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Beste Qualität als Planungsziel

01.10.2010

Die Debatten, welcher Preis für Planungsleistungen erzielbar ist, sind nicht enden wollend. Letztlich geht es um die Leistung, um die erreichte Qualität – der verschärfte Wettbewerb erweist sich dabei als nützlich.

Anlass für die Diskussion gab ein Artikel in der bauzeitung zum Thema Honorare für Planungsleistungen – dem eine Flut an Leserreaktionen folgten. Konkret ging es dabei um die Entrüstung der planenden Bauwirtschaft über die Aussage von Notar Kobzina, die Kosten für den Architekt/Baumeister mit 2,6 Prozent anzusetzen. Im aktuellen Round Table versuchten die Experten, den Stein des Anstoßes zu finden, Missverständnisse auszuräumen und entdeckten eine Vielzahl an Meinungen, aber auch an anstehenden Problemen.
 
Alfred Kobzina: „Ich habe erhoben, was ein Bauträger bei der Kalkulierung benö­tigt, das Ergebnis war im Schnitt eben 2,6 Prozent für die Planung vom Architekten-/Baumeister. Mein Ansatz ist dabei: Pläne wie auch die Einreichung macht der Bauträger meist selbst, auch die örtliche Bauaufsicht – nur Teilbereiche werden ausgegliedert. Der zweite Aspekt ist die Finanzierung.“

Stefan Keznickl: „Die Honorarordnung wurde aufgehoben und durch neue Kalkulationsrichtlinien quasi ersetzt, dadurch ist aus unserer und aus kartellwettbewerbsrechtlicher Sicht das Thema zunächst einmal erledigt. Natürlich ist uns klar, dass die Honorarordnung von einigen wenigen immer noch angewendet wird – obwohl sich eigentlich niemand mehr darauf berufen darf. Aber ich bin davon überzeugt, irgendwann wird sich das Problem von selbst lösen.“

Claudius Weingrill
: „Wir betrachten als Auftraggeber im Dienstleistungsbereich unsere Auftragnehmer als Partner. Wir behandeln unsere Partner fair – fair ist, wenn ich die Leistung entsprechend honoriere. Dafür erwarten wir die bestmögliche Qualität. Die vertraglichen Leistungsbilder nehmen wir als Basis für die Honorarermittlung. Aber natürlich muss man auf die Prozentsätze aufpassen.“

Michael Pech: „Bei Genossenschaften als Auftraggeber läuft das anders. Es gibt Architekten, die werden regelmäßig vom Generalunternehmer beauftragt. Seine Tätigkeit reicht von der Liegenschaftsvermittlung, Planung, Flächenoptimierung bis hin zur Abwicklung des Bauvorhabens. Teilweise kommt dann auch noch die örtliche Bauaufsicht hinzu.“

Hubert Kempf
: „Bezugnehmend auf das von Dr. Kobzina angesprochene Einsparungspotenzial würde es ja dann bedeuten, dass man 80 Prozent der Kosten einsparen könne, weil man ja ohnehin alles selbst machen könne. Natürlich kann ein Bauträger Teile der Leistungen selbst erbringen – Kosten dafür fallen aber dennoch an. Dann gibt es aber auch noch einen zweiten wichtigen Punkt. Den Planungsaufwand und somit das Honorar bloß von den Herstellungskosten abhängig zu machen ist eine grob vereinfachte Betrachtung und entbehrt jeder betriebswirtschaftlichen Grundlage. Deshalb wurde bei den Nachfolgepublikationen der Gebührenordnungen der Zeitaufwand in den Vordergrund gestellt, das ist auch gerechter und nachvollziehbarer. Im Jahr 2009 arbeiteten gemäß einer Studie von Triconsult nur noch 45 Prozent der Architekten ausschließlich nach Prozentsätzen – abgesehen davon gibt es natürlich auch Leistungen, die man gar nicht in Prozent messen kann.“

Erwin Krammer
: „Das ist auch unsere Erfahrung. Dazu muss ich sagen, ich fühle mich im Bereich der Baumeister bereits als ein Wanderprediger: Leider ist eine ordentliche Kalkulation immer noch nicht selbstverständlich. Vor allem die Zeiterfassung ist unbedingt notwendig, die brauche ich auch für einen weiteren Schritt, nämlich für die Nachkalkulation. Ich muss meinen Aufwand kennen, um tatsächlich Planungsleistungen berechnen zu können. Dazu muss ich meine Bürokosten kennen, denn es gibt zwischen den einzelnen Büros große Unterschiede. Aber die Betrachtungsweise, Bauträger machen sich die meisten Leistungen selbst, ist schlichtweg falsch – denn da lügen sich die selbst an, sie müssen ja auch diese Arbeit bewerten. Abgesehen davon bezweifle ich, dass dies unterm Strich günstiger ist.“

Kempf
: „Die von Dr. Kobzina genannten 2,6 Prozent sind einfach glatter wirtschaftlicher Unsinn.“

