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Der Neubau des "Montforthaus" in Feldkirch wurde mithilfe von "Nevaris Build" umgesetzt.

„BIM wird in der Branche Fuß fassen“

20.06.2017

Bausoftwarehersteller Nevaris hat seine Führungsebene neu besetzt. Daniel Csillag geht seine Managementaufgaben historisch reflektiert an und sieht die Digitalisierung auf dem Vormarsch.

Daniel Csillag ist neuer Geschäftsführer bei Nevaris.

Seit knapp drei Monaten lenkt der 47-jährige Daniel ­Csillag, vorläufig mit Wolfgang Götz, jedoch ab Herbst schon als alleiniger Geschäftsführer, die Geschicke des Bau­softwareherstellers Nevaris. Das zur Nemetschek-Group gehörende Unternehmen mit Hauptsitz im deutschen Achim und einer Österreichniederlassung in Wals-Siezenheim will er vor allem im Servicebereich ausbauen.

Sie wurden Anfang März in die Nevaris-Geschäftsführung berufen. Was hat Sie an dem Job, am Unternehmen gereizt?
Dazu muss ich etwas über meinen Werdegang sagen: Zuletzt war ich als Vice President Enterprise Market für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Softwareunternehmen Sage tätig. Und davor bei der Exact Software in Deutschland – von daher war das also kein schwieriger Schritt. Nevaris ist aber deswegen spannend, weil es mit seinen Produkten ein dynamisches Unternehmen in einem sich dynamisch entwickelnden Umfeld ist. Der gesamte Markt, auf den Nevaris abzielt, hat ja ein Stück weit Nachholbedarf, was die Digitalisierung angeht. Diese Herausforderung hat mich sehr angesprochen.

Es war also weniger die Produktinnovation als die Branche?
Bevor ich mit Nevaris im Gespräch war, hatte ich mich wenig mit dem Bauwesen beschäftigt. Aber ich sehe enormes Potenzial für Innovationen in der Bauwirtschaft. Dabei sind wir als Softwareanbieter der Gesamtbranche meist ohnehin ein, zwei Schritte voraus. Denn Nevaris arbeitet laufend an neuen Produkten, Anwendungen und aktuell vor allem an mobilen Lösungen.

Was unterscheidet denn eine Finanz- beziehungsweise Buchhaltungssoftware speziell für den Bau von anderer Software dieser Art? Welche Besonderheiten gibt es hier?
Wie in anderen Bereichen des Wirtschafts- und Geschäftslebens spielen im Bau viele Komponenten eine Rolle. Planbudgets nicht zu überziehen ist genau so zentral wie das Einhalten der Timelines. Nur sind andere Branchen bzw. deren Player schon viel besser mit- und untereinander vernetzt. Wenn ich mir zum Beispiel die Fertigungsbetriebe in der Automobilindustrie anschaue: Da weiß man, wann die benötigte Komponente beim Lieferanten vom Fließband kommt. Weil es Zeit spart und vor Überraschungen bewahrt und das auf einem internationalen und schnelllebigen Markt einfach essenziell ist. In dieser Hinsicht hinkt die Bauwirtschaft nach. Aber sie holt auf, und Nevaris hilft mit seinen Softwarelösungen dabei.

Die Essenz der Produkte ist es also, die Verkettung von Baumaßnahmen bis zum Ende eines Projekts abzubilden?
Ja, aber auch darüber hinaus! Spezifisch für den Bau ist ja die gesamte Materialwirtschaft: Alles, was zusammengefügt wird und irgendwann ein Gebäude ergibt, wird am bitteren Ende auch wieder abgerissen, grob gesagt. Potenziell ist das ein sehr langer Zeitraum, den wir begleiten können – und vom Anfang bis zum Ende spielen Finanzen und Buchhaltung eine Rolle.

Was würden Sie als Ihre größte Herausforderung in der neuen Funktion definieren – was sind Ihre Ziele?
Als Geschäftsführer verfolge ich natürlich grundsätzlich den Anspruch, mein Unternehmen nach vorn zu bringen. Umsatzzahlen und Marktanteile sind da Größen, an denen man nicht vorbeikommt. Um in dieser Hinsicht zu reüssieren, sind aber einige interne Meilensteine zu setzen. Insofern fange ich damit an, mit meinem Team interne Strukturen und Abläufe zu verbessern. Nevaris ist in der jüngeren Vergangenheit relativ rasch sehr stark gewachsen, auch personell. Dabei wurde eine kritische Grenze überschritten, bis zu der hin vieles noch auf Zuruf funktioniert hat. Hier müssen Entwicklungen besser gesteuert, muss am Ende die Reaktionsfähigkeit gegenüber dem Kunden verbessert werden.

Geht es bei der Kundenansprache vor allem um den Ausbau des Vertriebs oder eher des Helpdesks?
Sowohl als auch: Wir wollen künftig rascher servicieren, egal ob es um die Neuimplementierung von Systemen oder um Hilfestellung für langjährige Kunden geht. Sowohl unsere Kundenhotline als auch unser Vor-Ort-Service betreffend bedeutet das, dass wir sicherlich auch unser Personal aufstocken werden. In anderen Bereichen ist es hingegen mit der Optimierung von Abläufen getan. Über all dem steht auch unser Wunsch, über den deutschsprachigen Markt hinaus stärker zu werden. Zwar kann man z. B. unsere AVA- und Bautechniklösung Nevaris Build englisch­sprachig betreiben. Aber um wirklich am englisch- oder auch französischsprachigen Markt Fuß zu fassen, müssen wir die Vermarktung dort deutlich vorantreiben und uns dafür einer besonderen Herausforderung stellen: nämlich dass es – EU hin oder her – in den europäischen Staaten immer noch unterschiedliche bauspezifische Normen gibt, die wir in der Software abbilden müssen.

Stichwort BIM: Alle reden darüber, aber so richtig BIM-fit scheinen verhältnismäßig wenige Marktteilnehmer zu sein.
Aus meiner Sicht – und ich arbeite mich wie gesagt noch in den Baubereich ein – ist BIM offensichtlich ein wichtiges Schlagwort. Aber es wird selbst in großen Unternehmen noch nicht flächendeckend eingesetzt – eher werden regelmäßige gelungene „Musterprojekte“ präsentiert. Die Entwicklung steht also noch am Anfang, wenngleich die Vorteile durch BIM für die Planung, die Ausführung und den Betrieb eines Bauwerks relativ klar ersichtlich sind. Es ist auch eine Frage der Normierung und der Standardisierung, aber mit der Zeit wird BIM in der Branche Fuß fassen.

In der Pressemeldung anlässlich Ihres Eintritts bei Nevaris werden Sie als „geschichtsinteressiert“ bezeichnet. Was lässt sich aus der Historie für die Leitung von Unternehmen lernen?
Mein historisches Interesse hätte mich sogar beinahe zum Studium der Geschichte und Politik veranlasst, es wurde dann aber doch die Volkswirtschaft. Ich will nicht zu weit ausholen, aber ich finde es zum Beispiel spannend, inwiefern sich aus einem Kodex der Wikinger Tipps für moderne Management­ratgeber ableiten lassen. Etwa, dass man schnelle Entscheidungen treffen muss, dass der erste Einfall oft der beste ist, dass man sein Team nicht zerschlagen lassen darf und dass man sich Ziele setzt, die erreichbar sind. Nicht zuletzt, auch wenn es banal klingt: den zweiten Schritt nicht vor den ersten zu setzen.

Autor/in:
Bernhard Madlener
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