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CAD und CFM für die Baupraxis

15.03.2006

Die zuletzt stattgefundenen Fachmessen mit Schwerpunkt auf Bausoftware, die Bausoftware-Messe in Graz wie auch die PRObau im Jänner in Wels, bestätigten die in den vergangenen Jahren deutlich gewordenen klaren Trends bei EDV am Bau: Die planende wie auch ausführende Bauwirtschaft arbeitet kaum noch ohne Bausoftware. Die Programme sind von ihrer Leistung wie auch ihrer Qualität her absolut vergleichbar. Eines aber vor allem setzte sich auch bis zum kleinsten Anbieter durch: gepunktet kann mit aktiver Kundenbetreuung und einem perfekten Updating-Service. Zur inzwischen selbstverständlichen Software zählt einerseits vor allem für Planungsbüros Zeichenprogramme wie CAD, aber ebenso komplexe Datenverwaltungsprogramme und Ausschreibungssoftware.

Kompatibiliät als Erfolgsrezept
Die Kompatibilität ist ein Teilbereich, der alle Software-Häuser in den vergangenen Jahren stark auf Trab gehalten hat. Immerhin gilt es in einer Zeit, wo immer mehr Mobilität gefragt und gefordert ist, ebenso, dass Daten miteinander verknüpfbar sind und auch mühelos weiterverarbeitet werden können. Neben den unzählig vielen Zeichenprogrammen tüfteln die EDV-Experten am Bau bereits an der nächsten Dimension. Daten werden via GIS miteinander verknüpft. Hier liegen vor allem im Bereich Immobilienmanagement Potenziale brach. Für Bauausführende sind vor allem reibungslos funktionierende AVA-Programme hilfreich. Auch hier gibt es einige hochqualitative Programme, die gerade für den Anwender in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Arbeitserleichterungen ermöglichten. Vorbei scheinen insgesamt auch die Zeiten, wo ein Kunde zu einem System gezwungen wird – Kompatibilität ist dabei das Zauberwort. Für Verwirrung sorgten unter Planern die CAD-Richtlinien. Die Stimmen nach einer einheitlichen CAD-Modellstruktur wurden laut. Diese sind deshalb erforderlich, um einen Datenaustausch mit mehreren Projektbeteiligten zu ermöglichen. Das Institut für Facility Management der Technischen Universität Wien führte unter 150 Planern eine Umfrage bezüglich der Verwendung und des Einsatzes von Bausoftware, mit besonderem Augenmerk auf die verwendeten CAD-Programme wie auch Ausschreibungssoftware, durch. Klares Ergebnis vorab: Die planende Bauwirtschaft, die vom Software-Anbieter perfekt betreut und serviciert wird, ist schlichtweg produktiver. Bei der Analyse der Marktverteilung zeigt sich an der Spitze seit Jahren ein ähnliches Bild. Wie schon in den vergangenen Jahren konnten die Produkte von Autodesk auch heuer die Marktführerschaft verteidigen. Insgesamt hat der Einsatz von AutoCAD® und verwandten Autodesk-Produkten gegenüber 2002 etwas dazugewonnen. Derzeit besitzt die AutoCAD®-Produktfamilie einen Marktanteil von 40 Prozent. Neben „nacktem“ AutoCAD ist hier insbesondere der Autodesk Architectural Desktop vertreten (die exakte Marktaufteilung zwischen den beiden Produkten konnte nicht erhoben werden, da in den Büros oft Lizenzen von beiden Produkten parallel im Einsatz sind und die Gesprächspartner diesbezüglich auch nicht unterscheiden wollten). Zählt man noch die Anteile des Einstiegsproduktes AutoCAD LT® dazu, so hat die AutoCAD® -Produktfamilie einen Gesamtanteil von 43 Prozent. An zweiter Stelle liegt ArchiCAD®, das ebenfalls dazugewonnen hat und nun bei 20 Prozent hält. Allplan/Allplot® konnte sich mit 18 Prozent ebenfalls leicht steigern. ABiS® ist leicht zurückgefallen, konnte aber seine Marktposition behaupten. Die übrigen Produkte haben etwas an Marktanteilen verloren. Insgesamt kann man also eine Marktbereinigung feststellen. In der aktuellen Befragung wurde auch die Zufriedenheit der Anwender mit ihrem CAD-Produkt und ihrem EDV-Partner erhoben. Die Bewertung der einzelnen Kriterien erfolgte mit Schulnoten von 1 bis 5. Das bedeutet, dass in den Grafiken kleinere Balken besseren Bewertungen entsprechen. Die Zufriedenheit der einzelnen Benutzer mit ihrem Programm ist in der Grafik ersichtlich. Es werden im Folgenden nur die vier am weitesten verbreiteten Programme analysiert, da nur über diese statistisch relevante Aussagen getroffen werden können.

