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Digitalisierung ist zu einer Überlebensfrage geworden, davon ist Christof Gämperle überzeugt.

Christof Gämperle: "Es braucht die Bereitschaft zur Veränderung!"

23.04.2018

BIM, Blockchain und Co sind zentrale Themen, an denen Bauunternehmen heute nicht mehr umhinkommen, ist Christof Gämperle, Österreich-Geschäftsführer der Implenia, überzeugt. 

Digitalisierung und Operational Excellence sind die beiden zentralen Schwerpunkte, mit denen sich die Implenia derzeit beschäftigt, so Christof Gämperle. Was sich in seinem ersten Jahr als Österreich-Geschäftsführer getan hat und welche ­Herausforderungen in Zukunft auf das Unternehmen zukommen werden, berichtet er im Gespräch mit der Bauzeitung.

Herr Gämperle, Sie sind seit einem Jahr Österreich-Geschäftsführer der Implenia. Wie sieht Ihre bisherige Bilanz aus?

Christof Gämperle: Das erste Jahr verlief durchaus positiv. Vor allem Wien mit seinen rund 13.000 neu zu bauenden Wohnungen pro Jahr, der dafür zu schaffenden Infrastruktur, sowie der notwendigen Modernisierung von Bestandsbauten ist ein sehr guter Markt für uns als Bauunternehmung. Die zentrale Aufgabe für mich als Geschäftsführer ist es, das Geschäft in Österreich weiter auszubauen. Und ich bin zuversichtlich, dass dies bei den derzeitigen Marktbedingungen möglich ist.

In der Schweiz ist Implenia Marktführerin auf ihrem Gebiet. Ist die Marktführerschaft auch in Österreich das Ziel?

Gämperle: Österreich hat eine sehr große und lange Bautradition mit sehr erfolgreichen Unternehmen. Die Marktführerschaft ist für uns deshalb nicht das primäre Ziel. Wir bewegen uns in Österreich aber auf sehr hohem Niveau. Die Implenia ist kerngesund, hat eine ausgezeichnete Cash-Position und Eigenkapitalbasis. Unser derzeitiger Auftragsbestand – darunter der Auftrag für die Errichtung zweier Baulose des Semmering-Basistunnels – ist auf Rekordniveau. Das stimmt uns für die Zukunft sehr positiv. 

Am österreichischen Markt präsentiert sich Implenia als ­Allroundanbieterin in den unterschiedlichsten Bereichen. In welchem sehen Sie derzeit das größte Potenzial?

Gämperle: Derzeit sehe ich das größte Potenzial im Wohnbau. In allen europäischen Ländern besteht aktuell eine sehr hohe Nachfrage nach Wohnungen in urbanen Regionen. In Wien ist das natürlich extrem, wenn man bedenkt, dass die Stadt jährlich um rund 22.000 Einwohner wächst. Gleichzeitig bedingt das auch, dass die Infrastruktur ausgebaut wird. Damit meine ich nicht nur Straßen oder die Bahn, sondern auch Schulen, Kindergärten oder Spitäler. Für Bauunternehmungen ist das natürlich eine sehr gute Perspektive.

Die Baubranche hat aber nicht nur zu lachen, immerhin kämpft sie seit einiger Zeit mit einem enormen Fachkräftemangel. Wie schwierig ist es, für Ihr Unternehmen geeignetes Personal zu finden?

Gämperle: Wir haben das Glück, im Bereich der Bauleitung relativ einfach gutes Personal zu finden. Schwieriger ist es hingegen beim gewerblichen Personal. Mir ist aufgefallen, dass die Bindung an ein Unternehmen hier in Österreich nicht so hoch ist wie beispiels­weise in der Schweiz. Das kann für ein Unternehmen natürlich ein Vorteil sein, da das Personal durchaus willig ist zu wechseln. Gleichzeitig birgt es aber auch das Risiko, dass das es zu raschen Abgängen kommt. Was wir auch sehen, ist, dass sich die Situation in der Stadt maßgeblich von der auf dem Land unterscheidet. Die Leute zieht es nicht in die Stadt, um am Bau zu arbeiten. Zudem gibt es in der Stadt natürlich eine viel breitere Vielfalt an Jobs als in länd­lichen Gebieten. In Ballungszentren ist es deshalb schwieriger, Fachkräfte­ zu finden. 

