Direkt zum Inhalt

Best Practice in puncto Nachhaltigkeit

11.11.2005

Nachhaltige Entwicklung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum zentralen gesellschaftspolitischen Thema entwickelt. Die weltweite Häufung von Naturkatastrophen hat nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den politischen Entscheidungsträgern die Einflüsse des rasant steigenden Ressourcen- und Energieverbrauchs auf die Umwelt und das Klima auf drastische Weise vor Augen geführt. So beurteilt beispielsweise das Pentagon in seinem aktuellen Sicherheitsbericht die globale Bedrohung durch Klimawandel und Verknappung der Ressourcen ausgelösten, potenziellen Konflikte höher als sie der Terrorismus derzeit darstellt. Vor diesem Hintergrund hat der Terminus „Nachhaltigkeit“ auch vor der Industrie und Wirtschaft nicht Halt gemacht. Nachhaltiges Wirtschaften gilt heute als eines der wichtigsten unternehmerischen Leitprinzipien, das die langfristige Wettbewerbsfähigkeit erhöht und beträchtliche Innovationschancen für die Unternehmen eröffnet.
Um diese unternehmerischen Innovationen zu fördern und Impulse für Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu setzen, hat das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (Bmvit) bereits im Jahr 1999 das dreiteilige Impulsprogramm „Nachhaltig Wirtschaften“ ins Leben gerufen. „Damit wird das Anliegen verfolgt, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und gleichzeitig die Lebens- und Umweltbedingungen – auch für zukünftige Generationen – zu verbessern.

Impulse für die Wirtschaft
Durch die Erforschung und Entwicklung zukunftsfähiger Technologien und Lösungen werden neue Chancen für eine ökoeffiziente Wirtschaft eröffnet“, erläutert Eduard Mainoni, Staatssekretär für Innovation und Technologie, die Bmvit-Initiative. Neben der langfristigen Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich gehören die Erhöhung der Ressourceneffizienz, die Nutzung erneuerbarer Ressourcen und nutzenopimierte Systemlösungen unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Systeme zu den vorrangigsten Zielen. Gleichzeitig soll damit die heimische Forschung- und Entwicklung (F&E) angekurbelt werden, deren Qualität verbessert und die wissenschaftliche Kompetenz der heimischen Forschungslandschaft gestärkt werden.

Drei-Säulen-Modell
Gestartet wurde die Nachhaltigkeitsinitiative des Bmvit im Jahr 1999 mit der Programmlinie „Haus der Zukunft“. Im Jahr 2000 folgte die Programmlinie „Fabrik der Zukunft“, 2003 „Energiesysteme der Zukunft“. „Wir setzen im Rahmen des Impulsprogramms auf ein Drei-Säulen-Modell und damit auf die gleichberechtigte Betrachtung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Komponenten“, betont Michael Zimmermann, Umweltsprecher der Bundessparte Industrie. Vergangenen Oktober wurden die ersten Projektergebnisse des Praxistests „Ganzheitliche Bewertung der Aktivitäten von Unternehmen aus der Perspektive der Nachhaltigkeit“ vorgestellt. Als Vertreter der Baubranche beteiligte sich der Baustoffkonzern Baumit Wopfinger am Praxistest. „Unser langfristiges Unternehmensziel ist es, Europas sauberstes Baustoffwerk zu werden. Die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts war in diesem Zusammenhang für uns auch ein ausgezeichnetes Instrument, den Status quo unseres Unternehmens zu erfassen und ein Handlungsszenario für die nächsten Jahre zu entwickeln“, erklärt Robert Schmid, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie. „Mit der Nachhaltigkeitsbewertung und den daraus entwickelten Investitionsschwerpunkten in die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales, kommen wir auch aus dem Öko-Eck heraus“, so Schmid weiter. Allein im Geschäftsjahr 2005/2006 investiert der Baustoffproduzent – mit 400 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 110 Millionen Euro – rund 15 Millionen Euro in nachhaltige Umweltmaßnahmen zur Reduktion der Emissionen am Firmenstandort im Piestingtal. Für Schmid ist die Teilnahme am Impulsprogramm des Bmvit ein eindeutiger Gewinn und nachhaltiges Wirtschaften ein Garant für den langfristigen Unternehmenserfolg. „Großprojekte, wie etwa die Eröffnung der neuen Stückkalkanlage oder der Bau der neuen Zementsilos, sichern den Standort auch auf lange Sicht und damit auch die Arbeitsplätze. Gleichzeitig verbessern wir damit auch die Lebensqualität unserer Anrainer“, so Schmid.