Guter Service hilft sparen
Beim Vergleich der generellen Ergebnisse mit denen aus 2002 zeigt sich keine absolute Verbesserung oder Verschlechterung der Benotung, im Detail haben sich dennoch einige Verschiebungen in der Rangordnung ergeben.
ArchiCAD® hat sich bei der Zufriedenheit der Anwender etwas verbessert und liegt nun an der Spitze. Abis® hat sich gegenüber 2002 etwas verschlechtert und nimmt nun den 2. Platz ein, dahinter liegen Allplan/Allplot®, und AutoCAD®, deren Bewertung ungefähr gleich geblieben ist.
Interessant ist nun der Vergleich der Zahlen über die Zufriedenheit mit den Aussagen der Befragten über die erzielten Einsparungen. An der Spitze liegen in beiden Bereichen ArchiCAD und Abis. Aus den Zahlen lässt sich auch ablesen, dass Büros, die von ihrem EDV-Partner gut betreut werden, ein größeres Einsparungspotenzial erwirtschaften können. Bei den ersten Plätzen zeigt sich, dass zwar das durchschnittliche Einsparungspotenzial gleich bewertet wird, die Streuung der Aussagen aber bei ABIS kleiner ist, die Kundeneinsparungen also eher im gleichen Rahmen liegen. Bei den anderen beiden Programmen zeigen sich höhere Schwankungen und auch die durchschnittlichen Einsparungen sind um einiges geringer. Insgesamt kann man also erkennen, dass die Servicequalität der Softwarefirmen für ihre Kunden, die Planungsbüros, in direktem Zusammenhang mit den von den Büros erzielbaren Einsparungen hinsichtlich Zeit und Kosten steht.

Marktbereinigung bei AVA
Ausschreibungs-, Vergabe und Abrechnungssoftware gibt es zwar schon länger als CAD-Software und in einer großen Vielfalt, aber der Markt bereinigt sich in den vergangenen Jahren immer mehr.
Eine Bewertung der am Markt vertretenen Produkte und der Benutzerzufriedenheit wurde im Rahmen der Studie „Bausoftware im Planungsprozess“ des IFM der TU Wien vorgenommen. Schon seit Jahren zeigt sich bei den AVA-Systemen eine Konzentration des Marktes. Trotz dieser Zusammenballung gibt es bei den Planern immer noch keine Vormachtstellung eines einzigen Programmes. Die ersten drei Plätze sind seit Jahren stets von den gleichen Produkten besetzt. ABK nimmt den ersten Platz ein, gefolgt von ABIS AVA. Beide Produkte haben ihren Marktanteil über die letzten Jahre gehalten. Sidoun hat wieder den dritten Rang inne. Den vierten Platz besetzt Auer Bausoftware, gefolgt von AVA-Office und ArchiAVA.
Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass der befragte Sample ausschließlich den Bereich der Planer und Ausschreiber abdeckt. Ausführende Firmen und Auftraggeber wurden nicht erfasst. Die Produkte, die ihre Stärke vor allem bei den Ausführenden haben, sind dadurch in dieser Auswertung unterrepräsentiert.

Bewertung der Programme
Die Interviewpartner wurden gebeten, die von ihnen eingesetzten Systeme aus einigen Gesichtspunkten mit Schulnoten zu beurteilen. Die folgende Abbildung zeigt die durchschnittliche Beurteilung der am häufigsten genannten AVA-Produkte, wobei die Programme in alphabetischer Reihenfolge gelistet wurden.
Das erste Kriterium, das im Rahmen der Studie näher analysiert wurde, war das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Werte schwanken hier in einem relativ großen Bereich von 1,9 Abis bis 2,8 Auer Bausoftware. Sidoun liegt mit 2,0 knapp an zweiter Stelle. Mit einigem Abstand folgen ABK, ArchiAVA und AVA-Office. Auch im Bereich Service scheiden sich die Geister. Die beste Bewertung erhielt ArchiAVA mit 1,8. ABK und Sidoun wurden mit 2,0 bewertet. Abis und Auer lagen etwas darüber. AVA-Office wurde hinsichtlich Service mit 3,3 bewertet. Bei den Kriterien Funktionalität und Zuverlässigkeit gibt es jeweils nur geringe Unterschiede. Die Funktionalität erhielt durchwegs die Note „Gut“. Die Zuverlässigkeit wurde etwas besser beurteilt, die durchschnittlichen Noten liegen zwischen 1,4 und 1,8.
Bei der Bedienerfreundlichkeit liegen die Bewertungen etwas weiter auseinander. Am ersten Platz rangieren ex aequo ABIS und Auer mit 2,0. AVA-Office konnte bei dieser Frage jedoch nur 2,6 erzielen.
Bei der Frage nach dem Kosteneinsparungspotenzial wurden alle Systeme mit Noten zwischen 2,1 und 2,3 sehr ähnlich beurteilt. Errechnet man eine Gesamtbeurteilung, liegen alle betrachteten Systeme mit Noten zwischen 2,0 und 2,2 knapp beieinander, lediglich AVA-Office hat mit 2,4 eine etwas schwächere Gesamtnote.