Gerade junge Leute sind für einen Beruf am Bau nur schwer zu begeistern. Was ist schiefgelaufen?

Gämperle: Die Bauwirtschaft hat diesbezüglich einiges verschlafen. Es ist uns noch nicht gelungen, die positiven Seiten des Bauens, nwie etwa etwas Neues zu schaffen, das langfristig Bestand hat, hervorzuheben. Mir ist bewusst, dass Bauen auch heißt, bei jeder Witterung – egal ob es heiß oder kalt ist – draußen zu sein. Das ist nicht immer angenehm. Das Wissen, dass man an dem Bau von etwas Nachhaltigem teilhat, sollte dies aber kompensieren. Gleich­zeitig ist es auch ein Beruf, in dem persönliche Beziehungen eine große Rolle spielen. Das macht die Baubranche attraktiv und spannend. Es gibt sehr viele langjährige Mitarbeiter, denen es am Bau extrem gut gefällt und die beruflich nie etwas anderes machen möchten. Diese Leidenschaft müssen wir der jungen Generation vermitteln. 

Neben dem Fachkräftemangel ist mit Building Information Modeling (BIM) und der Blockchain-Technologie auch die ­Digitalisierung gerade in aller Munde. Wie digitalisierungs­affin ist Implenia?

Gämperle: Digitalisierung und Operational Excellence sind zwei Schwerpunkte, an denen wir derzeit arbeiten. Wir haben aktuell mehrere Projekte in Ausführung, bei denen das Thema BIM eine zentrale Rolle spielt. Weitere sind in Planung und werden folgen. 
Grundsätzlich merke ich in Österreich eine gewisse Verhaltenheit, was das Thema Digitalisierung angeht. Wir müssen uns darüber bewusst werden, dass es dabei nicht darum geht, ob man sie gut findet oder nicht. Die Digitalisierung kommt, ob man das will oder nicht. 

Deutschland plant, ab 2020 die Verwendung von BIM bei Großprojekten verpflichtend einzuführen. Sollte Österreich diesem Beispiel folgen?

Gämperle: Was wir brauchen, ist die Bereitschaft zur Veränderung. Wenn es diese nicht gibt, wird man das volle Potenzial von BIM nicht ausschöpfen können. Soll BIM erfolgreich sein, braucht es die Auftraggeber, die Planer und die ausführenden Unternehmen gleichermaßen.

Neben der Digitalisierung ist Operational Excellence ein wichtiges Thema bei Ihnen. Was ist darunter zu verstehen?

Gämperle: Operational Excellence umfasst unsere Maßnahmen, sämtliche Prozesse und Systeme entlang der Wertschöpfungs­kette kontinuierliche zu optimieren. Damit wollen wir einerseits die Bauzeit so kurz wie möglich halten und andererseits die Qualität steigern. Ich bin überzeugt, dass wir dies nur erreichen können, wenn wir vermehrt auf Eigenpersonal setzen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man bei Subunternehmen die Qualität oft nicht ausreichend durchsetzen kann und Nachbesserungen durchgeführt werden müssen, was wiederum zu Kosten führt. Hinzu kommt das Thema Sozialdumping, das keinesfalls in unserem Interesse ist und nur mit Eigenpersonal gänzlich verhindert werden kann.

Ist Sozialdumping auch eine der großen Herausforderungen der Zukunft?

Gämperle: Neben dem Fachkräftemangel, den es in den Griff zu bekommen gilt, ist das Sozialdumping bestimmt ein Thema, das die Bauwirtschaft in Zukunft noch stärker beschäftigen wird. Die aktuelle Situation ist schwierig. Einfache Lösungen gibt es aber bei diesem Thema nicht, sonst hätten wir das Problem bereits gelöst. Auch hier braucht es ein Zusammenspiel von vielen Akteuren, um eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen. Es muss deshalb in unser aller Interesse sein, dass sich Europa nicht auseinanderlebt.

Autor/in:
Theresa Kopper
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