Kobzina
: „Ich kann nicht dem Baumeister, der ein Bauträgergewerbe hat, sagen, du musst für eine Architektenleistung zehn bis 15 Prozent dazurechnen.“

Kempf
: „Aber genau darin liegt ja die betriebswirtschaftliche Fehleinschätzung, das hat doch nichts mit Prozenten zu tun, er muss den realen Aufwand abschätzen, nicht irgendwelche Prozente.“

Weingrill: „Die Frage ist immer, was will der Bauherr. Denn Ansprüche eines Bauträgers sind andere als beispielsweise die der BIG. Daher funktioniert auch dieses System etwas anders. Nicht nur, weil es ausgeschrieben werden muss, sondern weil ja der öffentliche Auftraggeber bereits ein Leistungsbild aufgrund seiner Fachkenntnis hat. Bereits vor Aufhebung der Honorarordnungen definierten wir diese immer als Auffangbestimmungen.“

Keznickl
: „Die hitzigen Diskussionen sind uns recht. Das ist der Ausdruck von Wettbewerb. Das ist genau das, was die Bundeswettbewerbsbehörde will. Die Honorarordnung gilt rechtlich nicht mehr, dass sie zum Teil noch angewendet wird, wissen wir und das wird bald überholt sein.“

Robert Rosenberger
: „Wir haben viele Seminare zu dem Thema gehabt, ein Großteil hat es neutral aufgenommen; für die war Kalkulieren nichts Neues, manche waren empört. Man muss auch immer bedenken, was man damit auslöst, wenn sozusagen die Planungsleistung auf einen bestimmten Prozentsatz reduziert wird.“

Pech
: „Ja, die Reduzierung auf Prozente ruft immer Irrtümer hervor und untergräbt eigentlich die neue Situation fast ein bisschen, und das ist schade, weil wir haben mit der neuen honorarordnungsfreien Situation genug zu tun.“

Kempf
: „Beim Bauen benötigt man materielle und immaterielle Leistungen. Bei der materiellen Leistung kann man die Qualität mit Worten recht gut beschreiben und darauf basierend einen Preisvergleich erstellen. Bei den immateriellen Leistungen ist die Qualität nicht einfach festzumachen. Denn von fünf verschiedenen Architekten erhält man fünf verschiedene Qualitäten, fünf verschiedene Entwürfe. Das spricht zwar eher wieder für Gebührenordnungen, aber diese bestechende Einfachheit, die wir früher ja hatten, gibt es aus kartellrechtlichen Gründen seit Jahren nicht mehr.“

Weingrill
: „Grundsätzlich war die Honorarordnung ja eher für kleine Bauherren und nicht für große wie die BIG, Asfinag oder ÖBB gedacht.“

Kobzina
: „Ich habe KMUs gemeint, die bauen im Jahr zwischen 20 und 30 Einheiten, oder sie haben ein Zinshaus und wollen vom Architekten eine gute Raumaufteilung. Um mehr geht es hier nicht.“

Krammer
: „Aber zum Jahresende muss jeder seine eigene Leistung bewerten. Er kann sagen, das ist Eigenleistung – aber im Prinzip habe ich einen Verlust. Wie viele Stunden im Jahr arbeiten Sie gratis?“

Rosenberger
: „Es gibt sehr gute Leitfäden von uns, in denen die Leistungsbilder genau definiert sind. Auftraggeber, die vielleicht keine Profis sind, können sich daran orientieren.“

Pech
: „Was mich überrascht, dass es immer noch ein Hin und Her zwischen alter Gebührenordnung und neuer Berechnung nach Zeitaufwand und Kalkulationsvorgaben gibt.“

Kempf
: „Es ist ein Unterschied, ob ein Besteller regelmäßig Planungsleistungen benötigt oder nur einmal. Die Bestellung von geistig-schöpferischen Leistungen ist nicht gerade einfach, man benötigt hier entsprechende Bestellqualifikation.“

Weingrill
: „Ab einer gewissen Grenze habe ich die Verpflichtung, ein Vergabeverfahren durchzuführen. Der Preis ist dabei natürlich eine Komponente. Jetzt ist die Frage, wessen Prozentsatz war meine Komponente – weil ich Prozentsätze für die Generalplanung zueinander in Relation setzen kann. Wir suchen durch einen Wettbewerb oder ein Verhandlungsverfahren einen Architekten, um zu einer geistigen Leistung zu kommen. Der Weg dorthin wird nicht nur auf reiner Honorarbasis stattfinden. Aber wie stelle ich Honorare oder Entgelt in einem Vergabeverfahren gegen­über, wo dieses Entgelt davon abhängt, ob er irgendwann mehr oder weniger Stunden dafür verwendet hat. Solche Sachen muss man beim öffentlichen Auftraggeber schon bedenken, im Gegensatz zu einem Privaten, der alles verhandeln kann. Denn verhandeln kann ich als Öffentlicher nur zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe.“

