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Bohrmaschinen mit Schlag

04.03.2011

Bewährt trotz Konkurrenz durch Bohrhämmer und Akkugeräte: Die vier stärksten Schlagbohrmaschinen der Hersteller Makita, Bosch, Einhell und Metabo stellten sich dem Praxistest der bauzeitung.

Selbst in der gehobenen Profikategorie haben die kabelgebundenen Schlagbohrmaschinen ordentlich Konkurrenz bekommen: Nicht nur kräftige Bohrhämmer generell, auch moderne, neuentwickelte Akku-Geräte drohen die klassischen Bohrer vom heimischen Markt zu verdrängen. Verstecken müssen sie sich aber noch lange nicht, die Schlagbohrer. Ganz im Gegenteil: Die aktuellen Modelle sind leistungsoptimiert und bieten auch im Funktionsumfang alles, was auf der Baustelle Sinn macht. Aufgrund der ungebrochen hohen Verkaufszahlen sind die Maschinenpreise im Vergleich zu Bohrhämmer zudem um einiges günstiger. So kostet ein Akku-Bohrhammer je nach Marke etwa 600 bis 1.000 Euro, hochwertige, drehzahlstarke Schlagbohrmaschinen sind aktuell bereits ab 230 Euro erhältlich. Doch können sie sich auch in der Leistungsfähigkeit mit den großen Brüdern messen?

In der BauAkademie Wien in Guntramsdorf stellten sich die vier stärksten Modelle von Makita, Bosch, Einhell und Metabo dem gewohnt harten Praxistest der bauzeitung. In insgesamt fünf Durchgängen mussten sie sich durch Holz, Ziegel und Beton bohren – geführt durch die praxis­erprobten Hände der BauAkademie-Ausbilder Matthias Binder und Axel Liedtke. Vorab steht aber der aktuelle Stellenwert der Schlagbohrmaschine zur Diskussion: Sollte nicht gleich zu einem Bohrhammer gegriffen werden, oder macht der klassische Schlagbohrer doch noch Sinn? Und was eignet sich eigentlich nun besser für den Profibereich am Bau: kabelgebundene Maschinen oder doch die modernen Akku-Geräte?

Kabel oder Akku?
Zumindest für leichtere Arbeiten, so die Profis der BauAkademie unisono, stehen die Schlagbohrer weiterhin hoch im Kurs – schon alleine aufgrund ihres etwas geringeren Gewichts. Binder: „Für grobe Arbeiten wird am Bau aber zum Bohrhammer gegriffen.“ Besonders das Handwerk findet jedoch bei unseren Testkandidaten absolut das Auslangen. Und auch die Krux mit dem auf störenden Stromkabel ist auf der Baustelle von jeher Gewohnheit. Akku-Geräte machen hier natürlich oft Sinn, jedoch steht fest: Nach einer gewissen Zeit ist qualitätsabhängig ein Leistungsabfall bemerkbar. Die Arbeit ist ohne Zusatzakku zeitlich limitiert. Ist der Akku einmal leer, bleibt auch die Arbeit auf der Baustelle liegen. Das kann mit den kabelgebundenen Geräten natürlich nicht passieren. Verlängerungskabel und Verteiler finden sich auf jeder Baustelle. Die Kabellänge ist jedoch eventuell ein Faktor. Liedtke: „Ein kurzes Kabel mag manchmal von Vorteil sein, bei einer Kabelrolle wird es allerdings problematisch.“ Und Binder: „Ein richtig langes Kabel ist einfach besser. Damit ich vielleicht sogar ohne Verlängerung auskomme.“ Daher: Wenn schon Kabel, dann bitte lang.

Schlagbohrmaschinen unterscheiden sich von üblichen Bohrmaschinen durch ihre, neben der normalen Drehung, vibrationsähnliche, axiale Bewegung. Dabei schlägt die Maschine mit ihrem Gewicht immer wieder nach vorn, dieser Impuls wird auf das Bohrfutter und schließlich an den Bohrer übertragen. Die Funktionsweise bei einem elektropneumatischen Bohrhammer unterscheidet sich davon grundsätzlich: Hier wird die Schlagenergie durch einen pneumatisch bewegten Metallkörper erreicht. Als entscheidende Kriterien bei den Schlagbohrmaschinen sind in erster Linie die Motorleistung, die Drehzahl, ein ausreichend hohes Drehmoment und ein entsprechendes Bohrfutter zu nennen.

Fünf Testdurchgänge
Hauptaufgabe der Schlagbohrmaschinen ist das Bohren in Holz und Mauerwerk. In je zwei Durchgängen stehen die Testkandidaten – Makitas HP2071, die GSB 21-2 RCT Pro von Bosch, Einhells RT-ID 105 und die SBE 1100 Plus von Metabo – auf dem Prüfstand, ein fünfter Durchgang in Beton soll zusätzlich die Kraft der Geräte noch klarer aufzeigen. Alle Arbeiten absolvieren die Maschinen mit den gleichen Bohrern, im Holz einmal im ersten und dann im zweiten Gang, in Ziegel und Beton auf Höchstleistung samt zugeschaltetem Schlagwerk.

