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Building Information Modeling in Österreich

04.12.2019

Megatrend Digitalisierun? Eine Masterarbeit zeigt den Umgang der Baubranche mit dem Thema auf.

Mehrwert durch BIM für die Unternehmen

Als logische Konsequenz des Megatrends Digitalisierung und dessen Auswirkungen für die Bau- und Immobilienwirtschaft wird Building Information Modeling (BIM) in der Zukunft auch in Österreich eine immer wichtigere Bedeutung für alle beteiligten Akteure zukommen. Anhand der BIM-Methodik soll künftig ein Kulturwandel in der Projektabwicklung eingeläutet werden, welcher sich grundlegend von der herkömmlichen Herangehensweise unterscheidet und dementsprechend die in der Branche tätigen Unternehmen zu radikalen Umstellungen zwingen wird. BIM stellt aktuell ein vielbesprochenes Thema bzw. Konzept in Forschung, Wissenschaft sowie Industrie dar.

Profitieren andere Branchen bereits seit Jahren entlang deren gesamten Wertschöpfungskette durch gesteigerte Produktivität, so stellt die ordnungsgemäße Umsetzung der Digitalisierung immer noch das größte Problem in der Baubranche dar. Aktuell zeichnet sich der gegenwärtige Projektabwicklungsprozess von Bauprojekten noch immer durch ein großes Verbesserungspotenzial hinsichtlich bedeutender Faktoren, wie beispielsweise der Effizienz, der Kostentransparenz sowie des Betriebs, aus.

Unter BIM kann, vereinfacht dargestellt, der Prozess der Erzeugung eines digitalen Gebäudemodells unter Zuhilfenahme diverser Softwareanwendungen verstanden werden.1 Da die Anwendungsbereiche von Building Information Modeling einer stetigen Weiterentwicklung unterliegen, sind sie dementsprechend erheblich umfassender geworden. BIM weist das vorrangige Ziel auf, eine zentrale und verlustfreie Verwaltung (Datenbank) aller projektrelevanten Informationen, wie beispielsweise Prozesse, schriftliche Dokumentationen sowie Verweise auf Ressourcen etc., zu gewährleisten und somit entscheidend zum Projekterfolg beizutragen.2

Aktuelle Forschungsergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild der Marktdurchsetzung. Im Hinblick auf die derzeitige Relevanz von BIM für die jeweiligen Unternehmen zeichnete sich in einer 2017 durchgeführten Umfrage, ein eindeutiges Ergebnis ab. Demnach ist für die Mehrheit der Umfrageteilnehmer (58,6 %) keine Relevanz von BIM gegeben.

Bei der Untersuchung eines möglichen Mehrwertes, resultierend aus der Anwendung der BIM-Methodik, zeigte sich im Rahmen der Umfrage, dass die höhere Planungsqualität, gefolgt von Dokumentation sowie Effizienzsteigerung die bedeutendsten Mehrwerte darstellen [vgl. Abbildung: Mehrwert durch BIM für die Unternehmen (Mehrfachnennungen)]. Dieses Ergebnis konnte auch im Zuge der Experteninterviews bestätigt werden, wobei sich weitestgehend Einigkeit unter den Experten einstellte. Laut den Experten kann als der bedeutendste Mehrwert der Effizienzvorteil, welcher sich aus der erhöhten Prozessqualität ableiten lässt, betrachtet werden. In weiterer Folge wurde noch die Dokumentation, im Zusammenhang mit dem Facility Management, genannt.

Insgesamt zeigt die im Rahmen einer Masterarbeit durchgeführte Untersuchung, dass die Bauwirtschaft bis dato den Megatrend Digitalisierung extrem vernachlässigt hat. Dieser Umstand hat durchaus unterschiedliche Beweggründe, welche weit über die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise der BIM-Methodik hinausgehen. Alleine die derzeitige Anzahl der Anwender, stellt einen Beleg der Skepsis der Branche gegenüber dieser neuen Form der Projektabwicklung dar. Zudem greift BIM entscheidend in die internen Prozesse der jeweiligen Unternehmen ein. Demzufolge müssten sich die Unternehmen vorrangig auch damit beschäftigen, wie Prozesse in ihrem Unternehmen derzeit ablaufen bzw. stattfinden. Dieser Umstand, in Verbindung mit der derzeitigen Auslastung der Branche, stellt ein bedeutendes negatives Kriterium hinsichtlich der Implementierung von BIM in den jeweiligen Unternehmen dar. Auch das Problem der Zusammenarbeit über Schnittstellen bei der Anwendung von BIM stellt die Unternehmen vor massive Herausforderungen. In diesem Zusammenhang ergibt sich, dass gegenwärtig verständlicherweise der Großteil der Nutzer jeweils für sich eigene Standards entwickelt, was wiederum eindeutig gegen den für die Zukunft geforderten Open-BIM Gedanken spricht. Um dieser Problematik entgegenzuwirken bzw. gerecht zu werden, hat die Branche, mitsamt der Vielzahl an Akteuren, welche über den Lebenszyklus einer Immobilie hinweg involviert sind, noch einen sehr weiten und steinigen Weg vor sich, welcher sich zweifelsohne durch einen erhöhten Forschungsbedarf sowie entsprechender Aufklärung in Bezug auf die BIM-Methodik kennzeichnet.

1Vgl. ALBRECHT, M.: Building Information Modeling (BIM) in der Planung von Bauleistungen. S. 20
2Vgl. EGGER, M., et al.: BIM-Leitfaden für Deutschland. S. 18

Autor/in:
Gottfried Mauerhofer

ist Professor für Baumanagement am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der TU Graz.

www.bbw.tugraz.at

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