Direkt zum Inhalt
Die angestrebte große Lösung: So könnte der Wiener Sportclubplatz in Zukunft aussehen.

Des Sportclubplatzes neue Kleider

19.06.2017

Die Stadt Wien bewilligte die Subvention der Sanierung des Wiener Sportclubplatzes. Geht alles flott, könnten schon im November die Bagger anrollen.

Seit 1904 wird durchgängig am Wiener Sportclubplatz Fußball gespielt – dichte Atmosphäre aus einer Zeit ohne Hochglanzarenen.

Eine der unendlichen Geschichten der Wiener Sportstättensanierung könnte bald ein Ende finden. Der Wiener Gemeinderatsausschuss bewilligte mit den Stimmen aller Parteien die Subventionierung der Sanierung des Wiener Sportclubplatzes, des ältesten, durchgängig bespielten Fußballplatzes Kontinentaleuropas. Noch Ende dieses Jahres könnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Seit mehr als 100 Jahren

Seit 1904 wird in Dornbach, einem Teil von Hernals, dem 17. Wiener Gemeindebezirk, umringt von Wohnbauten und zwei Friedhöfen Fußball gespielt. Mittlerweile hat das Stadion unter Fußballliebhabern Kultcharakter erreicht – die Holzbänke der Haupttribüne, das Schwingen der „Friedhofstribüne“, einer betonierten Stehplatztribüne, bei zu viel gleichzeitiger Bewegung sowie die dichte Atmosphäre durch die enge Verbauung versprühen einen eigenen Charme von vergangenen Fußballzeiten. Die offensichtlichen Baumängel sind jedoch seit Jahren nicht mehr wegzuleugnen. Schon öfter stand eine Sanierung im Raum, nun ist diese beschlossene Sache. 6,84 Millionen Euro stellt die Stadt Wien für Sanierungsmaßnamen zur Verfügung. Die Pläne dafür kommen vom Büro Treberspurg & Partner Architekten mit Unterstützung durch die deutsche IFS, die schon den Bau des Hamburger Millerntor-Stadions und des Allianz-Stadions von Rapid begleitete und aktuell in die Planungen rund um das Ernst-Happel-Stadion involviert ist.

Bei laufendem Betrieb

Momentan sieht das Konzept eine Sanierung in drei Bauabschnitten vor, da diese während des laufenden Spielbetriebs durchgeführt werden soll. Wie viele davon schlussendlich wirklich realisiert werden, liegt am Geld. Der erste Bauabschnitt sieht den Neubau der beiden Längstribünen sowie die Verschiebung und Vergrößerung des Spielfelds vor. Unter der neuen Haupttribüne sollen zusätzlich Vereinsräumlichkeiten sowie die Spielerkabinen entstehen, auf das Dach könnten Hospitality-Boxen gebaut werden. Die zweite Längstribüne wird aufgrund ihrer schmalen Grundfläche eine reine Stehplatztribüne auf drei Etagen werden, deren Dach Kamerapositionen beheimaten soll. Dies alles wäre mit den Subventionen machbar, knapp aber doch. Für die weiteren Bauabschnitte bräuchte man also einen Großsponsor. Als zweiter Bauabschnitt wäre der komplette Neubau der Friedhofstribüne, der querseitigen Fantribüne, vorgesehen. Diese würde gegenüber der jetzigen Form steiler, höher und tiefer gestaltet, weiterhin aber als reine Stehplatztribüne ausgeführt werden. Designtechnisch würde man sich von der Dortmunder „Gelben Wand“ inspirieren lassen, einer durchgängigen Tribüne mit Eingängen nahe dem Spielfeld. Neu wird die Überdachung sein, denn bis jetzt trotzten die Fans Wind und Wetter ohne Dach. In ihrem Bauch soll auch zukünftig das Vereinslokal der Fans seinen Platz finden, wie der restliche Raum genutzt wird, ist noch offen. Den letzten Bauabschnitt würde die Revitalisierung der Gegentribüne darstellen, hierbei handelt es jedoch nur um kleinere Sanierungsmaßnahmen an der jüngsten der vier Tribünen. Die Kapazität des Stadions von rund 8.600 Besuchern sollte so erhalten bleiben. Insgesamt würden die beiden weiteren Bauabschnitte wohl ungefähr noch einmal die Baukosten in der Höhe der Subvention verursachen. Die Stadionsanierung soll, sofern alle drei Bauphasen ausfinanziert wären, als Totalunternehmerprojekt ausgeführt werden.

Neuanfang noch heuer möglich

Rund 5.000 Arbeitsstunden seien in den vergangenen vier Jahren in das Projekt geflossen, von dem man sich auch von offizieller Seite überzeugt zeigt. „Ich habe hier vor vielen Jahren mein erstes Bundesligaspiel gesehen, Wiener Sport-Club gegen Wacker Innsbruck, und deswegen ist diese Sanierung auch eine kleine Heimkehr für mich“, so der Wiener Sportstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. „Der Beschluss zur Sanierung ist in meinen Augen ein klares Bekenntnis zu einem regional verankerten Traditionsverein, der auf vielen Ebenen Großes leistet.“ Nun gilt es, bis September ein finales Konzept zu erarbeiten und eine mögliche Finanzierung auf die Beine zu stellen. Geplant wäre, dass die erste Bauphase schon nach Ende der Herbstsaison 2017/18 beginnt, im November könnten also schon die Bagger anrollen, um dem Sportclubplatz neues Leben zu schenken.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
Werbung

Weiterführende Themen

Als Bauherr des klimaaktiv-Jubiläumsobjektes fungiert die e5-Gemeinde Ludmannsdorf in Kärnten.
Aktuelles
27.02.2018

Mit der geplanten Sanierung eines ehemaligen Volksschulgebäudes kann Klimaaktiv den bereits 600. Bau in seiner Gebäudedatenbank verzeichnen.

Die glücklichen Gewinner der diesjährigen, im Rahmen der ACR-Enquete verliehenen Preise.
Aktuelles
04.10.2017

Tragbares Himmelslicht, belüftete Fenster, Fassadenmodule inklusive Haustechnik und eine Verschlusskappe für eine neue Getränkegeneration: spannende Innovationen beim 12. ACR Kooperationspreis. ...

Siegerprojekt aus früheren Jahren: das Schul- und Kulturzentrum in Feldkirchen an der Donau.
Aus der Branche
19.09.2017

Der Ethouse Award zeichnet Sanierungen mit besonderer Gestaltung und Nachhaltigkeit aus.

Aus der Branche
21.08.2017

Die Massivbauindustrie sieht sich gut im Geschäft, wenngleich die Sanierungen stocken. Brandschutz sei nur in Zusammenhang mit Dämmsystemen zu diskutieren. Eine Rundschau.

Das TU-Wien-Gebäude am Getreidemarkt wurde im Zuge seiner Sanierung zum „Plus-Energie-Haus“.
Aus der Branche
25.04.2017

Thematischer Schwerpunkt bei der Veranstaltung des OFI am 18./19. Mai bildet das „Potenzial Altbau“.

Werbung