Chance für KMU
„Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit zahlen sich aber nicht nur für große Industriebetreibe aus. Auch Klein- und Mittelbetriebe profitieren von der Nachhaltigkeitsbewertung ihrer Unternehmen“, ist Zimmermann überzeugt. Produktionsumstellungen bzw. -erleichterungen mit dem Ziel, den Energie- bzw. Ressourcenverbrauch zu senken, tragen maßgeblich zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit bei. Obwohl F&E-Investitionen mit bis zu 20 Prozent steuerlich sehr gut absetzbar sind, liegt die F&E-Quote bei den KMU auf einem sehr niedrigen Niveau. Den Grund dafür sieht Zimmermann vor allem im bürokratischen Aufwand, vor dem vor allem kleinere Unternehmen zurückschrecken.
Derzeit betragen die F&E-Aufwendungen österreichweit rund 5,77 Milliarden Euro. 63 Prozent davon steuert die Wirtschaft bei. Damit die Industrie ihrer Verantwortung in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung nachkommen kann, wird eine Steigerung der diesbezüglichen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen notwendig sein. Voraussetzung dafür ist das Erreichen des geplanten Drei-Prozent-Anteils für F&E am Brutto-Inlands-Produkt. „Dafür muss die öffentliche Hand aber auch ihre Offensivmittel für außeruniversitäre Forschungsinstitute erhöhen“, erklärt Hans-Günther Schwarz von der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien im Bmvit. Vor allem Klein- und Mittelbetreibe sind laut Schwarz auf diese angewiesen, da sie selbst in der Regel nicht über die personellen Ressourcen und das nötige Know-how verfügen, selbst F&E-Abteilungen im eigenen Betreib zu unterhalten.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

VÖB-Präsident Franz Josef Eder ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, kritisiert aber, dass im aktuellen Plan der Bundesregierung kein Förderungen massiver Bauweisen vorsieht.
Aktuelles
04.08.2020

Die aktuell stabile Auftragslage lassen die Beton- und Fertigteilbranche positiv in die Zukunft blicken. Gleichzeitig fordert man eine gerechte Streuung der Fördermaßnahmen.

Thomas Löckinger (r.) übernimmt mit 1.8.2020 die Baumarkt-Vertriebsleitung für die Baumit GmbH in Österreich. Er folgt Johann Holy (l.), der nach 21 Jahren als erfolgreicher Vertriebsleiter seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Aktuelles
29.07.2020

Baumit hat eine neue Baumarkt-Vertriebsleitung Österreich. Wer auf Johann Holy folgt, lesen Sie hier.

Aktuelles
27.07.2020

Die Zugriffszahlen der E-Baulehre in Wien haben sich von rund 1.100 Zertifizierungen im März auf rund 8.400 Zertifizierungen bis Anfang Juli knapp versiebenfacht. 

Josef Muchitsch und Erwin Soravia haben eine gemeinsame Agenda, um Baugenehmigungen zu beschleunigen und Arbeitsplätze zu sichern.
Aktuelles
23.07.2020

Baugenehmigungen müssen dringend beschleunigt werden, sind sich die Gewerkschaft Bau-Holz und Österreichs Projektentwickler einig. Aktuell warten rund 25 Milliarden Euro warten darauf, auf ...

Aktuelles
29.07.2020
Werbung