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Bewegungsraum im Zentrum

08.11.2006

Die Planung von Sonderschulen ist keine alltägliche Bauaufgabe. Gefragt sind ein hohes Maß an Verständnis und Sensibilität gegenüber der Vielfalt an spezifischen Bedürfnissen von Kindern mit Behinderung. Im Fall der Sonderschule Schwechat mussten die unterschiedlichen, zum Teil einander gegenüberstehenden Anforderungen des Schulbetriebs aufgrund des Mangels an Grundstücksfläche und dem Wunsch nach einem Maximum an Grünfläche in einem Baukörper gebündelt werden.

Die Auslagerung des Turnsaals in einen eigenen Baukörper war daher nicht möglich. Der Turnsaal rückt von der typischen Randlage in das Zentrum des Schulgebäudes. Bewegungsräume, Rückzugszonen und Lernbereiche finden Platz in dem verdichteten Raumprogramm, ohne dass dabei die für Kinder inspirierende Offenheit verloren geht. Die Wiener Architekten Hemma Fasch und Jakob Fuchs sind mit dem unkonventionellen Sonderbau ein Experiment eingegangen und haben, so viel steht nach der Fertigstellung fest, ein bislang wenig bearbeitetes Neuland erfolgreich beschritten. Ihre Kompetenz bei Bauwerken für Kinder konnten die Planer bereits mit dem 2003 fertig gestellten Kindermuseum in Graz unter Beweis stellen. Davon, dass das Museum in der Praxis hält, was es am Reißbrett verspricht, zeugen tausende begeisterte Kinder jährlich. Auf den ersten Blick ist den beiden Gebäuden eine gewisse Ähnlichkeit nicht abzusprechen.

Skulpturaler Baukörper

Mit einem konventionellen, in der Regel nur vordergründig funktionellen Schulbau hat die von fasch&fuchs geplante Sonderschule wenig gemein. Einzig die funktionale Unterscheidung der Räume ist ein Berührungspunkt. Was deren Anordnung und die sie umschließende Form betrifft, könnten die Unterschiede nicht größer sein. Mehrfach abgestuft und steil nach hinten ansteigend duckt sich der stark skulptural ausgeprägte Baukörper an die Topografie des Grundstücks. Noch markanter wäre das Bauergebnis ausgefallen, wenn nicht vonseiten des Bauherrn einige Abstriche eingefordert worden wären. Von einem zweiten Obergeschoß wurde ohne Reduzierung der Raumzahl abgesehen und auch die Anordnung der Klassenzimmer musste angeändert werden. Der Baukörper hat durch diese Einschränkungen jedoch nicht an Eigenständigkeit verloren – ein überzeugender Beweis für die Flexibilität des Entwurfs.

Gebaute Dynamik

Die vollflächig verglaste Südfassade überspannt ähnlich einem Schild die beiden Obergeschoße und bricht nach hinten abrupt über zwei Bauwerkskanten bis auf Erdgeschoßniveau ab. Die seitlichen Glasfassaden bringen nicht nur viel Licht ins Innere, sondern lassen das Gebäude auch in seiner Vielschichtigkeit erscheinen – der Transparenz der vertikalen Erschließungsachse steht die Geschlossenheit der Klassenräume gegenüber. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion der Stiegenhäuser wirkt nach innen als raumbildendes Element.
Den Klassenräumen im Erdgeschoß und den Verwaltungsbzw. Sonderunterrichtsräumen im Obergeschoß sind über die gesamte Gebäudelänge Wintergärten vorgelagert, die nach oben bündig mit der flach ansteigenden Südfassade abschließen. „Die Wintergärten sind als zweite Klimahülle in das Energiekonzept integriert und leisten darüber hinaus einen wirksamen Lärmschutz“, erläutert Florian Bylow, verantwortlicher Projektleiter bei fasch&fuchs. Ein weit auskragender und fix
montierter Sonnenschutz setzt die Linienführung der Dachkonstruktion konsequent über die Fassade des Erdgeschoßes hinweg. Das Obergeschoß präsentiert sich an der Nordseite geschlossen und ist mit einer vorgehängten und hinterlüfteten Glasfassade ausgeführt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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