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CO2 belastet Österreich

06.11.2009
CO2

Der Handel mit CO2-Zertifikaten erhitzt die Gemüter. Bis 2013 muss Österreich voraussichtlich eine Milliarde Euro CO2-Zertifikate kaufen. Innovative Forschungsprojekte der Industrie sollen die Emissionen minimieren. Im Kioto-Protokoll wurde für Österreich ein CO2-Reduktionsziel von minus 13 Prozent bis 2010 innerhalb der Zielerreichungsperiode 2008 bis 2012 auf Basis des Jahres 1990 festgelegt.

Bei Nichterreichen der vereinbarten Ziele sind aufgrund der rechtlichen Übereinkunft Strafmechanismen vorgesehen. Konkret heißt das, dass die nicht erreichten Reduktionen in der nächsten Verpflichtungsperiode mit einem Aufschlag von 30 Prozent zusätzlich zum neu vereinbarten Ziel nachgeholt werden müssen. Wenn diese Reduktion im Inland nicht erreicht werden kann, müssen CO2-Emissionsrechte im Ausland eingekauft werden. Experten sind sich einig, dass Österreich in der aktuellen Periode das Reduktionsziel nicht erreichen wird. Die Zahlen sprechen für sich: Über die Jahre 2008 bis 2012 dürften in Österreich durchschnittlich 68,7 Millionen Tonnen Treibhausgase, gemessen in CO2-Äquivalenten, emittiert werden. Für das Jahr 2007 zeigen die Emissionsdaten, dass Österreich 88 Millionen Tonnen emittiert hat und somit elf Prozent über dem Referenzjahr von 1990 mit 79 Millionen Tonnen liegt. Das entspricht einem tatsächlichen Reduktionsbedarf von 22 Prozent. Wenn man nun von dem Emissionsüberschuss von 19,3 Millionen Tonnen 2007 ausgeht, könnte in der Kioto-Zielperiode 2008 bis 2012 das jährliche CO2-Defizit 20 bis 30 Tonnen erreichen. „Bis zum 31. 12. 2013 muss Österreich nachweisen, dass es über ausreichend CO2-Zertifikate verfügt, sonst kommt es zu einem Vertragsverletzungsverfahren. Derzeit liegt das Preisband für Zertifikate bei rund zehn bis 15 Euro pro Tonne CO2. Wenn also laut Hochrechnungen in der gesamten Erfüllungsperiode zirka 100 Millionen Tonnen CO2 von Österreich zu viel emittiert werden, ergibt dies einen erforderlichen Zertifikatszukauf im Wert von mindestens einer Milliarde Euro, aber möglicherweise auch bis zu 1,5 Milliarden Euro“, erläutert Christian Plas, Geschäftsführer der denkstatt GmbH.
Peter Engert, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing kritisiert vor allem das politische Vorgehen bzw. die mangelnden Impulse: „Offensichtlich muss in Österreich genug Geld vorhanden sein, wenn es in Kauf genommen wird, dass in den nächsten Jahren um mindestens eine Milliarde Euro CO2-Zertifikate zugekauft werden, statt dieses Geld jetzt sinnvoll und nachhaltig durch den Ausbau der erneuerbaren Energien in die Volkswirtschaft zu investieren. Ziel sollte sein, dass Österreich langfristig energieautark wird“, so Engert.