Kempf
: „Architekturwettbewerbe sind generell eine Besonderheit am Markt. So etwas gibt es ja kaum bei anderen Berufen. Insgesamt ist es auch nur ein kleiner Teil der Umsätze, die in der gesamten Kollegenschaft durch Wettbewerbe erwirtschaftet werden. Wettbewerbe sind wirtschaftlich schwer zu hinterfragen, die damit verbundenen Risiken stehen meist in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zu den Chancen, einen auskömmlichen Auftrag zu erhalten.“

Krammer
: „Kleine Büros können sich Wettbewerbe gar nicht leisten. Ich kann nicht davon ausgehen, dass ich den Auftrag bekomme. Ich kann nur allen Kollegen dringend ein Zeiterfassungssystem empfehlen, denn nur so kann man seine Kosten – gerade bei Wettbewerben – wirklich erfassen.“

Pech
: „Interessant ist für mich, dass im Bereich Statik, Bauphysik und Haustechnik das Denken etwas abseits der alten Gebühren und Zahlen schon relativ weit ist, aber im Bereich der Technik im Wohnbau, wo man Erfahrungen beziehen kann, noch kaum.“

Kempf
: „Ausgehend von den alten Gebührenordnungen haben sich Nachfolgepublikationen entwickelt. Je nach Bauaufgabe und je nach den Ansprüchen der Besteller sind ja auch die benö­tigten Leistungen unterschiedlich. Die Planung einer anspruchsvollen Privatvilla, bei der alles neu entwickelt werden muss, kann kaum mit einem gewerblichen Wohnbau verglichen werden. Daher haben sich die Nachfolgepublikationen im gewerblichen Wohnbau noch nicht so sehr durchgesetzt wie in anderen Bereichen.“

Kobzina
: „Jeder Bauherr hat sein Stammklientel, auf das er sich einstellt. Auch die Öffentlichen haben Eigenheiten. Es wird ein Rahmen vorgegeben, der kann über- und unterschritten werden. Wie weiß ich, wie sich die Preise auf die einzelnen Firmen aufteilen?“

Weingrill
: „Als großer Vertragspartner arbeiten wir immer wieder mit anderen Planern. Das Vergaberecht baut darauf, dass es eben für jeden eine Chance geben soll. Die Kostenkalkulation ist wiederum bei reinen Planungsleistungen wie der Haustechnik anders als z. B. in der Tragwerksplanung. Das Generalplanungssystem, das ja sinnvoll ist, hat meistens den Architekten als Führenden eines Generalplanerteams. Für die Haustechnik-Planung in Österreich gibt es fast keinen Markt. Doch den Markt haben sich die Generalplaner teilweise selbst kaputt gemacht, weil der Architekt als Führer des Generalplanerteams dem Haustechnik- und Tagwerksplaner oft weniger weitergegeben hat, als in den Honorarordnungen vorgesehen war.“

Kempf
: „Das ist aber von einem Generalplaner prinzipiell zu erwarten. Sonst wäre es ja gegen jede Regel der Wirtschaft.“

Krammer
: „Ein Generalunternehmer haftet. Der Vertrag ist so geregelt, dass ich meinen Vertrag an den Subunternehmer fairerweise weitergebe, den ich von meinem Auftraggeber bekomme.“

Weingrill
: „Bei großen Projekten geht es bei uns um einige Millionen Euro Generalplanerhonorar. Da geht es nicht um Kleinplanerhonorare, und da kann ich schon verlangen, dass der Unternehmer die Kosten abschätzt. Das muss er doch auch für seine eigenen Leistungen können.“

Krammer
: „Da sind die Problempunkte. Welcher gewerbliche Planer hat eine unternehmerisch gute Ausbildung?“

Kempf
: „In der Regel hat er eine gute technische Ausbildung, aber an unternehmerischem Wissen mangelt es.“

Pech
: „Professionelle Auftragnehmer sollte man entsprechend honorieren, aber auch die Qualität einfordern, und das professionelle Agieren dieser Auftragnehmer muss kontrollieren werden.“

Rosenberger
: „Eines steht fest, Planungsleistungen müssen auf guten wirtschaftlichen Füßen stehen, denn nur dann ist auch Qualität gewährleistet.“

Keznickl
: „Ich glaube, dass die Anwendungen der neuen Richtlinien der Honorarordnung eine Chance bieten, dass trotz des harten Wettbewerbs die Leistungen angemessen honoriert werden.“

Kempf
: „Es darf nicht erwartet werden, dass eine umfassende Reform des Honorarwesens in kurzer Zeit abgeschlossen ist. Ziel muss es sein, durch weitere Aufklärungsarbeit den betriebswirtschaftlichen Betrachtungen und somit auch dem derzeit noch vernachlässigten Leistungsänderungswesen im Interesse von Baukultur, Transparenz und Fairness zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen.“

Weingrill
: „Qualitativ hochwertige Planungsleistungen sind wichtig für die Auftraggeber, sind aber auch wichtig für die Baukultur. Auftraggeber müssen ein der Leistung entsprechendes Honorar bezahlen – damit dem Unternehmer auch noch etwas übrigbleibt, weil nur so kann er langfristig überleben und auch qualitative Leistungen erbringen.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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