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Design trifft Bau

18.08.2006

Fünf Handkreissägen werden im knallharten Praxistest der bau.zeitung auf den Zahn gefühlt.
Die Testergebnisse liegen knapp beieinander. Der Unterschied steckt im Detail.

Kreissägen finden im täglichen Bauablauf ein breites Anwendungsspektrum. Die Frage ob Tischkreissäge oder kompakte Handkreissäge, hängt in erster Linie von der der Art des Einsatzes und dem Einsatzort ab. So sind große stationäre Tischkreissägen zum überwiegenden Teil in Werkstätten zu finden. Auf der Baustelle kommen Tischkreissägen vor allem dann zum Einsatz, wenn es darum geht, eine große Menge ähnlicher Werkstücke abzulängen bzw. zuzuschneiden, wie es beispielsweise in der klassischen Holzbauweise der Fall ist.

Auch wenn Kreissägen in erster Linie mit der Holzbearbeitung assoziiert werden, heißt das keineswegs, dass sie ausschließlich im Holzbau zur Anwendung kommen.
Ganz im Gegenteil:
Das Zuschneiden von Ziegeln im Massivhausbau, das Ablängen von Zement- oder Baustoffplatten für die Fassade oder das Kürzen von Aluminiumprofilen im Innenausbau gehört heute genauso zu den Einsatzgebieten der Kreissägen wie die Bautischlerei oder der Möbelbau. Nach wie vor finden Kreissägen auch im Schalungsbau breite Verwendung, selbst wenn die Schalungshersteller immer ausgefeiltere Systemlösungen anbieten, die ein Zuschneiden von Schalungsbrettern fast überflüssig machen.

Moderne Handkreissägen stehen in puncto
Leistung und Einsatzmöglichkeiten den großen
Tischkreissägen um nichts nach. Sie verfügen
jedoch über einen wesentlichen Vorteil:
Können Tischkreissägen praktisch nur mit
einer Baustellen-Pritsche von einer Baustelle
zur nächsten transportiert werden, so passen die kompakten Handkreissägen in jeden Kofferraum. Wenig verwunderlich also, dass die vielseitigen, handlichen Kraftpakete heute zur Grundausstattung auf jeder Baustelle zählen. Neben dem Preis stellen natürlich auch die Leistungsfähigkeit, Robustheit, Service und Wartung oder die selbsterklärende Handhabung wesentliche Parameter beim Kauf dar. Der bau.zeitungs-Test geht den Stärken und Schwächen der einzelnen Produkte auf den Grund und bietet eine Entscheidungshilfe bei der Wahl des passenden Geräts.

Design und Bau unter einem Dach

Fünf Top-Produkte ausgewählter Markenhersteller haben sich diesmal dem Vergleich gestellt und unter dem kritischen Auge unserer Testperson Farbe bekannt.
Ein schneller und reibungsloser Arbeitsfortschritt, Leistungsstärke und Praktikabilität in der Handhabung – das sind die
wesentlichen Anforderungen, die im Baustellenalltag an eine Handkreissäge gestellt werden.
Vor allem im Innenausbau sind eine exakte Schnittführung, eine saubere Schnittkante oder
die Fähigkeit beim Schneiden anfallende Sägespäne zeitgleich abzusaugen aber ebenso von Bedeutung.