Anhand der gemessenen, durchschnittlichen Bohrzeit ergibt sich die Punktevergabe der Testbewertung (siehe Infobox Praxistest) und zeigt sich ein recht unterschiedliches, aussagekräftiges Bild.
Holz ist für keinen der teilnehmenden Testkandidaten ein Problem: Mühelos sinkt und in kürzester Zeit der 16-Millimeter-Bohrer in den Balken. Das erledigen alle Bohrmaschinen mit Bravour. Nur Zehntelsekunden trennen die Geräte auf der Zielgeraden. Wobei Makita schon im ersten Durchlauf die Aufmerksamkeit auf sich zieht: Niemand im Konkurrenzfeld ist so leise wie die HP 2071. Gemeinsam mit der Einhell RT-ID 105 setzt sie sich insgesamt im Praxistest Holz an die Spitze.

Ähnliches Ergebnis an der Ziegelwand mit einem Zehn-Millimeter-Ziegelbohrer – wobei hier die Leistungsunterschiede schon eine etwas deutlichere Sprache sprechen. Aber auch hier muckt kein Gerät auf, erledigen alle Testkandidaten die Arbeit zur vollsten Zufriedenheit.

Abseits der sehr kräftigen Bosch und Makita kann abermals die Marke Einhell gut mithalten, hat sogar in einem Durchgang so klar die Nase vorn, dass sie sich doch überraschend vor Bosch und Makita den Etappensieg holt. Doch zeigt sich hier auch gleich eines: Leider ist die Schlagbohrmaschine von Einhell mit 3,8 Kilogramm auch deutlich schwerer als die Konkurrenz. Außerdem gilt es zu berücksichtigen: Auch hier sind die Zeitdifferenzen gering, sie liegen noch innerhalb von wenigen Sekunde.

Ein klares Resultat bringt schließlich die Hürde Betonwand zutage: Zwar trotzen alle Bohrmaschinen dem massiven Baumaterial, einige erledigen die Arbeit jedoch rasanter als andere. Makita und Bosch erweisen sich auch auf Beton als Kraftprotze, Erstere ist dabei mit einer kleinen „Nasenlänge“ voran. Mit doch klarerem Abstand folgen Einhell und Metabo, die aber ebenfalls eine klare Leistung erbringen, rund und ohne viel Vibration laufen. Anmerkung: Die Testergebnisse stellen die Relation der verglichenen Maschinen dar und bedeuten keinesfalls, dass Einhell und Metabo nicht auch im Beton eine gute Figur machen. Nur eben etwas langsamer. Im direkten, wenn auch subjektiven Vergleich zwischen Bosch und Makita zeigt sich ein Phänomen menschlicher Wahrnehmung: Unter den beiden Praxisexperten der BauAkademie herrscht die einhellige Meinung, dass Bosch die stärkere Maschine sei. Warum auch immer: Die Zeiten der Testdurchläufe sprechen hier aber doch klar dagegen und zugunsten Makitas HP2071.

Abseits der Ergebnisse am Prüfstand entscheiden schließlich die weiteren Kriterien Handling und Benutzerfreundlichkeit das spannende Rennen zwischen den Schlagbohrmaschinen. In beiden Disziplinen kann auch hier Makita klar punkten. Sie ist schlank, sie ist leicht, sie ist vor allem gut ausbalanciert. Einige Abzüge müssen insbesondere die Werkzeuge von Einhell und Metabo hinnehmen. Dazu Binder: „Wichtig ist, dass ich die Maschine auch mit einer Hand bedienen kann. Das geht etwa bei der Einhell nicht. Dafür ist sie vergleichsweise zu schwer und vor allem hinten am Griff etwas zu klobig.“ Bei der Metabo SBE 1100 Plus stört zudem ein recht schwer bedienbarer Schalter. Beide Maschinen könnten etwas besser ausbalanciert sein, ziehen an der Spitze stark nach unten. Wer einhändig arbeiten will, braucht da schon ordentlich Kraft in Arm und Hand. Im Bereich Benutzerfreundlichkeit kommt die vieldiskutierte Positionierung von Schaltern und Knöpfen ins Spiel. Die ist zumeist Geschmackssache, wird aber von den beiden Experten der BauAkademie recht stark kritisiert. Die bauzeitung-Redaktion kann das nicht so nachempfinden und revidiert die Bewertung etwas nach oben. Schlussend­lich ist die umstrittene Positionierung bei beinahe allen Modellen sehr ähnlich. Einhell hat viele Schalter zusammen auf den Griff gelegt. Hier könnte sich während der Arbeit durchaus etwas verstellen. Unterm Strich ist aber auch das Geschmackssache. Und übrigens: In Sachen Ergonomie wären die Griffe aller Kandidaten ein kein wenig verbesserungswürdig.

