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"Die Bauwirtschaft schwingt grundsätzlich eher in längeren Zyklen. Im eher kurzen Shutdown, wie wir ihn erlebten, konnte sich die Bauwirtschaft weitgehend ´Corona-resistent´ erweisen", sagt Christian Lorenz.

Christian Lorenz: „Bauen ist Corona-resistent!“

23.06.2020

Auf den Baustellen und Planungsabteilungen herrscht schön langsam wieder Normalbetrieb. Erhebliche Verzögerungen gibt es hingegen beim Versand von Ausschreibungen und Baugenehmigungen. Im Interview mit der Österreichischen Bauzeitung fordert Christian Lorenz, Geschäftsführer von Lorenz Consult, deshalb einen dringenden Abbau des Ausschreibungs- und Genehmigungsstaus.

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft weltweit nahezu zum Erliegen gebracht. Nach einer aktuellen Konjunkturprognose der Weltbank wird die globale Wirtschaft um 5,2 Prozent einbrechen. Natürlich lässt das auch die heimische Baubranche nicht kalt, „trotzdem zeigt sie sich bis jetzt relativ Corona-resistent“, wie Christian Lorenz, Geschäftsführer von Lorenz Consult meint. Wie sich die Auftragslage seiner Meinung nach in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird, warum der Genehmigungsstau dringend abgebaut werden muss und was eine zweite Welle für die Branche bedeuten würde, erzählt er im Interview.  

Herr Lorenz, mit dem Fall der Maskenpflicht herrscht nach Wochen des Lockdowns zumindest in unserem Alltag wieder annähernd Normalität. Wie sieht es denn in der Baubranche diesbezüglich aus?
Christian Lorenz: Schön langsam herrscht auch dort wieder „Business as usual“. Die Planungsabteilungen werden wieder aus dem Homeoffice zurück ins Büro geholt. Auf den Baustellen herrscht nahezu Normalbetrieb. Und übrig bleibt im Wesentlichen eine verstärkte Reinigung der sanitären Anlagen auf den Baustellen.
 
Während die Weltwirtschaft im Jahr 2020 einen enormen Einbruch erwartete, zeichnet sich nach dem historischen Tiefstand im April in Österreich langsam eine konjunkturelle Verbesserung ab. Ein gutes Zeichen für die Zukunft?
Lorenz: Ja definitiv. Bis dato hat sich speziell die Bauwirtschaft sowieso als „Corona-resistent“ gezeigt. Im Wesentlichen gab es eine kleine Delle in der Zeit vor Ostern bzw. bis zu dem Zeitpunkt, an dem klar war, wie auf den Baustellen vorzugehen ist. Blickt man in die nahe Zukunft, zeichnet sich für uns aber ein etwas differenzierteres Bild ab. Während der Gesundheitsbereich wie Pharma und Spitäler eine Steigerung der Investitionen erwarten lassen, geht die Investitionsbereitschaft im klassischen Industriebau zurück. Auch der Tourismus und Restaurantbesuch wird eher nur verhalten investieren. Für die restlichen Bereiche erwarten wir eine gleichbleibende Auftragslage.
 
Viele Bauunternehmen fürchten, dass es zu einem Auftragsloch im Sommer kommen wird. Wie schätzen Sie dies derzeit ein?
Lorenz: Es kann ganz klar beobachtet werden, dass sich durch den Shutdown der Versand von Ausschreibungen, insbesondere von Projekten der öffentlichen Hand, verzögert hat und sich auch weiter verzögert. Auch bei Baugenehmigungen zeigt sich eine erhebliche Verzögerung. Um der Bauwirtschaft hier etwas Positives zu tun, ist ein dringender Abbau des Ausschreibungs- und Genehmigungsstaus wünschenswert.
 
Eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst kann nicht ausgeschlossen werden. Was würde dies für die Bauwirtschaft bedeuten?
Lorenz: Die Bauwirtschaft schwingt grundsätzlich eher in längeren Zyklen. Im eher kurzen Shutdown, wie wir ihn erlebten, konnte sich die Bauwirtschaft weitgehend „Corona-resistent“ erweisen. Eine zweite Welle würde sich aber auch auf den langfristigen Zyklus auswirken und könnte die Bauwirtschaft empfindlich treffen und zwar weniger was die Maßnahmen auf den Baustellen betrifft, sondern viel mehr in der Investitionsbereitschaft und damit bei den kommenden Projekten des Jahres 2021.
 
Ein grundsätzlicher Blick in die Zukunft: Fällt dieser optimistisch aus?
Lorenz: Es ist das Ende der Welt, sagt die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagt der Schmetterling – ein Spruch von Laots, der zur aktuellen Situation sehr gut passt. Der Corona Shutdown hat das wesentlich beschleunigt, was sich in der Wirtschaft schon abgezeichnet hat. Der Strukturwandel hat sich wesentlich beschleunigt. Themen wie die Energiewende, lokale Versorgung anstatt globaler (Nearshore statt Offshore), erhöhte Lieferbereitschaft, die anhaltende Digitalisierung sind Felder, in denen es weiterhin zu Investitionen und somit zu Bauprojekten kommen wird. Ganz abgesehen davon, dass wir unsere Gesundheitsinfrastruktur auf ein technisches Ausstattungsniveau bringen müssen, das eine Aufrechterhaltung bei Pandemien auch außerhalb der Krankenhäuser sicherstellt.
Autor/in:
Theresa Kopper
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