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Trotz Energieeffizienzkriterien & Co. wird in Österreich weniger gedämmt als im Jahr 2008.

Dämmstoffindustrie in der Krise

16.09.2015

Energieeffizienz ist seit Jahren eines der wichtigsten Themen in der Baubranche. Die Zahlen der Dämmstoffindustrie sprechen allerdings eine andere Sprache.

Im Jahr 2014 fiel das Dämmstoffvolumen erstmals seit 2008 unter 5,8 Millionen Kubikmeter. (Zahlen in Mio. Kubikmeter)

Dämmen ist hierzulande anscheinend aus der Mode gekommen, denn der bisherige Musterschüler Österreich schwächelt bei Verkauf und Verarbeitung des isolierenden Baustoffs. „Wie die neue GDI-Dämmstoffstatistik 2013 und 2014 zeigt, ist Österreich im Jahr 2014 mengenmäßig mit rund 5.650.000 Kubikmetern Dämmstoff unter das Volumen von 2008 mit rund 5.800.000 Kubikmetern gefallen“, berichtet Franz Roland Jany, Geschäftsführer der Gemeinschaft Dämmstoff Industrie­ (GDI).

Ernüchternde Zahlen, konnte doch der heimische Dämmstoffmarkt bis zum Jahr 2008 ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Grund dafür waren die zahlreichen Initiativen, Forschungs- und auch Förderprogramme in Richtung Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Koppelung der Wohnbauförderung an Energieeffizienzkriterien hat in Österreich die Marktdurchdringung von innovativen und energieeffizienten Gebäudekonzepten forciert wie etwa jene von Passivhäusern, die in Österreich die größte Dichte aufweisen. „Einerseits sind die Mengen dadurch entsprechend gewachsen und andererseits auch die Dämmdicken gestiegen“, so Jany weiter.

Die Politik muss es richten

Gründe für das sinkende Volumen ortet Jany vor allem in der anhaltenden Konjunkturschwäche, in der fehlenden Zweckwidmung der Wohnbaufördermittel und in den gestiegenen Grundstücks- und Baukosten. „Es fehlen rund 10.000 geförderte Wohnungen jährlich – das wirkt sich auf das Mengengerüst des Dämmstoffmarkts negativ aus“, sagt Jany. Denn die Anforderungen an die Energieeffizienz sind im geförderten Wohnbau um rund 25 Prozent höher, demnach wird in dem Bereich entsprechend mehr Dämmung verbaut.

Jany sieht die Negativentwicklung aber auch als Alarmzeichen für politischen Handlungsbedarf. „Es müssen rasch konjunkturelle Impulse im Wohnbau und der Klimapolitik gesetzt werden, damit die Konjunkturlokomotive Bauwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt und die Klimaziele wieder in Reichweite kommen“, bezieht sich Jany auf vereinbarte, aber ausständige Maßnahmen im Regierungsprogramm. Zum Beispiel führt Jany die Wohnbauoffensive an, die mit günstigen Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) die notwendigen, aber eben noch fehlenden Wohneinheiten im geförderten Neubau ermöglichen könnte. Aber auch kleinere Maßnahmen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. „Es müssen Leistungsanreize geschaffen werden, die besser funktionieren als zum Beispiel der Handwerkerbonus“, ergänzt Udo Klamminger, Geschäftsführer der Knauf Insulation GmbH.

Strafzahlung oder inländische Wertschöpfung

Ohne den notwendigen konjunkturellen Rückenwind wird eine Trendumkehr schwierig. Gleiches gilt für die Erfüllung der Energie- und Klimaziele 2020. Jeder Kubikmeter Wärmedämmung, der verbaut wird, trägt zur Energieeffizienzverbesserung im Gebäudebereich bei und bringt uns damit einen Schritt näher an die ­vereinbarten Energie- und Klimaziele 2020. Nur eine stetige Verbesserung der Energieeffizienz im gesamten Gebäudebereich kann eine neuerliche Zielverfehlung und damit den Zukauf von Verschmutzungsrechten (oder umgangssprachlich „Strafzahlungen“) abwenden.

Autor/in:
Sonja Meßner
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