In wie weit die ausgewählten Geräte die einzelnen Parameter erfüllen, mit welchen Tücken die Technik zu überraschen vermag und wo versteckte Mängel oder Schwachstellen bei den einzelnen Sägen liegen, davon hat sich bau.zeitungs-Tester Georg Bergner, Innenraumgestalter, Produkt-, und Möbeldesigner, im Praxistest überzeugt.
Mit Bergner-Design verfügt Georg Bergner
über ein eigenes Design-Label unter dem er Gebrauchsmöbel und Designelemente entwirft.
In der hauseigenen Werkstätte im niederösterreichischen Pöchlarn fertigt Bergner auch die jeweiligen Prototypen und Einzelstücke auf Bestellung selbst an.
Der eindeutig bevorzugte Werkstoff für seine Designstücke und die Realisierung von – sowohl gestalterisch als auch handwerklich hochwertigen Raumkonzepten – ist Holz. Neben der Verarbeitung von edlen Hölzern und hochwertigen Verbundwerkstoffen, sind es vor allem Industriematerialien wie beispielsweise
Schalungstafeln, die ihn zu unkonventionellen
Möbel- und Raumentwürfen inspirieren. Aber
auch vor Materialien, die auf den ersten Blick ungewöhnlich für die Innenausstattung scheinen,
schreckt er nicht zurück.
Und so finden sich in seinen Projekten mitunter auch Glasfaserzementplatten als Arbeitsflächen
in der Küche oder pulverbeschichtetes Metall für die Verkleidung einer Schrankwand im Wohnbereich.
Die theoretischen Grundlagen für die Bearbeitung
von Holz hat er während seiner Ausbildung
an der Kingston University vermittelt bekommen.
Den praktischen Umgang mit dem Material und die entsprechenden Fertigkeiten des Tischler- und Bautischlerhandwerks hat er als Autodidakt in unzähligen Werkstattstunden und zahlreichen Versuchen und natürlich auch Rückschlägen selbst erworben.

Kein Widerstand zu groß

In der ersten Runde des Praxistests galt es
Fichtenholzstaffeln mit einem Querschnitt von
fünf mal fünf Zentimeter zu durchtrennen. Alle
Geräte meisterten diese Aufgabe im Bezug auf
Leistung und Schnittergebnis mit Bravour.
Mehrschichtverleimte Schalungstafeln sollten da
schon eine größere Herausforderung darstellen.
Doch auch hier gab es keine charakteristischen
Unterschiede. Deshalb legte unser Tester noch
eins drauf und versuchte die Sägeprofis an einer
massiven Eichenholzplatte mit einer Stärke von
vier Zentimetern. Gesägt wurde sowohl parallel
als auch quer zur Holzfaser. Einerseits um die
Leistungskraft im Härtefall zu testen und
andererseits um zu überprüfen, ob tatsächlich
alle Maschinen eine saubere, wenig ausgefranste
Schnittkante zu Stande bringen. Die Geräte von Bosch, Festool, Makita und Metabo bewältigten diese Aufgabenstellung ohne Probleme.
Die Hilti-Säge blieb mitten im Werkstoff
stecken. Der Grund dafür liegt in der Befestigung
des Sägeblattes. Als einziges Gerät kann bei der
Hilti WSC 255-KE das Sägeblatt ohne Werkzeug
gewechselt werden.
Der Nachteil: Ein ausreichendes Festziehen des Sägeblattes ist kaum möglich. Und so musste unsere Testperson schließlich doch noch zur Zange greifen bevor ein Weiterarbeiten möglich war.
"Der Sägeblattwechsel bei Hilti ist eine Enttäuschung. Die Schraube ist zu klein um ein ausreichendes Drehmoment zu Stande zu bringen – ohne Werkzeug ist ein Festziehen kaum möglich", übt Bergner scharfe Kritik.

