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Beständige Qualität

01.10.2010

Der Fokus auf die Lebenszykluskosten eines Gebäudes hat sich bei Bauherren und Planern etabliert. Nun gilt es, die richtigen Materialien einzusetzen. Eine aktuelle Studie gibt eine klare Entscheidungsgrundlage.

Hans Georg Jodl, Vorstand des Instituts für interdisziplinäres Bauprozessmanagement, IBPM, Technische Universität Wien, sieht die Betrachtung eines Gebäudes auf seine Lebenszykluskosten als die einzige realistische Darstellung der tatsächlichen Projektkosten – von der Planung bis zur Errichtung, von der Nutzung bis zum Abbruch. Die Bauwirtschaft, vor allem auch Planer und Bauherren liebäugeln allerdings immer noch gern lediglich mit den Errichtungskosten. Im Fokus steht dabei, die Baukosten müssen so günstig wie möglich gehalten werden. Dass die Instandhaltung bei vielen Bauteilen Jahre später um ein vieles höher ist, als wenn ursprünglich gleich auf hochwertige – aber teurere – Materialien zurückgegriffen worden wäre, ist immer noch ein Tabuthema.

Eine aktuelle Studie räumt nun mit diesen Vorurteilen und teilweise falschen Annahmen zumindest im Fensterbereich auf. Das AFI, das Aluminium-Fenster-Institut, beauftragte in Kooperation mit der Amft, Arbeitsgemeinschaft der Hersteller von Metall Fenster/Türen/Tore/Fassaden, das IBPM und die MA 39, die Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien, mit einer Studie, welche alle gängigen Fenster auf den schonungslosen Prüfstand stellten.

Ohne Wartung
Die Antwort, die das AFI und Amft suchten, lautete „Welches Fenster hält und funktioniert am längsten – auch ohne Wartung?“. Denn Harald Greger, Geschäftsführer AFI, gab sich mit den bis dato durchgeführten Studien nicht zufrieden: „In keiner Untersuchung war eine klare Empfehlung für ein bestimmtes Fenster zu erkennen – damit haben Planer erst wieder die Qual der Wahl. Mit unserer Analyse bieten wir eine kompetente und objektive Entscheidungsgrundlage, welche technische, wirtschaftliche, ökologische und funktionale Aspekte berücksichtigt. Unser Auftrag lautete herauszufinden, welches Fenster erfüllt die in der Praxis, insbesondere im Wohnbau gestellten Anforderungen am besten.“

Zunächst wurden Produkttests durchgeführt, die mit bis zu 50.000 Zyklen ohne Wartung weit über die übliche Belastung hinausgehen. Es wurde ein Kostenvergleich über den gesamten Lebenszyklus erstellt. Geprüft wurden eine einflügelige Balkontüre, ein zweiflügeliges Fenster wie auch ein einteiliges Fenster mit fix verglaster Unterlichte.
Karlheinz Rink, Amft, berichtet aus der Praxis: „In Wahrheit werden häufig Wartungstermine ignoriert, aus diesem Grund entschieden wir uns, die Wartung ebenso zu unterlassen. Uns war es ein Anliegen, eine bessere Informationsbasis für Fenster zu schaffen. Unser Anspruch war, belegen zu können, inwiefern sich Qualitätsmerkmale und Leistungseigenschaften nach der massiven Belastungssimulation verändern.“

Achtung Betriebskosten
Die Ergebnisse sind beeindruckend – alle drei Fenstertypen aus Alu hielten der Prüfung stand – es konnten keine Veränderungen festgestellt werden.  Jodl bringt es auf den Punkt: „Häufig wird es übersehen: Der umfangreichste Abschnitt in der zeitlichen Nutzung und im Kostenaufwand ist das Betreiben. Die Betriebskosten einer Immobilie können über den gesamten Lebenszyklus bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten betragen. Eine Lebenszykluskostenbetrachtung macht demnach nur Sinn, wenn sie auf die Nutzungszeit berechnet wird.“

Der Betrachtungszeitraum wurde mit 60 Jahren für den Werkstoff Aluminium festgelegt. Beim Vergleich der Lebenszykluskosten von Alu-Fenster zu Kunststofffenster sind die Lebenszykluskosten von Alu-Fenstern bereits nach 26 Jahren geringer – dann müssten die Kunststofffenster ausgetauscht werden. Aber auch der Werkstoff Holz oder Holz-Aluminium kann mit Aluminium nicht mithalten. Jodl betont dazu vor allem die Recyclierfähigkeit von Aluminium – auch nach 60 Jahren. Gerade in Anbetracht der hitzigen Klimaschutzdebatten plädiert Jodl zum Umdenken und empfiehlt als Fazit der Untersuchung allen Bauherren, insbesondere der öffentlichen Hand, endlich die Lebenszykluskosten in den Vordergrund zu stellen – womit die Entscheidung in puncto Fenster klar ist.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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