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„Die Jungen werden weniger“

19.08.2011

AMS-Vorstand Johannes Kopf konnte jüngst eine gute Nachricht präsentieren: Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist auf 5,6 Prozent und am Bau auf 4,9 Prozent gesunken. Mit der „Bauzeitung" spricht er über Probleme am Lehrstellenmarkt und darüber, warum es in Österreich keinen generellen Facharbeitermangel gibt – und in welchen Bauberufen trotzdem schon heute Leute fehlen. Von Peter Martens

Die Bauzeitung: Herr Kopf, bei den Arbeitslosen weist Österreich offiziell den niedrigsten Stand aller EU-Länder auf, in der Baubranche beträgt die Quote 4,9 Prozent – wie dauerhaft ist dieser Trend am Bau?

Johannes Kopf
: Es ist eine gute Entwicklung. Derzeit sind am Bau 13.126 arbeitssuchend gemeldet, im Vergleich zum Juli letzten Jahres ist das ein Rückgang um knapp fünf Prozent. Es sieht also nicht so günstig aus wie in der Industrie, dort haben wir Rückgänge um 13 Prozent – aber es ist auch ein Aufschwung. Und das, obwohl die Arbeitslosenzahlen auch bekanntlich eine starke saisonale Komponente haben, ein Rückgang im Sommer ist normal. Im Winter ist der Wert besonders hoch, wenn sich Menschen mit einer Beschäftigungszusage vom gleichen Arbeitgeber arbeitssuchend melden.

 

Auch bei den Lehrlingen haben sich die Werte verbessert, aber nach wie vor gibt es eine Lehrstellenlücke – trotz der allmählichen demografischen Auswirkungen.

Es stehen rund 8.000 Lehrstellensuchende 3.900 offenen Lehrstellen gegenüber – das ist zwar eine günstigere Entwicklung als im Vorjahr, aber es ist richtig, dass es immer noch mehr Suchende gibt als angebotene Lehrstellen. Allerdings sind die Zahlen zu Angebot und Nachfrage nicht direkt miteinander vergleichbar: Oft suchen Junge andere Stellen als die angebotenen und in anderen Regionen. Und von den Firmen hören wir oft, dass sie vom Ausbildungsniveau junger Menschen enttäuscht sind. Hier versucht das AMS, Schwächere selbst auszubilden. Um die richtig guten Lehrlinge beginnt ein harter Wettbewerb in der Branche.

 

Im Zuge der Öffnung des Arbeitsmarkes im Mai für acht neue EU-Mitglieder kamen in den ersten zwei Monaten rund 13.000 Arbeitskräfte nach Österreich. War es das schon?

Der Zuzug wird noch weitergehen, aber mit einer deutlich verminderten Geschwindigkeit. So kamen im Mai 9.000 und im Juni nur noch 4.000.

Politiker und Experten warnen immer wieder vor Facharbeitermangel. Wie drängend ist das Thema in den Bauberufen?

Wir haben in Österreich keinen generellen Facharbeitermangel, aber in ausgewählten Berufen schon. In der Baubranche sind das aktuell die Dachdecker, Bauspengler, Bautischler, Elektroinstallateure, Elektromonteure, Zimmerer, Bodenleger sowie zum Teil Platten- und Fliesenleger.

 

Und was heißt das für diese Berufsgruppen konkret?

Nach unserer Definition herrscht Facharbeitermangel, wenn auf eine offene Stelle weniger als 1,5 Bewerber gemeldet sind. Bei den Dachdeckern herrscht im Verhältnis der größte Mangel, dort sind 49 Facharbeiter arbeitssuchend gemeldet, und gleichzeitig gibt es 122 offene Stellen. In absoluten Zahlen gibt es bei Elektroinstallateuren die höchsten Werte. Dort gibt es 1.100 Arbeitssuchende und 1.400 offene Stellen. Jetzt könnte man meinen: 1.100 zu 1.400, fehlen nur 300, das ist doch super! Aber so ist es nicht. Nicht immer geht es um die gleiche Qualifikation, auch sind offene Stellen und Bewerber oft in ganz unterschiedlichen Regionen.

 

Trotzdem sagen Sie selbst, dass die Situation heute nicht dramatisch ist.

Es wird wohl auch künftig genug Bauhilfsarbeiter geben – aber wir werden in Zukunft erleben, dass das Thema Fachkräftemangel massiv werden wird. Man weiß, dass die Jungen weniger werden. Und dass man am Bau nicht die besten Arbeitsplätze anbieten kann. Außerdem profitiert Österreich noch davon, dass die erwerbsfähige Bevölkerung aufgrund der Zuwanderung in den 1990ern noch wächst. In Deutschland können Sie sehen, welche Fol
gen es hat, wenn die Anzahl Erwerbsfähiger sinkt. Wir brauchen also sowohl die heimischen Schulabgänger als auch ältere Menschen. Und es ist absolut notwendig für die Branche, Lehrlinge auszubilden, denn das Problem werden wir mit Migration allein nicht lösen können.

Welche generellen Trends erwarten Sie am Arbeitsmarkt und am Bau? Nach dem Ende der Rezession und dem allmählich erstarkenden Aufschwung hat sich das Gesamtklima zuletzt ja wieder deutlich eingetrübt, siehe Euro-Krise und die Turbulenzen an den Börsen. Andererseits gibt es zahlreiche namhaften Volkswirte, die keine großen Auswirkungen auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt sehen.

In dieser Phase weiß keiner, wie die aktuellen Entwicklungen die Gesamtwirtschaft beeinflussen, und das führt wieder zu niedrigeren Inves­titionen. Trotzdem: Das erste Halbjahr 2011 war sehr gut. Im zweiten Halbjahr und in der ersten Hälfte 2012 wird sich das Wachstum abschwächen – aber wir sehen auf jeden Fall ein Wachstum. Außer, es treten unvorhergesehene globale Ereignisse ein. Im zweiten Halbjahr erwarten wir einen Aufschwung. Und auch die mittelfristigen Prognosen sind eindeutig positiv. Was den Bau angeht, wird es hier nicht ganz so rosig aussehen wie in der Industrie, weil der Sektor von notwendigen Einsparungen im öffentlichen Bereich getroffen wird. Aber man kann davon ausgehen, dass auch der Bau von dem zu erwartenden Aufschwung profitieren wird.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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