CAFM unter der Lupe
Zahlreiche CAFM-Systemanbieter preisen ihre Produkte an. So wird anhand von langen Datenblättern aufgezeigt, was die jeweilige Software leistet, wie benutzerfreundlich sie ist und über welche Spezialfeatures sie im Speziellen verfügt, um sie von der Palette der anderen Anbieter zu unterscheiden. Es gibt zwar bereits Auswertungen, welche die angegebenen Funktionen der Tools gegenüberstellen, doch gehen diese über den reinen Faktorenvergleich nicht hinaus. Auch basieren sie vor allem auf den Aussagen der Anbieter. Was die jeweilige Software aber wirklich leistet, wie intuitiv man an ein Projekt herangehen kann und welche Vorarbeiten notwendig sind, soll nun anhand einer unabhängigen Studie des IFM der TU-Wien von Fachleuten geprüft werden.
CAFM-Systeme gibt es derzeit viele am österreichischen Markt. Einige davon seit vielen Jahren, andere Anbieter sind erst seit Kurzem dabei. Für den Facility Manager, der eine optimale Unterstützung seiner Abläufe sucht, ist es daher nicht immer leicht, den Überblick zu bekommen und zu wahren. Um fundierte Ergebnisse bieten zu können, geht die Studie über den groben Vergleich der jeweiligen Datenblätter hinaus und prüft praxisnah die Funktionsfähigkeiten der getesteten Software anhand von Projektbeispielen.
Im ersten Schritt erfolgt eine Gegenüberstellung der auf den Produktbeschreibungen aufgelisteten Features aber auch Hard- und Softwareanforderungen. Danach wird es ernst. Die einzelnen Anbieter werden vom IFM eingeladen, die Funktionalität ihrer Programme im Rahmen einer Präsentation auf Basis eines vom IFM vorbereiteten Mustergebäudes der TU Wien zu präsentieren. Ergänzend zu den Angaben der Anbieter soll damit verglichen werden, wie man mit den zahlreichen Werkzeugpaletten in der Praxis umgehen kann, was zusätzlich von Spezialisten zur Verfügung gestellt werden muss und was vom einzelnen Facility Manager selbst eingearbeitet werden kann. Weiters wird untersucht, welche FM-Prozesse abgebildet werden können, wie benutzerfreundlich diese unterstützt werden und wie die Verknüpfung mit anderen Programmen – wie etwa ERP-Systemen oder CAD-Programmen – bewerkstelligt wird. Auf diese Weise werden die Stärken und Schwächen der am österreichischen Markt meistvertretenen Produkte analysiert und die erhaltenen Resultate gegenübergestellt.
Dieser Studie gehen bereits weitere voraus, bei der zum Beispiel über 100 der größten heimischen Unternehmen nach dem derzeitigen FM-Status, dem Einsatz von CAFM-Tools im Betrieb sowie ihrer Zufriedenheit mit dem jeweiligen Anbieter im Rahmen einer Umfrage befragt wurden. Auf Basis dieser Studie wird auch der Sample der untersuchten Programme festgelegt. Jene fünf Anbieter werden analysiert, die in Österreich laut der Studie den größten Marktanteil haben. Eine weitere Studie, die sich vor einigen Jahren vom IFM auch mit dem Thema Vergleich von CAFM Systemen beschäftigte, soll als Grundlage für die Beschreibung einer Entwicklungstendenz dienen.

Künftige Ergebnisse der Studie
Es soll zum einen das Anforderungsprofil sowohl an das Betriebssystem als auch an die notwendige Hardware aufgezeigt werden, zum anderen soll die Funktionalität und die Integration von anderen Programmen oder Datenbanken in die jeweilige Software dargestellt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Flexibilität und Anpassung der Programme an zukünftige Standards und Normen wie beispielsweise der, im Bausoftwarebereich eine immer größere Bedeutung gewinnenden, IFC-Schnittstelle. Aber auch die Erweiterbarkeit durch spätere Integration von zusätzlichen Modulen und somit die Anpassungsfähigkeit bei steigenden Anforderungen an die FM-Abteilung soll erfasst werden.
Alexander Redlein

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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