Direkt zum Inhalt

Der Umwelt-Bau-Unternehmer

29.04.2011

Hans Zöchling, Bau- und Transportunternehmer, hat eine erfolgversprechende Nische entdeckt: ­Entmetallisierung. Bescheiden und unkapriziös lenkt er sein Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern.

Für Hans Zöchling hat sich nicht viel verändert – seit er 240 Mitarbeiter hat. So wie früher ist er täglich in seinem Büro, ist Ansprechpartner bei kleinen und großen Problemen für alle Mitarbeiter und kennt kein Von-oben-herab-Getue. Obwohl er allen Grund dazu hätte: Immerhin brachte er das ehemalige Milch-Transportunternehmen Zöchling aus Hainfeld von vier Mitarbeitern Stammpersonal auf den jetzigen Höchststand mit 32 Millionen Euro Umsatz.

Für ihn kein Grund für Höhenflüge. In seinem Büro, an seinem Schreibtisch, finden sich keine Hinweise auf Protz und Luxus. Zöchling lacht: „Nein, das brauche ich nicht.“ Ordnungsfanatiker ist er nicht gerade – aber er findet alles, was er braucht, behauptet der im Sternzeichen Stier Geborene zumindest keck. Mit einem Augenzwinkern gibt er zu, dass er organisatorisch vielleicht doch ab und zu chaotisch ist. Aber das langsam gewachsene Unternehmen hat er im Griff – für jeden Fachbereich gibt’s im Hause Zöchling Experten. „Darauf lege ich größten Wert, denn die Unternehmer, die behaupten, sie kennen sich in allen Bereichen aus, die lügen.“

Bauschutt nützen
Sein Leben ist der Bau, die Transportbranche und alle Facetten, die so mancher vielleicht noch nicht einmal bedacht hat. Die Bausparte ist inzwischen ein kleiner, recht eigenständiger Bereich in seiner Firma geworden. Sein Lieblingsthema aber ist das Recycling und das Gewinnen von Rohstoffen.

Diesbezüglich sorgt er schon öfter mal ungewollt für Schlagzeilen – im positiven wie auch im negativen Sinn: „Wir sind mit unserer Deponie und Entmetallisierungsanlage in Mistelbach mit einer Bürgerinitiative konfrontiert, die uns zum Teil abstruse Dinge vorwirft.“ Zöchling spricht hier von der Anlage, in der er aus Bauschutt Buntmetalle gewinnt. „Es ist ein von außen geschürtes Problem – und letzten Endes einfach ein Politikum. Wir erzeugen keinen zusätzlichen Lärm, keine Geruchsbelästigung. Wir haben eine Halle mit einer leistungsfähigen Absauganlage. Vielleicht fürchtet uns ein Mitbewerber, ich weiß es nicht.“ Die Projektgegner werden erstaunlicherweise von einem steirischen Anwalt vertreten, der vor allem in der Abfallentsorgungsbranche tätig und auch Berater des Verbands der Österreichischen Abfallentsorgungsbetriebe ist.

„Das Land, sogar die Grünen des Landes, halten zu uns – nur der Ärger mit der Bürgerinitiative hält sich dennoch.“ Zöchling möchte vor allem Schlacken und Aschen sowie Baurestmassen entmetallisieren. Der wertvolle Rohstoff wird verkauft, der nicht wiederverwertbare Abfall landet auf der Reststoffdeponie. Für den Probebetrieb ist die Anlage bereits zu­gelassen, zurzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung – die laut Zöchling positiv abgeschlossen werden wird, denn schließlich sind mit dem Betrieb laut Zöchling keine Emissionen verbunden. Von der Energiebilanz her erweist sich Zöchling ebenfalls als Musterschüler: „Wir sparen Strom, der dem Verbrauch von rund 15.000 Haushalten pro Jahr entspricht.“

