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Bewerb samt Imagekorrektur

18.10.2010

In Linz wurden Österreichs beste Jungmaurer gekürt – erstmals in aller Öffentlichkeit auf dem Hauptplatz. Das gelungene Konzept fand regen Anklang und sorgt so für ein besseres Image von Lehre und Bau.

Das Image von Lehre und Bauarbeiter könnte besser sein. „Wir kämpfen damit und müssen das Thema angehen. Der Bau muss wahrgenommen werden, wie er wirklich ist“, gab Oberösterreichs Landesinnungsmeister Norbert Hartl anlässlich des bundesweiten Finales des Jungmaurerwettbewerbes in Linz die Devise aus. Und mit dem Bewerb selbst ist schon einges gelungen. Erstmals präsentierten sich die besten Jungmaurer in der Öffentlichkeit.

Positive Rückmeldungen
„Die Idee unseres Landesinnungsmeisters, den Jungmaurerwettbewerb öffentlich mitten in der Landeshauptstadt Linz zu veranstalten, war ein riesiger Erfolg! Nicht nur, dass wir der Bevölkerung hautnah unser Handwerk und vor allem unseren Lehrberuf Maurer sehr imagefördernd präsentieren konnten, es erhielten auch die besten Jungmaurer Österreichs eine sehr würdige Plattform, ihr Können und ihre Leistungen einem begeisterten und breiten Publikum zu zeigen. Das Zuschauerinteresse war sehr groß, und es gab von allen Seiten ausschließlich positives Feedback“, weiß auch OÖ-BauAkademie-Chef Harald Kopecek zu berichten.

Drei Tage lang standen also 24 jungen Männer vom Bau im Rampenlicht – und zeigten sich von ihrer besten Seite. Nicht nur die Linzer Schaulustigen, auch die Jury galt es zu überzeugen. Und die traf schlussendlich ihre Wahl: Als bester Jungmaurer 2010 wurde in einem abermals öffentlichen Festakt der Vorarlberger Martin Mittelberger von Müller Wohnbau in Altlach vor seinem Landsmann Manuel Moosbrugger, Reich Bau in Au, sowie Gernot Hödl vom steirischen Mandlbauer Bau in Bad Gleichenberg zum heurigen Bundessieger gekürt.

Fast Arbeitsgarantie am Bau
„Hier zeigt sich Handwerkskunst, wenn Projekte unter Druck und in kürzester Zeit erstellt werden“, lobt auch Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel die Speerspitze der Maurerlehrlinge. Und der Nachwuchs wird benötigt, muss doch der natürlichen Abgang von etwa 2.000 Facharbeitern von rund 1.600 Lehrlingen abgedeckt werden. Umso wichtiger ist es, für ein positives Image zu sorgen. Auch wenn sich schon einiges getan habe, wie Frömmel bestätigt: „Früher haben wir nur die bekommen, die niemand wollte.

Heute sprechen wir den Nachwuchs schon früh an und zeigen, dass es ausgezeichnete Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Wir können fast eine Arbeitsgarantie für Maurer abgeben.“ Zwar müsse man heute auch den Umgang mit Computern beherrschen und noch flexibler sein, aber: Die Lehre am Bau sei die bestbezahlte mit rund 1.500 Euro brutto schon im dritten Lehrjahr. Und Frömmel verspricht den Wettbewerbsteilnehmern eine blendende Zukunft: „Die, die heute hier sind, bleiben sicher nicht Maurer, sondern sind bald Poliere oder sogar Baumeister.“

Trotzdem droht der Facharbeitermangel, betrachtet man die Differenz zwischen Abgang und Nachwuchs, wobei von einigen Hundert die Rede ist. Der demografische Wandel hält also in der Bauwirtschaft Einzug, geburtenschwache Jahrgänge stehen bevor. Verschärfend kommt hinzu: Es sind auch nicht alle jungen Menschen für den Bau geeignet, wie eine Studie der Wiener Wirtschaftskammer belegt. Das Niveau potenzieller Lehrlinge schwinde vielerorts. Das Hauptmanko: Mathematik. So mancher ist mit einfachen Rechenaufgaben überfordert. Das bestätigt auch Hartl, aber: „Es gibt hier ein Stadt-Land-Gefälle. Am Land sind die jungen Menschen besser geeignet.“

Fachhochschule für OÖ
Was besonders fehle, sei eine regionale, akademische Spitze für den Bau. OÖ-BauChef Hartl: „Die muss im Land selbst generiert werden. Wir fordern deshalb schon länger eine Fachhochschule beziehungsweise eine akademische Ausbildung.“ Mit einer höheren Schule für Bauingenieurwesen soll verhindert werden, dass junge Leute zur Ausbildung in andere Bundesländer abwandern, denn erfahrungsgemäß kehren sie von dort zumeist nicht mehr zurück.

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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