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Der Letzte dreht das Licht ab

10.07.2013

Die Insolvenzstatistik der KSV1870 für das erste Halbjahr wirkte im Vergleich relativ positiv. Die Anzahl der eröffneten Insolvenzen ging zurück, damit verbunden auch die Verbindlichkeiten und betroffenen Dienstnehmer – und dann kam die Insolvenz der Alpine Bau.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Insolvenzzahlen der Baubranche aufgrund staatlicher Subventionierung von Bauprojekten und privaten Investitionen in die Wertanlage Immobilie rückläufig waren, schwingt nun das Pendel zurück. Die Zahlen der Insolvenzen im Bereich Bau, die auf der KSV1870-Pressekonferenz zum ersten Halbjahr 2013 präsentiert wurden, sprechen eine deutliche Sprache – man führt die Insolvenzstatistik an. Obwohl die Gesamtzahl der eröffneten Insolvenzen (1.633) gegenüber dem Jahr 2012 um 10,1 Prozent zurückging, stiegen die geschätzten Verbindlichkeiten (3,8 Milliarden Euro) um 171,4 Prozent und die der betroffenen Dienstnehmer (17.590) um 85, 1 Prozent an. Dabei spielt die Alpine Bau GmbH natürlich eine wesentliche Rolle.

 

Größere Dimensionen

 

Mit geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten von 2,6 Milliarden Euro und 4.900 betroffenen Dienstnehmern ist die Insolvenz der Alpine Bau GmbH die größte der Zweiten Republik. Das Verfahren wurde am 19. 6. eröffnet, die Schließung der Alpine Bau am 24. 6. verfügt. Mittlerweile wurde auch das Konkursverfahren eingeleitet.

 

Was dies für die Gläubiger bedeutet, ist individuell verschieden, die Auszahlungsquote für eben jene wird aber unter zehn Prozent erwartet. Abhängig wird die Gläubigerquote von dem Verkauf der nichtinsolventen Alpine-Töchter sein, wobei der lukrativste Teil, die Alpine-Energie, von FCC schon im Jänner ausgegliedert wurde und somit nicht in die Konkursmasse fällt. Bei der ersten Gläubigerverhandlung am 4. Juli konnten den anwesenden Gläubigern keine wesentlichen, neuen Informationen übermittelt werden. Der KSV1870 befürchtet einen weiteren Anstieg der Verbindlichkeiten der Alpine Bau und überdies, dass das Aktivvermögen sinken wird.

 

Die Zukunft der Baustellen

 

Auch die Weiterführung der 1.400 Baustellen ist noch nicht gesichert. Rund ein Drittel davon wird als Arge geführt, bei diesen springen die Partner als Generalunternehmer ein, und für die weiteren wird vom Insolvenzverwalter nach regionalen Lösungen gesucht. So übernahmen bei Druckschluss des Newsletters Swietelsky (Kärnten, Teile OÖ und Sbg., Teile des Hochbaus Ost), Hinteregger & Söhne (Stmk., Tiefbau Sbg.), Habau (Straßenbau Ost und OÖ, Hochbau OÖ) und die Hans Bodner Baugesellschaft (Tirol, Industriebau Sbg.) Teile der stillstehenden Projekte. Die Übernahme des Hochbaus St. Pölten durch die Anton-Traunfellner GmbH lag vor, war aber noch nicht gerichtlich genehmigt.

 

Nebenerscheinungen

 

Im Sog dieser Ereignisse musste Anfang Juli auch der Mutterkonzern, die Alpine Holding, Insolvenz anmelden, da deren Sicherheiten zu großen Teilen aus Forderungen gegenüber der Alpine Bau bestand. Laut Schuldnerangaben belaufen sich die Passiva auf rund 700 Millionen Euro. Diese Verbindlichkeiten belaufen sich im Wesentlichen auf 290 Millionen Euro aus drei begebenen Anleihen und weiteren 450 Millionen Euro aus diversen Haftungen gegenüber Kreditgebern im Alpine-Konzern. Auch bei diesem Verfahren müssen laut KSV1870 die Inhaber von Anleihen mit einem erheblichen Verlust ihres Investments rechnen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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