Drehscheibe Mistelbach
Die Anlage läuft seit einem Jahr. Die kolportierten rund 150 Lkws stimmen schlicht und einfach nicht – Zöchling betont, dass pro Tag im Schnitt 25 Lkws sein Werk und Mistelbach passieren. Zudem liegt die Deponie außerhalb des Betriebs. „Der Verkehr, den wir verursachen, liegt im unteren einstelligen Prozentbereich. Aber Mistelbach ist natürlich die Drehscheibe in Richtung Laa. Unsere Fuhren sind da im Vergleich verschwindend gering – an Spitzentagen maximal 26 Lkws“, erklärt Zöchling ernst und ein wenig ärgerlich zugleich.
Rund die Hälfte des Abfalls wird mit der Bahn angeliefert und muss dann mit dem Lkw auf der Bundesstraße transportiert werden. Aber auch die erlaubte Beladung in Österreich beeinflusst die Zahl der Lkw-Fahrten: „Wenn ich heute 50 statt 40 Tonnen auflade, dann habe ich um 25 Prozent weniger Fahrten. Ich verstehe das Nein der Politik nicht. Technisch wäre eine Mehrbeladung kein Problem.“

Erblich vorbelastet
Zöchlings Plan – und auch der seiner Eltern – wäre es eigentlich gewesen, eine Ausbildung zum Nachrichtentechniker zu absolvieren. Nicht geplant war, dass Zöchling nach der HTL Nachrichtentechnik in den elterlichen Betrieb, einem Transportunternehmen mit vier Mitarbeitern, einsteigt. Das Unternehmersein war Zöchling jedoch förmlich in die Wiege gelegt. Im Betrieb des Vaters lernte er alles rund um die Selbstständigkeit von der Pike auf – „ich fuhr mit viel Spaß Lkw und lernte in drei Jahren ‚Lehrzeit‘ die unterschiedlichen Schauplätze der Wirtschaft kennen“, so Zöchling. Bald entwickelte er einen energiegeladenen, unternehmerischen Ehrgeiz, plante eine Expansion in Richtung Bauwirtschaft und kaufte die ersten Baumaschinen. Ein Meilenstein war eine kleine Schottergewinnung bei Landwirten. 1986, zehn Jahre nach Zöchlings Einstieg, hatte das Unternehmen bereits 35 Beschäftigte. Generationenkonflikt bei der langsamen Übergabe gab es keinen: „Mein Vater hat mir immer eine freie Hand gelassen. Er band mich in die Betriebsführung von Anbeginn ein und ließ mir aber gleichzeitig meine Ideen verwirklichen. Er schaute sich die Zahlen an, mehr nicht.“

Zunächst versuchte der Sohn die Etablierung am Bau mit Materialgewinnung, Deponierung und Baugrubenaushebung beim Straßenbau. Ende der 80er-Jahre erwarb Zöchling die erste Bauschuttdeponie im Marchfeld und eine im Wiener Becken. Bald folgte der Aufbau eines Steinbruchs. Eine spezielle Ausbildung für den Bau machte Zöchling nie – aber Bauexperten leistete er sich. 1994 feierte die Firma 50 Jahre – mit bereits 80 Mitarbeitern.

Selbstverständlich Chef

Einer der drei Geschwister, der Bruder, von Hans Zöchling blieb bei ihm im Unternehmen. Die Familie versteht sich untereinander gut – da gibt es auch keinen Groll, dass nur Hans Firmeninhaber ist. „Das regelte mein Vater früh, und damit war das nie Thema. Ab 1990 war ich Firmeninhaber.“ Der Vater, inzwischen 80 Jahre alt, interessiert sich noch sehr für die Firma und ist fast jeden Tag anwesend – aber redet dem Sohn nichts drein. „Die Entwicklung unseres Unternehmens, unsere Zukäufe wie zum Beispiel einen Baumaschinenverleih und eine Schlosserei – er sieht das alles, aber kommentiert es nicht“, schmunzelt Zöchling. Zöchling beschreibt sich selbst als friedfertig. „Ich streite nicht gern. Ich versuche eher, Konflikte in der Diskussion zu lösen. Doch wenn, dann streite ich mit Vehemenz und mit allen Konsequenzen.“

Anlage im Selbstbau
Zu dem Entmetallisierungsgeschäft kam Zöchling zufällig. Es war eine Hochzeit der Rohstoffpreise: „Ich war überzeugt von der Recyclingidee, und deshalb investierte ich in Mistelbach. Durch die hohen Rohstoffpreise ist der Markt dankbar – vom ökologischen Aspekt einmal ganz abgesehen.“ Noch bezahlt man hierzulande, wenn man z. B. sein Auto zum Verschrotten bringt. „Doch das wird sich bei uns auch noch ändern“, ist Zöchling überzeugt: „Gerade in Autos sind wertvolle Metallteile enthalten, die man gut wiederverwerten kann: Eisen und Buntmetall.“ Letzteres ist das preislich Interessante.