Klima- und Energiestrategie
Die 100 Millionen Euro Förderung für die thermische Sanierung nennen Christian Plas als auch Peter Engert „einen Tropfen auf den heißen Stein“, da für eine nachhaltige Energieeinsparung eine dreiprozentige Sanierungsquote und damit die zehnfache Summe notwendig gewesen wäre. „Mehr Geld für Förderungen ist notwendig, damit auch die Bauwirtschaft ordentlich planen kann“, so Engert. Dem pflichtet auch Robert Schmid, Geschäftsführer der Baumit Beteiligungen GmbH bei: „Bei Gebäuden gibt es ein enormes Einsparungspotenzial. Mit dem Konjunkturprogramm zur thermischen Sanierung wurde schon der richtige Weg eingeschlagen, nur mit viel zu geringem Budget. Leider fehlt bei den Verantwortlichen nach wie vor das Verständnis dafür, dass das Förderungsprogramm zur thermischen Sanierung ein Selbstläufer ist“, so Schmid.
Nicht nur die Höhe der Summe, die Österreich für die CO2-Emissionsrechte aufwenden muss, ist eine enorme wirtschaftliche Belastung. Mittel- und langfristig würden die aktuellen Rahmenbedingungen ein Abwandern der heimischen Unternehmen mit sich bringen, befürchten die Experten. Einbußen auf dem Arbeitsmarkt sind nur eine Folge dieser Entwicklungen. „In den letzten Jahren hat sich die Raiffeisen-Leasing verstärkt den erneuerbaren Energien zugewandt und zählt in diesem Segment zu den größten Investoren in Österreich. Die Palette reicht von Projekten im Bereich Windkraft über Biotreibstoffe-, Biomasse- sowie Fotovoltaikanlagen bis hin zur Wasserkraft. Aufgrund des bisherigen sowie des aktuellen Ökostromgesetzes finanzieren wir am Heimmarkt Österreich jedoch seit geraumer Zeit keine neuen Ökoenergieanlagen mehr, sondern konzentrieren uns ausschließlich auf das Auslandsgeschäft. Dies ist für die inländische Wertschöpfung natürlich ein großer Nachteil“, erläutert Engert. Plas spricht zudem die damit verbundene Arbeitsplatzproblematik an: „Zwei Milliarden Euro Investitionen im Sektor der erneuerbaren Energien bringen rund vier Milliarden Euro Bruttoproduktionswert, was 7.000 Vollzeit-Äquivalenten entspricht. Der Trend zeigt, dass sich der Bereich der Umwelttechnik seit 1993 verdoppelt hat, was 22.000 Vollzeit-Äquivalenten entspricht“, so Plas.
Gespannt ist man vonseiten der Industrie auch auf die Ergebnisse der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Kopenhagen, die im Dezember dieses Jahres stattfinden wird. „Es ist zu erwarten, dass ein Reduktionsziel auf uns zukommt, das für viele Betriebe tatsächlich existenzbedrohend ist“, befürchtet Schmid. „Man kann nur hoffen, dass Österreich nicht wie beim Kioto-Protokoll die Ziele zu hoch steckt, sondern eine realistische Einigung erzielt wird“, so Robert Schmid.

Innovative Forschung
Unternehmen und Vereinigungen wappnen sich in jedem Fall, so Robert Schmid: „Die Industrie ist bemüht, CO2 einzusparen, nicht zuletzt aus Selbstschutz.“ Die Zementindustrie ist dabei, neue und innovative Produkte und Herstellungsmethoden zu entwickeln. Das Forschungsinstitut der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZFI) tüftelt zurzeit an einem „Zement mit geringerem CO2-Anfall bei der Herstellung – BBTT“. „Der nationale Allokationsplan für CO2-Emissionen für den Zeitraum 2008 bis 2012 bedeutet für die Zementindustrie eine massive Unterdeckung an benötigten Zertifikaten, wenn nicht der CO2-Anfall bei der Produktion durch geeignete Maßnahmen stark reduziert werden kann. In Zukunft werden daher zur Verringerung des CO2-Anfalles bei der Herstellung des Zements neue Zemente erforderlich sein“, so Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Mit diesem Projekt soll ein neuer Zement mit geringerem CO2-Anfall bei der Herstellung entwickelt werden, der dennoch den relevanten Anforderungen gemäß Zementnorm und Beständigkeitsanforderungen gemäß Betonnorm entspricht. Die Ergebnisse werden den Mitgliedern der VÖZ zur Verfügung stehen, um weiterhin vor allem international konkurrenzfähig zu bleiben. „Bei positivem Abschluss kann Zement mit vergleichbaren Eigenschaften der derzeit verwendeten Zemente aber mit etwa fünf bis 15 Prozent geringerem CO2-Ausstoß bei der Herstellung auf den Markt gebracht werden. Dies entspricht bei einer derzeitigen CO2-Belastung bei der Herstellung von drei Millionen Tonnen einer Reduktion um bis zu 0,5 Millionen Tonnen“, erläutern die Projektverantwortlichen.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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