integration ausländischer Mitbürger am Wohnungsmarkt. So war etwa der gemeinnützige Wohnungsmarkt seit jeher für nicht-österreichische Staatsbürger geöffnet. Und dort, wo es leichte Tendenzen zur Ghettoisierung gab, wurde das Ruder rechtzeitig durch den Einsatz von Wohnbauförderungsmitteln bei der Sanierung (z.B. Gürtelbezirke in Wien) herumgerissen.

Wichtig zu bemerken ist auch, dass Wohnbauförderungsmittel nicht nur dem Wohnungsmarkt im engeren Sinne zu gute kommen: auch Studentenheime oder Altersheime werden mit diesen Mitteln kofinanziert. Gleiches gilt teils für die altersgerechte Sanierung von Wohnungen bzw. Wohnbauten - ein Aspekt, der angesichts der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung zunehmend wichtiger wird. Schließlich leben weniger als zehn Prozent der heimischen Senioren in Institutionen, der überwiegende Teil wohnt in den eigenen vier Wänden - die in der Regel nicht seniorengerecht adaptiert sind.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW).

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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