Auf die Entmetallisierungsanlage ist Zöchling sichtlich stolz, die wurde intern ge­plant und entwickelt, auch montiert wurde alles selbst, nur die Maschinen wurden zugekauft. Er sieht in dem Bereich eine starke Zukunft, mit wenigen Mitbewerbern. „In Aschen und Schlacken der Hausmüllverbrennung finden sich bis zu neun Prozent Eisen- und Nichteisenmetalle. Aber auch die Aufbereitung von Baurestmassen zahlt sich aus. Besonders in Abbruch von Büro- und Wohngebäuden findet sich eine beachtliche Menge von Buntmetallen. Dadurch sind wir ja auch im Bauschuttrecycling Vorreiter.“ Tatsächlich hatte Zöchling bereits 1987 die erste mobile Aufbereitungsanlage in Österreich in Betrieb.

Die spezielle Verbindung zur Bauwirtschaft ist erst gewachsen. Zöchling verfolgt die aktuellen Bauvorhaben in Österreich genau – dabei interessieren ihn vor allem neue Techniken. Das Unternehmen ist in Wien und Niederösterreich mit Baustellen vertreten. Bei vielen Aufträgen ist Zöchling als Subunternehmer beauftragt. Den Umweltschutz und die Möglichkeiten der Deponierung betreffend, gilt Zöchling als Vordenker. „Wir trennten und bereiteten bereits zu einer Zeit auf, als viele noch ihre Materialien vergruben und Beton oder Ziegel einfach weggeschmissen wurden.“ Das Unternehmen hat er in Fachbereiche aufgegliedert: Deponie, Erdbau, Steinbruch, Hochbau, dafür gibt es Baumeister, Bautechniker etc.

Hans Zöchling, ein von Ehrgeiz besessener Musterschüler? „Nein“, lacht Zöchling, „ganz im Gegenteil – ich war eher einer der Faulen, hab grad so viel investiert, dass ich gut durchgekommen bin. Ehrgeiz habe ich erst im Beruf entwickelt. Mir ist z. B. auch wichtig, dass wir technisch immer auf dem neuesten Stand sind. Unsere Maschinen sind alle mit GPS-Steuerung ausgerüstet, wir haben einen eigenen Vermessungstrupp – bei Erdbauern nicht unbedingt üblich.“

Herz für die Umwelt
Und dann wuchs noch die Umweltschützerseite? „Auf der einen Seite, auf der anderen Seite erkannte ich das Geschäftspotenzial und die Ankurbelung eines extrem effizienten und sinnvollen Kreislaufs. Das Rekultivieren unserer Steinbrüche und Deponien, bevor noch die Fristen abgelaufen sind, ist für uns selbstverständlich.“ Doch haben ihn gerade in dieser Branche die Bürokratie und die ständig steigenden Vorgaben noch nie verzweifeln lassen? „Nein, aber klar, die Auflagen wurden extrem verschärft. Als wir mit Deponien begonnen haben, gab es noch gar keine Vorschriften, nicht einmal eine Deponieaufsicht.“
Auch ein Ergebnis der EU-Mitgliedschaft? „Mit Sicherheit, Österreich agierte jedoch wie oft in vorauseilendem Gehorsam. Aber auch die ständigen Novellierungen sind nervig – wir bräuchten technische oder wirtschaftliche Neuerungen.“

