Direkt zum Inhalt

Die für die Wölfe bauen

21.05.2010

Fünf Lehrlinge von der BauAkademie dürfen bei dem Bau des Wolfsforschungszentrums im Wildpark Ernstbrunn mitbauen. Ein weltweit einzigartiges Projekt – ein beeindruckend ehrgeiziges Bauvorhaben.

Ein Wildpark der etwas anderen Art ist mitten im Weinviertel im verschlafen wirkenden Ort Ernstbrunn beheimatet. Hier wartet ein besonderes Bauvorhaben auf die Jungtruppe der BauAkademie Wien. Manfred Kurz und Peter Böck, Ausbildner der BauAkademie Wien, verbringen hier seit mehr als einem Monat Tag für Tag mit ihren fünf Burschen bei der Errichtung des Wolfsforschungszentrums. Ähnlich wie bei dem Projekt emotion, ein Therapiezentrum für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Pferden auf der Baumgartner Höhe in Wien, war es wieder Baumeister Ewald Thenmayer, gebürtiger Ernstbrunner, der auf das Projekt aufmerksam wurde.

Vom Baumeisterunternehmen Reinhold Weiss, die Fundamentplatte, bis zu Wienerberger, jeder einzelne Ziegel, von der Ernstbrunner Kalktechnik über Profi Baustoffe, Asamer, Lagerhaus, Dachdecker Staud, dem Installationsunternehmen IHT und dem Elektrounternehmen Schuser fand Thenmayer Firmen, die mit Material und teilweise mit ihrer Arbeitskraft mithelfen. Die Baumeisterarbeiten selbst kommen – außer für das Fundament – von den Erstklasslern der BauAkademie Wien: Hüseyin Isik, Kristijan Predojevic, Haril Ugur, Robin Dorazil und Liridon Sinani sind im ersten Lehrjahr. Baumeister Erich Forstner übernahm die Planung, Thenmayer, der neben seinem eigenen Unternehmen BTE Prokurist bei Forstner ist, und Forstner zeichnen gemeinsam für die örtliche Bauaufsicht verantwortlich.

In enger Zusammenarbeit mit der „Wolfchefin“ Friederike Range und dem Wildpark-Eigentümer Prinz Reuss mit seinem Forstwirt Sebastian Schmid wurde der Plan für die Errichtung eines Wolfsforschungszentrums real. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Der Wildpark wird um eine bedeutende Attraktion reicher, die Wolfsforscher haben einen perfekten Standort gefunden, und die Jungen vom Bau haben eine einzigartige Gelegenheit, Praxiseinblicke zu erhalten. Das Wolfsforschungszentrum entspricht der Größe eines Zweifamilienhauses: eine einmalige Chance für die Jungs, vom Keller bis zum Dach eine Rohbaustelle kennenzulernen. Das Projekt, inklusive der Arbeit von Thenmayer und Forstner wie auch dem Material, entspricht einem Wert von rund 300.000 Euro.
 
Neben dem Forschungszentrum wurde auch ein Welpenhaus errichtet. Alle Gehege und Gebäude werden mit einem Tunnelsystem verbunden. Ein Highlight wird das weltweit größte Laufband sein – das fürs körperliche Training der Wölfe sorgen wird.

Tolle Chance
Bis zum Sommer soll das Wolfsforschungszentrum fertig und für die Besucher zugänglich sein. Von außen dürfen die Wölfe bei der „Arbeit“ mit ihren Betreuern von den Besuchern beobachtet werden. Schon jetzt wird geübt: via Touchscreen entscheiden die Wölfe ihre Futterauswahl. Je nach Schweregrad der Übung schmeckt das Futter durch das Berühren das Touchscreen besser oder schlechter.
Ranges Interesse gilt dem Vergleich von Wölfen und Hunden, sie will herausfinden, was zur Domestizierung von Hunden führte. Darüber hinaus sollen die Gemeinsamkeiten zwischen Wolf, Hund und Mensch erforscht werden. Ranges Ziel sind 18 Wölfe mit einigen Jungtieren, die von Hand aufgezogen werden, um das Vertrauen der Tiere vom ersten Tag an zu gewinnen.

Die Burschen vom Lehrbauhof Ost kommen alle aus dem Projekt Paragraf 30, einem Ausbildungsprogramm des Arbeitsmarktservice für Jugendliche ohne Lehrstelle. Dabei erlernen Jugendliche eine Lehre – ohne fixen Ausbildungsplatz, aber mit erhöhten Chancen, eine Stelle im Anschluss an ihre Zeit an der BauAkademie, zu finden. „Die Jugendlichen dürfen bei uns bis zum Lehrabschluss bleiben. Wir helfen ihnen auch bei der Suche nach einem Lehrplatz. Das Projekt Wolfsforschungszentrum ist eine einzigartige Chance. Diese Arbeitserfahrungen werden nachhaltig fürs Leben der Jungen prägend sein“, ist Thomas Prigl, Leiter der BauAkademie Wien und Koordinator der BauAkademien Österreichs, überzeugt.

Prigl ist vor allem von der sozialen „Übung“ in Ernstbrunn begeistert: „Hier bewegen sich die sonst gern polternd und lauten Burschen plötzlich alle langsam und sind leise – das war von Beginn an die Regel, da die Tiere natürlich scheu sind und durch die Bautätigkeiten schon genug in ihrem Tag gestört sind.“

Manfred Kurz freut sich mit den Jungen über den guten Fortschritt der Baustelle und der Lernfähigkeit der Erstklassler: „Nie können wir ihnen so viel auf einmal am Lehrbauhof beibringen, hier geht das Lernen quasi nebenbei. Natürlich dürfen sie noch keine Maschinen bedienen, aber beim Maurern, aber auch in puncto Koordination für Materiallieferungen etc. haben sie bereits viel gelernt und sind wirklich tüchtig.“ Kurz betont, dass die Motivation natürlich auch eine andere ist als bei Übungen, die nur im „Trockenen“ stattfinden – an der BauAkademie Wien.

Im Sommer besitzt dann der Wildpark Ernstbrunn das größte Wolfsforschungszentrum weltweit – ein garantierter Besuchermagnet, ist Sebastian Schmid überzeugt. Und eine tolle „Werbung“ für die Kompetenz der BauAkademie Wien und der Vielseitigkeit von Baumeistern.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

News
29.08.2012

Mit 220 Metern und 60 Ebenen wird der DC Tower 1 das höchste Gebäude Österreichs. Für das äußerst schlanke zukünftige Wahrzeichen der Stadt nach einem Entwurf von Dominique Perrault erarbeitete ...

News
25.07.2012

Anfang Juni wurden in Linz von Umwelt-Landesrat Rudi Anschober die OÖ Landespreise für Umwelt und Nachhaltigkeit verliehen. Für ihr Projekt, die Entwicklung einer ökologischen Hanffaserdämmplatte ...

News
04.07.2012

Die Xella Gruppe hat ihren Nachhaltigkeitsbericht 2012 veröffentlicht. Unter dem Titel „Protekt“ werden die laufenden Aktivitäten und Fortschritte in den Handlungsfeldern Markt, Prozesse, ...

News
03.04.2012

Finanzvorstand Mag. Gerhard Klambauer verlässt das Unternehmen Ende März, DI Rudolf Estermann übernimmt Klambauers Agenden.

News
28.03.2012

Bauen heißt laut Staatssekretär Josef Ostermayer verschiedene Ziele und Interessen unter einen Hut zu bringen. Im Volksgarten wurde nun der österreichische Baukulturreport 2011 präsentiert.

Werbung