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Das Haus der Wirtschaft

13.05.2009

Der Umbau des Gebäudes der Wirtschaftskammer Österreich konzentrierte sich auf den Klimaschutz und erneuerbare Energien. Das Einsparungspotenzial der Energiekosten kann sich sehen lassen.

Vor mehr als 20 Jahren wurde die Zentrale der Wirtschaftskammer Österreich in der Wiedner Hauptstraße in Wien bezogen. Um das in den 60er-Jahren erbaute Haus technisch auf den neuesten Stand zu bringen, war eine Generalsanierung notwendig. Im Zentrum dieser Generalsanierung standen dabei der Klimaschutz und die Fokussierung auf erneuerbare Energien. Durch die zahlreichen Maßnahmen, die beim Umbau gesetzt wurden, ergibt sich nun ein Einsparungspotenzial der Energiekosten von rund 25 Prozent pro Jahr. Dafür ist nicht zuletzt Wiens größte Fotovoltaik-Anlage an der Außenfassade der neuen WKÖ-Zentrale verantwortlich. Ende April konnte das umgebaute Gebäude nach den planmäßigen 18 Monaten Bauzeit an die Wirtschaftskammer übergeben werden.

Energieeffiziente Maßnahmen

Als Totalunternehmer fungierte bei diesem Projekt die Rudolf Gerstl Bauunternehmung. Um die Generalsanierung erfolgreich zu gestalten, wurden zahlreiche Maßnahmen zur Energieeffizienz gesetzt. Die mitunter wichtigsten Zielsetzungen des umfangreichen Bauvorhabens waren die thermische Sanierung des Gebäudes, die Schaffung von mehr Funktionalität und eine Erhöhung der Kunden- und Benutzerfreundlichkeit. So wurde etwa der Anlieferungsweg in die Schaumburgergasse verlegt, um so den Vorplatz und die Durchfahrt zum neuen „Haus der Wirtschaft“ verkehrsmäßig zu entlasten. Innerhalb des Gebäudes wurden sowohl die Eingangshalle als auch das Erd- und Zwischengeschoß neu adaptiert. Der größte Veranstaltungssaal des Wirtschaftskammer-Gebäudes – der Julius-Raab-Saal – wurde im Zuge der Umbauarbeiten erweitert. Zudem wurde er technisch ausgebaut und auf den neuesten Stand der Präsentations- und Veranstaltungstechnik gebracht. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Generalsanierung war die behindertengerechte und barrierefreie Gestaltung der öffentlichen Bereiche.

Das 12. Obergeschoß wurde neu hinzugefügt. Der Glasaufbau mit zwei modern eingerichteten und ausgestatteten Sitzungssälen bietet einen weitläufigen Blick über Wien. Beide Sitzungssäle sollen hauptsächlich für internationale Gäste und Wirtschaftsdelegationen zur Verfügung stehen. In rund 710 Büroräumen, die etwa einer Raumfläche von 16.500 Quadratmeter entsprechen, sowie in 40 Besprechungszimmern auf einer Raumfläche von rund 1.500 Quadratmetern wurden wassergetragene Kühlsegel eingezogen. Im Zuge des Umbaus erfolgten zudem eine thermische Sanierung der 16.500 Quadratmeter großen Fassade und eine Erneuerung von insgesamt 1.800 Fenstern.

Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, ist von der energieeffizienten Neuerung überzeugt: „Durch die neue Wärmeschutzfassade kann der bisherige Wärmeverlust halbiert werden. Außerdem haben wir mit zirka 500 Quadratmeter eine der größten fassadenintegrierten Fotovoltaikanlagen Österreichs. Summa summarum ergibt sich durch diese Maßnahmen bei den Energiekosten ein Einsparungspotenzial von mindestens 25 Prozent im Jahr.“ Um das Gebäude energietechnisch auf den neuesten Stand zu bringen und um einen aktiven Beitrag zum innerstädtischen Umweltschutz zu leisten, wurde an der Süd-West-Fassade eine Fotovoltaikanlage von etwa 500 Quadratmetern errichtet. Die dadurch gewonnene Energie wird in das Niederspannungsnetz von Wienstrom eingespeist. Der durch die Anlage erzielbare Ertrag beträgt im Jahr rund 34.000 Kilowattstunden und entspricht dem Jahresstrombedarf von 15 bis 20 Wohnungen in der Größe von 80 Quadratmetern. Umgerechnet kann somit der Mehrbedarf an Strom, der durch das neu errichtete 12. Stockwerk entsteht, damit gedeckt werden.

Die Schwierigkeit bei dem Projekt bestand vor allem in der kompletten Aufrechterhaltung des Betriebes im Haus, berichtet Reinhard Fischer von der Rudolf Gerstl Bauunternehmung, der bei dem Umbau die Projektleitung innehatte. Die Wirtschaftskammer war während der gesamten Bauarbeiten in Vollbetrieb. Ermöglicht wurde dies durch eine logistische Meisterleistung. „Mittels permanenter Umsiedlungen im Haus und dem sukzessiven Umbau konnten wir das Projekt dennoch in vorgegebener Bauzeit fertigstellen“, so Fischer.

Insgesamt ergeben sich aus den zahlreichen Maßnahmen ein enormes Einsparungspotenzial der Energiekosten und damit eine Verbesserung der gesamten Energiekennzahlen. „Mit dem Umbau haben wir uns nicht nur ein neues optisches Erscheinungsbild gegeben, sondern unser Haus energietechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Wir wollen die österreichische Umwelt- und Energietechnologie weltweit bewerben. Was lag da näher, als die Technologie im eigenen Haus zu präsentieren“, so Hochhauser.

Der Planungs- und Ausführungsablauf des Projektes ging problemlos vonstatten, wie Reingard Schmid, Geschäftsführerin der WKO Immobilienmanagement GmbH, berichtet: „Unser Ziel bei der Modernisierung der WKÖ war, den WKÖ-Standort zu erhalten sowie unser Haus zeitgemäß und kundenorientiert umzubauen. Dass wir dieses Vorhaben in dem vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen bei laufendem Betrieb umsetzen konnten, liegt am erfolgreichen Zusammenspiel all jener, die einen direkten oder indirekten Beitrag für einen reibungslosen Umbau geleistet haben – angefangen vom Totalunternehmen mit den Subunternehmern und unseren Konsulenten über den Führungskreis der WKÖ bis hin zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses“, so Schmid.

Auch Reinhard Fischer lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Ohne die Mithilfe und die ausgezeichneten Kooperationen wäre dieses Projekt nicht so reibungslos über die Bühne gegangen. Die sehr gute Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Immobiliengesellschaft bzw. mit der Wirtschaftskammer und die Abstimmung mit den jeweiligen Partnern war ausschlaggebend für das gute Gelingen“, ist der Projektleiter überzeugt. „Besonders freut es uns, dass wir keinen einzigen Arbeitsunfall zu verzeichnen hatten und das Projekt insgesamt positiv abgewickelt werden konnte“, so Fischer.

Diana Danbauer

aus: bauzeitung 19/09, S. 36 ff.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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