Tauchen – Sägen – Absaugen

Da im Bezug auf Leistung und Schnittergebnis
keine charakteristischen Unterschiede bei den
Produkten der einzelnen Hersteller festzustellen
waren, ging es im zweiten Teil unserer Testreihe ins Detail. Bauform, Konstruktion, Funktionsweise, Handhabung und Zusatzfeatures
wurden unter die Lupe genommen.
Bei der Kreissäge von Hilti zeigte sich Bergner vor allem vom Design und der Produktpräsentation im roten Tragekoffer beeindruckt. Positiv beurteilte er auch den parallel zum Sägeblatt liegenden Motorblock, was eine ausgewogene Gewichtsverteilung am Gerät bewirkt. Auch die einstellbare Laufgeschwindigkeit erweist sich vor allem bei heiklen Oberflächen als sinnvolles Tool. Das konnte aber nicht über Bergners Enttäuschung beim Sägeblattwechsel hinwegtäuschen.
Filigran wirkt auch die Befestigung der Säge
am Sägetisch mit nur einer dünnen Schraube.
Ebenso wie die Geräte von Festool und
Metabo besitzt auch die Hilti einen Sägetisch
aus Magnesium. "Damit kann das Gewicht der
Maschinen wesentlich reduziert werden. Einziger
Nachteil: Wenn das Gerät auf den Boden
fällt, neigt das spröde Magnesium zum Bruch",
erklärt Bergner. Der Sägetisch der Bosch-Säge
besteht aus Aluminium. Auch hier spielt das
geringe Gewicht eine wesentliche Rolle bei der
Wahl des Werkstoffs. Darüber hinaus bricht
Aluminium springt so wie Magnesium leicht.
Fällt die Maschine allerdings zu Boden, verbiegt
sich der Tisch relativ leicht, worunter dann die Schnittgenauigkeit leidet. Der Makita-Sägetisch besteht aus massivem Metall – schwerer als Aluminium oder Magnesium, dafür aber sehr robust und stabil.
Besonderheit bei der Bosch GKS 65: Der
Motorblock verfügt an seiner Vorderseite über
Lüftungsschlitze. Eine angezeichnete Schnittlinie
ist damit immer sichtbar, weil das anfallende
Sägemehl auf eine Länge von rund eineinhalb Meter vor der Schnittkante einfach weggeblasen wird. "Eine einfache aber sehr wirkungsvolle Idee. Alles in allem ein Gerät, bei dem sich jemand etwas überlegt hat.
Die unterschiedlichen Betriebsfunktionen sind leicht erkennbar, die Handhabung selbsterklärend", lautet das Urteil unserer Testperson.
Vermisst hat er jedoch den Spaltkeil, der
bei allen anderen Geräten zur Standardausrüstung gehört.
Ohne Spaltkeil kann das Sägeblatt spießen bzw. stecken bleiben, wodurch das Sägen erschwert und das Schnittergebnis negativ beeinflusst wird. Zumindest in der bau.zeitungs-Testserie hat sich diese Befürchtung allerdings nicht bewahrheitet.
Zum Kugelgelenk, mit dem das Netzkabel am Gerät befestigt ist, meint Bergner:
"Ein nettes Detail am Rande. Wirklich notwendig erscheint mir das nicht."
5,2 Kilogramm Gewicht, 1.400 Watt Leistung, 4.800 Umdrehungen pro Minute im Leerlauf – das sind die technischen Parameter der Makita 5705R.
"Die Makita ist sehr einfach und leicht verständlich aufgebaut. Die Skala für den Schwenkmechanismus ist eingegossen – wird also auch in zehn Jahren noch gut ablesbar
sein. Die Winkelverstellung ist über eine Knebelschraube gut zu arretieren.
Alles in allem ein sehr robustes und einfach zu
bedienendes Gerät", so Bergner.
Einen Minuspunkt gibt es allerdings für den fixen Spaltkeil, der das Eintauchen in eine Platte erschwert.
Mit einem Gewicht von über sieben Kilogramm und einem Sägeblattdurchmesser von 230 Millimetern geht Metabo mit einem absoluten Schwergewicht ins Rennen. Positiv ins Auge sticht unserem Tester der Haltegriff, der direkt am Tisch und nicht am Gerät befestigt ist. Damit kann die Maschine gut über den Werkstoff geführt werden. Der Spaltkeil
klappt beim Eintauchen leicht weg – auch das
ist ein praktisches Tool in der Anwendung.
Außergewöhnlich ist neben der parallelen Tiefenführung – die ein sehr gutes Eintauchen
in Platten ermöglicht – auch der große vertikale
Schwenkbereich bis 60 Grad.
"Gut ist, dass es rechts vom Sägeblatt keine konstruktiven Bauteile gibt, wodurch man sehr nahe an Hindernisse heranschneiden kann", so
Bergner.
Als absolutes Profi-Gerät bezeichnet Georg
Bergner die Festool TS 75. Besser als alle
anderen Geräten, ist die Festool auch während
dem Arbeiten gut abzulegen. Eine Feder drückt
das Sägeblatt beim Abstellen wieder zurück
unter die Schutzhaube, die das Sägeblatt vollständig abdeckt.
Damit entfällt auch die Notwendigkeit eines zusätzlichen Sägeblattschutzes.
"Eine geniale Konstruktion", so der
knappe Kommentar von Bergner. Als einziges
Gerät der Testserie verfügt die Festo auch über
eine tatsächliche Tiefensperre.
Das heißt, das Eintauchen in einen Werkstoff ist bei vorgegebener Tiefe einfach und exakt zu bewerkstelligen, da der Tisch immer fest auf der Unterlage steht und nicht wie bei den Konkurrenzprodukten beim Eintauchen mitbewegt werden muss.
Überzeugend ist vor allem aber auch das durchdachte Gesamtsystem. Der Tragekoffer aus der Serie Systainer ist in der Form einer quadratischen Kiste mit allen anderen Festo-Lager- und Transportkisten kombinier- und stapelbar. So kann der Transportkontainer beispielsweise auch auf den Absauger montiert und einfach transportiert werden. Intelligent ist auch die Absaugunggelöst.
Im Saugschlauch ist das Netzkabel für die Kreissäge integriert. Es kann direkt am Absauger angesteckt werden. Damit verringert sich der Kabelsalat in der Werkstätte oder auf der Baustelle.
Das patentierte "Plug-it-System" ist darüber hinaus mit allen anderen Festo-Geräten kombinierbar. "Beim Wechsel von einer Maschine auf die andere wird der Plug-it-Stecker einfach direkt am Gerät selbst umgesteckt und man muss nicht zehn verschiedene Kabel um sich drapieren", erklärt Bergner die Vorteile des Systems.