Ostöffnung keine Bedrohung
Zöchling sieht in der Verschärfung der Abfallwirtschaftsgesetz zugleich die Illegalität steigen, denn, so Zöchling, „wenn der private Hausbauer tatsächlich nach Vorschrift entsorgt, kostet ihn das viel.“ Ist die vollständige Öffnung des Arbeitsmarkts eine Bedrohung für Sie? „Nein, das ist überhaupt keine Bedrohung. Schon allein aufgrund des Facharbeitermangels im Metallbereich brauchen wir gute Leute, es ist zurzeit sehr schwierig, Schlosser oder auch Mechaniker zu bekommen.“

Zöchling beschäftigt einige Fachkräfte aus den Nachbarländern, die bereits fix in Österreich leben. Neben der Recyclinganlage gehört ebenso eine Immobilienfirma, eine Schlosserei wie auch eine Landwirtschaft zu Zöchlings Imperium. Dazu verrät der Unternehmer: „Wir hatten kein Stück Land, das blieb dann ein bisschen so, dass wir immer bemüht waren, Land zu erwerben. Aus dem heraus entstand die Idee der Landwirtschaft. Heute wohnen wir auch dort, wo wir die Landwirtschaft mit Rinderzucht mit rund 70 Stück betreiben. Wir verkaufen hochwertiges Rindfleisch.“ Auf dem Hof lebt er auch mit seiner Familie – doch die Kinder sind bereits 30 und 27. Beide Söhne arbeiten ebenfalls in der Firma, wobei der eine ein EDV-Experte ist, der andere in Vaters Fußstapfen treten wird. Zöchlings Ehefrau ist für die Landwirtschaft verantwortlich.

Lebenstraum Landwirtschaft
„Das ist auch zugleich mein Pensionsziel – ich werde nicht täglich in der Firma auftauchen, sondern alles meinem Sohn übergeben und mich auf die Landwirtschaft gemeinsam mit meiner Frau zurückziehen“, lacht Zöchling. Seine Hobbys sind Reiten, Jagd, Golf und vor allem Kochen. Der gesellige Zöchling ladet gern Freunde ein und kocht leidenschaftlich.

Seine Frau stammt aus der Nachbarschaft, er kennt sie seit seiner Jugend – als Freundin seiner Schwester. Seit 1980 sind die Zöchlings verheiratet. Seine Ehefrau leitet das Büro in der Firma.
Eine ganz tolle Eigenschaft von Ihnen? Ohne zu zögern antwortet Zöchling: „Ich vertraue meinen Mitarbeitern, kann auch delegieren und lasse sie selbstständig arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass jeder mit seiner Aufgabe wächst, und wenn er Eigenverantwortung hat, wird er immer besser.“

Und eine schlechte Eigenschaft? „Vielleicht meine Ungeduld – und dass ich halt so gern feiere“, zwinkert Zöchling. „Nein, aber wenn wir ein Projekt gestartet haben, dann kann es mir oft nicht schnell genug gehen. Ich beginne gern ein Projekt, und wenn es läuft, dann übergebe ich es an jemanden, der es bis zur letzten Konsequenz ausführt. Ich bin kein Detaillist. Das kann ich nicht und will ich auch nicht.“

Und Ihr berufliches Erfolgserlebnis? „Eigentlich, dass ich es aus eigener Kraft so weit geschafft habe – in der Größenordnung, das hätte ich nicht gedacht“, gibt Zöchling offen zu. Als seinen größten Fehler gesteht er eine Firmenübernahme in Kärnten. Das war 2004, ein totaler Fehlgriff, „aber wir haben auch das überstanden“, lacht Zöchling. Da wird nicht lange herumanalysiert, sondern Niederlagen werden abgelegt und fertig. Zöchling leidet ein bisschen an den Marktveränderungen, er vermisst die Handschlagqualität, mit der er Unternehmer wurde. Aber auch, dass jeder Unternehmer ein Mindestmaß an juristischem Wissen haben muss, nervt ihn.

Ihr Lebenstraum? „Dass die Firma weiter gesund bleibt und moderat wächst. Mein privater Lebenstraum ist eigentlich, bald nur noch ein bisschen übergeordnet da zu sein, den Jungen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich möchte dann viel Freizeit zum Reiten, Golfspielen und Jagen haben.“

Gisela Gary


Firmenstruktur Zöchling Privatstiftung
(zum Vergrößern anklicken)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung
Werbung