Die Schlagbohrer im Detail
Alle vier Testkandidaten bereichern die tägliche Arbeit mit einer breiten Palette an nützlichen Funktionen: zwei Gänge mit elektronischer Drehzahlregelung, zu- und abschaltbares Schlagbohren, Schnellspannbohrfutter, Links- wie Rechtsum­laufschalter, Bohrtiefenanschlag und Co lassen keine Wünsche offen. Das Zubehör der Schlagbohrmaschinen ist zumeist paketabhängig.

Makita legt da genauso wie Bosch noch ein wenig drauf, etwa mit einer Kontrollleuchte für Kabel und Schalter sowie einem Warnlicht bei Überlastung. Und auch insgesamt beeindruckt die HP2071. Hier passt wirklich alles zusammen, wie Praxistest und die Kriterien Handling und Benutzerfreundlichkeit eindrucksvoll unterstreichen. Das schlanke, zudem leichteste Gerät im Konkurrenzfeld präsentiert sich in jedem Bauelement von seiner besten Seite. Aus drei der fünf Testläufen ging die Makita als eindeutiger Sieger hervor. Das unterstützt wohl auch die vergleichsweise hohe Drehzahl im ersten Gang. Nur Einhell kann da noch mithalten. BauAkademie-Ausbilder Binder bestätigt: „Vor allem bei Arbeiten über Kopf eignet sich die Makita durch ihr geringes Gewicht am besten.“ Aber auch in Sachen Lautstärke punktet die HP2071, wird generell als sehr leise und rund laufend wahrgenommen.

Die Bosch brummt da schon etwas mehr. Bei der GSB 21-2 RCT Pro haben die Tester jedoch eigentlich nur zwei Kleinigkeiten zu kritisieren: Die Fuge zwischen Gerät und Bohrfutter ist sehr schmal. Was eigentlich nicht stören würde, jedoch meint Binder aus Erfahrung: „Wenn das Bohrfutter einmal hängt, kann ich nicht mit dem Schraubenzieher reinfahren und nachhelfen.“ Und, zur Kabeldiskussion: Bei der GSB 21-2 RCT Pro ist das Stromkabel gar etwas kurz geraten. Im Praxistest in Holz, Ziegel und Beton schlägt sich die Bosch wirklich gut, und auch bei Handling, Benutzerfreundlichkeit und Verarbeitung zeigt sich der Hersteller von seiner besten Seite. Eine mechanische Überlastkupplung namens „Antirotation“ sorgt für hohe Arbeitssicherheit. Mit der RT-ID 105 ist dem Hersteller Einhell ein ausgezeichnetes Werkzeug gelungen. Mehrfach überzeugt die Schlagbohrmaschine in den Praxistests und lässt mitunter die Favoriten Bosch und Makita hinter sich. In Holz und vor allem Ziegel absolviert die Einhell die Prüfungen gar mit Bestnoten, was nur durch die etwas geringere Leistung in Beton geschmälert wird. Letztere wird wohlgemerk aber auch von so manchem Bohrhammer nicht geschlagen.

Innovation steckt jedenfalls auch im Detail: In den Griff hat Einhell ein nützliches Fach für Bohrer integriert. Mit rund einem Kilogramm Mehrgewicht zur Konkurrenz ist die Maschine leider etwas schwer ausgefallen. Zu Diskussionen während des Tests führte zudem die Schalterpositionierung am Griff: Gleich vier Funktionen sind hier auf engstem Raum zu finden, was in der Praxis, so zumindest die Experten der BauAkademie, etwas hinderlich sein kann.

Auch die SBE 1100 Plus von Metabo kann im Konkurrenzfeld gut mithalten. Aufgrund des Bewertungsschemas verpasst sie jedoch etwas unglücklich gleich zweimal knapp eine bessere Benotung. Unterm Strich spiegelt die Punktevergabe aber die Resultate wider. Auch wenn die Metabo damit den undankbaren vierten Platz einnimmt, eine gutes Werkzeug ist sie allemal. Auch sie kann mit einer Sicherheitskupplung zur Begrenzung eines ruckartig auftretenden Drehmoments sowie einem Überlastschutz mit Lichtsignal aufwarten. Geringe Punkteabzüge gab’s aus ähnlichen Gründen wie bei Einhell vor allem bei Benutzerfreundlichkeit und Handling.

Insgesamt erwiesen sich im Praxistest alle vier Kandidaten als ausgezeichnete Schlagbohrmaschinen und in vielerlei Hinsicht gleichwertig mit ihren großen Brüdern, den Bohrhämmern. Lässt man gar den Testdurchgang Beton beiseite, lägen die vier getesteten Maschinen recht knapp beieinander. „Auch die Arbeit von Metabo und Einhell war sehr gut“, bestätigen die Praxisexperten Binder und Liedtke. Wenn auch für beide die Sieger feststehen: Selbst würden sie Makita noch vor Bosch kaufen. Wer mit einem schwereren Gerät zurechtkommt, dem sei schon aufgrund des niedrigen Preises auch die Einhell RT-ID 105 empfohlen.
Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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