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Das Geld liegt auf der Straße

21.03.2008

Österreichs Forschungs- und Entwicklungsquote (F & E) hinkt international nach. Allen voran die Bauwirtschaft. Die Bauwirtschaft ist in ihrer täglichen Arbeit jedoch extrem innovativ – spontane Lösungen werden häufig erst im Nachhinein als Innovation erkannt.

Das vom Ingenieurbüro FCP entwickelte Fly over ist ein – inzwischen weltweit verkauftes System für Brückensanierungen bei fortlaufendem Verkehr – heimisches Erfolgsbeispiel. Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG bietet 15 Programme speziell für die Baubranche an, welche Projekte – keine Grundlagenforschung – tatkräftig unterstützen. Hilfreich ist auch der Innovationsscheck, eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, in der Höhe von 5.000 Euro. Dieser wurde bereits mehr als 1000-mal eingelöst. Gerade die Baubranche hat wenig Zeit für Forschung, investiert kaum in die Weiterentwicklung von Produkten. Die FFG weiß um das Innovationspotenzial der planenden wie auch ausführenden Baubranche Bescheid. Im Rahmen des ersten Bra.in Day in der Fachhochschule Puch-Urstein in Salzburg präsentierte Peter Schörghofer, verantwortlich für die Bra.in-Bau-Initiative der FFG, das Leistungsspektrum der 15 unterschiedlichen Förderpakete für die Bauwirtschaft: „Im Rahmen unserer Initiative sind auch Branchenforschungsprojekte und Technologietransfer zu baurelevanten Themen förderbar, sofern die Projektergebnisse der Bauwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Die Vermittlung von Forschungspartnern und eine verstärkte Fördererberatung in der FFG soll Bauunternehmen den Einstieg in F & E erleichtern, die bisher noch keine Forschungsprojekte eingereicht haben.“

Wissensbegierde und Forscherlust

An die 200 Teilnehmer kamen zum ersten Brain.day in die Fachhochschule Puch-Urstein. Das Vortragsprogramm bot einerseits einen Überblick über die Forschungsprogramme, und andererseits zeigten erfolgreiche Einreicher anhand ihrer Projekte die Vorteile wie auch den Nutzen, ein Förderpaket der Bra.in-Bau-Initiative zu gebrauchen. Wolfgang Rieder, Betonwerk Rieder und Smart elements, Salzburg, entwickelte mit Unterstützung der FFG einen hochleistungsfähigen Glasfaserbeton. Andreas Bürgler, Verkauf Österreich bei Rieder, präsentierte Rieders aktuellsten Auftrag, die Errichtung des Zaragoza Bridge Pavillons, der zugleich eine Fußgängerbrücke über den Ebro und Eingang zum Expo-Areal ist, für die Expo 2008 im September: „Mit dem von uns entwickelten Glasfaserbeton erreichen wir eine extrem hohe Biegebelastung mit einem Lebenszyklus von über 50 Jahren.“ Der Pavillon wurde von der Londoner Architektin Zaha Hadid geplant. Rieders Glasfaserbeton hat inzwischen in mehr als 36 Ländern eine Zulassung. „Wir beteiligten uns an einer Material-Benchmarkuntersuchung beim Institut für Baubiologie – unser Beton schnitt dabei sehr gut ab“, erklärt Burger. Rieder ist darüber hinaus der weltweit größte Backplattenlieferant – da sich die von ihm entwickelten [fibreC]-Platten hervorragend für Bäckereien eignen. Praktischen Einsatz fanden die [fibreC]-Platten u. a. auch beim Nationalparkcenter Mittersil, Weingut Kaltern, Weingut Esterhazy in Trausdorf, Festspielhaus Bregenz mit 4.000 Quadratmeter Platten wie auch bei dem Space-Pavillon in London. Auch für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika soll Rieder an die 30.000 Quadratmeter seiner Betoninnovation beisteuern.

Die Außenhaut des Zaragoza Bridge Pavillon wird mit 29.000 Dreiecken in verschiedensten Graunuancen aus [fibreC] verkleidet – und hat damit dem österreichischen Betonproduzenten ein Auftragsvolumen von mehr als 1,5 Millionen Euro beschert. „Mit dem Werkstoff können wir heute architektonische Herausforderungen annehmen, die den Einsatz von Beton noch vor wenigen Jahren unmöglich erscheinen ließen“, so Rieder. „Am Beispiel Zaragoza Bridge wird gezeigt, dass durch unsere Produktion der industriellen Manufaktur 29.000 verschiedene Dreiecksformen mit exakt definierten Radianten hergestellt werden können. Mit dieser technischen Präzision und der logistischen Komplexität betritt Rieder Neuland in der Welt der Betonproduktion.“ Möglich wurde dies durch intensive Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Vorfeld, welche durch Mittel der FFG unterstützt wurden.

Kraft fürs Management

Große Aufmerksamkeit erregte Thomas Heimer, Dekan der Frankfurt School of Finance & Management, Professor für Innovationsmanagement, mit seiner Aufforderung an die Bauwirtschaft und die Klein- und Mittelunternehmer, endlich mit Forschung zu beginnen: „Wissen ist heute das vierte Produktionsstandbein – Investitionen in Innovationen beeinflussen Entwicklungen enorm und forcieren den Erfolg.“ Heimer warnte vor dem Umgang mit dem Wort Innovation: „Das ist inzwischen ein Modewort und wird viel zu häufig ohne sachlichen Inhalt verwendet. Innovation ist die Entstehung von Neuerungen.“ Nicht in noch mehr Kapital und Personal investieren, meint Heimer, sondern in Forschung, dort liegt das Erfolgsgeheimnis.
„Die Bauwirtschaft hat eine Schlüsselrolle in Österreich, dennoch sind rund 42 Prozent der Unternehmen nicht innovativ. Es muss gelingen, den Schnitt zu steigern – denn sonst wird der internationale Wettbewerb den heimischen Bau erdrücken. Dadurch, dass österreichische Bauunternehmen eine schlechte Eigenkapitaldecke haben, gibt es keinen Spielraum für F & E.“ Heimer ist davon überzeugt, dass der Staat steuerliche Anreize und verbesserte Rahmenbedingungen schaffen muss, durch die Innovationen gefördert werden.

Gisela Gary

aus: bau.zeitung 12/08,S 12

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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