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Die hohe Schule des massiven Bauens

03.08.2005

Wechselweise im Zweijahresturnus präsentiert die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) in Kooperation mit dem Güteverband Transportbeton (GVTB) und dem Verband der Österreichischen Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) mit dem Architektur- bzw. dem Ingenieurpreis ein Potpourri der heimischen Betonbaukunst. Auch in diesem Jahr zeigte sich die sechsköpfige Jury beeindruckt von der hohen Qualität der Einreichungen. Aufgrund derer sie sich auch außer Standes sah, eine Reihung der Siegerprojekte vorzunehmen. So gingen die drei Preisträger AllesWirdGut, Riegler Riewe und Artec ex aequo aus dem Wettbewerb hervor. „Erfreulich und überraschend war vor allem der Ideenreichtum beim Einsatz des Materials Beton, der teilweise verblüffende Lösungen entstehen ließ“, erklärte Bernd Wolschner, Jurymitglied und Präsident des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke.
Erstmals wurden heuer auch neue Kriterien für die Einreichung definiert. Die architektonische Lösung und das Erfüllen der durch den Bauherren gestellten Anforderungen, die praktische Funktionalität der Bauaufgabe sowie die Rezeption durch den Endnutzer waren die Kernelemente des Beurteilungskatalogs, der der Jury als Hilfestellung beigestellt wurde. Für jedes Projekt, das den Sprung in die Endrunde schaffte, mussten die Jurymitglieder letztlich auch die Frage klären, inwieweit die jeweilige Aufgabe zur Imagesteigerung des Baustoffes Beton beitragen kann. Insgesamt 40 Büros nahmen dieses Jahr am Wettbewerb teil. Weniger als bei der letzten Auslobung, die mit 69 Teilnehmern eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Beiträgen verbuchen konnte. „Mittlerweile ist der Architekturpreis der Beton- und Zementindustrie für sein hohes Niveau und die ausgezeichnete Qualität der eingereichten Projekte bekannt. Es gibt nicht ein einziges Projekt, das unseren Ansprüchen in puncto Gestaltungs- und Ausführungsqualität nicht gerecht geworden wäre. Die hohen Ansprüche zeigen sich unter anderem auch in einer geringeren Teilnehmerzahl“, ortet Architekt Jakob Dunkl – Sprecher der Jury – die Ursache für die niedrigere Zahl an Einreichungen. Die ausgezeichneten Projekte sind ganz klar drei Bereichen zugeordnet: öffentlicher Raum, große öffentliche Bauaufgabe und Bauaufgabe in einer dörflichen Kleinstruktur.

And the Winner is …
Die Gestaltung des zentralen Treffpunkts im Herzen der idyllischen Tourismusgemeinde Innichen – mit 2.300 Einwohnern und einer Hotelbettenkapazität von knapp 2.500 Betten – reagiert auf die starken saisonalen Schwankungen. Das Team von AllesWirdGut (AWG) ersann eine Lösung, die dem öffentlichen Raum – in alter AWG-Marnier – einen Mehrweit verleiht und nicht nur oberflächliche Behübschung bietet. So ist beispielsweise vorgesehen, Teile des Platzes außerhalb der Saison zu fluten und zum Dorfteich umzufunktionieren. Beton als günstiges Basismaterial bot den Architekten die Möglichkeit im Detail auch teurere Materialien zu verwenden. Für die Prämierung ausschlaggebend war die vielfältige Verwendung des Materials und der liebevolle Einsatz von Beton.
So erklärte auch Felix Friembichler, VÖZ-Geschäftsführer, in seiner Laudatio: „Die Freiraumgestaltung des Dorfzentrums von Innichen ist nicht nur eine moderne und schlüssige Antwort auf die Probleme eines Ortes, der saisonal sehr unterschiedlich stark frequentiert wird, sondern gleichzeitig der Beleg für die Vielseitigkeit und Attraktivität des Werkstoffes Beton.“
Die Erhaltung der Wandgemälde von Max Weiler war einzige Vorgabe für die Gestaltung des neuen Bahnhofs in Innsbruck, dessen Realisierung sich Reigler Riewe Architekten im Rahmen eines international ausgeschriebenen Wettbewerbs sichern konnten. Die Jury war vor allem von den durchgängig gefärbten Sichtbetonteilen der Fassade angetan, die „die gelassen unaufgeregte Haltung unterstützen und ein Innen und Außen als ein unregelmäßig regelmäßiges Geflecht erzeugen, welches spannungsreich den Großraum überwölbt“, heißt es im abschließendem Juryprotokoll. „Der neue Bahnhof in Innsbruck ist nicht nur ein Beispiel für außergewöhnliche Architektur mit dem Werkstoff Beton, sondern auch einer herausragende Ingenieurleistung“, betonte Wolfdietrich Ziesel, Juror und Grand Seigneur der heimischen Ingenieurbaukunst. Ziesel weiter: „Die konstruktiv formale Gebäudekubatur zeigt hervorragende Architektur im Einklang mit statischen Erfordernissen und sollte Anstoß geben, die beiden Disziplinen in einem gemeinsamen Preis zu vereinen.“Der „letzte“ erste Preis ging an das Team von Artec-Architekten für den Neubau der „Apotheke zum Löwen“ in Wien-Aspern. Ein mutiges Beispiel in Sichtbeton – war der einhellige Tenor der Jury. Die weitaus treffendsten Worte fand allerdings Architektin Marianne Burkhalter, Gastjurorin aus der Schweiz. Sie definierte das Apothekengebäude als „Radikalität eines skulpturalen Baukörpers“. Beeindruckt war sie vor allem vom vielfältigen Einsatz der Betonteile, die den Werkstoff in seiner ursprünglichen Anwendung und Form zelebrieren und ihm damit fast spirituellen Charakter verleihen.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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