Leistungsstarke Kraftpakete

In Bezug auf die Leistung haben alle fünf Geräte überzeugt. Durch die Fichtenholzstaffeln gingen die Sägeblatter wie ein heißes Messer durch Butter. Auch mehrschichtverleimte Schalungsbauplatten stellten für die leistungsstarken Kraftpakete kein wirkliches
Hindernis dar und selbst vor massiver Eiche musste keine der fünf Kreissägen kapitulieren. Einzig für das Gerät von Hilti gab es Abzüge: Der werkzeuglose Sägeblattwechsel erwies sich eher als Handicap denn als Vorteil.

Die Auszeichnung "Testsieger" verlieh Kreissägenexperte Bergner an die TS 75 von Festool. Hier überzeugten sowohl Leistung
und Baukörperform als auch die intelligente Gesamtsystemlösung mit stapelbarem Aufbewahrungskoffer, fahrbarem Absauger und Absaugschlauch mit integrierter Netzkabelführung.
Eine weitere Reihung fiel selbst Bergner schwer, der im Umgang mit Kreissägen auf einigen Erfahrungsschatz zurückblicken kann. "Im Bezug auf die erbrachte Leistung sind alle Maschinen überzeugend und können ruhigen Gewissens als gleichwertig bezeichnet werden", lautet sein fachmännisches Urteil.
Jede der getesteten Handkreissägen kann mit durchdachten Sonderlösungen oder ausgefeilten Zusatzfeatures aufwarten.
Auch preislich liegen alle eng beeinander. So stellte die Vergabe des "Preis-Leistungssiegers" für Bergner keine einfache Aufgabe dar. Letztlich sind alle fünf Kreissägen Top-Geräte – eine konkrete Empfehlung ist schwer abzugeben. Leistungsunterschiede gibt es praktisch nicht. Die Entscheidung für oder gegen ein Gerät ist also in erster Linie eine Frage der persönlichen Vorliebe.
Schließlich fiel Bergners Wahl auf die Bosch GKS 65. Die hohe Leistungsstärke bei gleichzeitig sehr kompakter und massiver Bauform und geringem Gewicht vermochte ihn zu überzeugen.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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