Direkt zum Inhalt

Die Kleinsten für den Profi

25.06.2010

Klein, aber oho: Die leichtesten und zugleich neuesten Akkubohrschrauber von sieben Herstellern zeigten unter Kräfte- und Zeitdruck, dass sie durchaus mit den großen, netzabhängigen Brüdern mithalten können

Man kennt das ja: Allzu oft sind herkömmliche Bohrschrauber für kurze Arbeiten unhandlich oder einfach nur zu schwer. Netzkabel erfordern einen Stromanschluss, wo oft keiner zu Verfügung steht. Die herumliegenden Kabel stören zudem des Öfteren beim Arbeiten. Die fortschreitende Miniaturisierung von Akkugeräten setzt hier an: Längst sind Profigeräte auf ein minimales Maß geschrumpft.

Viel kleiner geht es nicht mehr, um Praxistauglichkeit und Handhabung der elektrischen Werkzeuge zu gewährleisten. Inzwischen haben die Akkubohrschrauber die handliche Form kleiner Pistolen erreicht. Und auch in Sachen Power haben neuentwickelte Lithium-Ion-Akkus einen Schritt nach vorn geschafft. Die bauzeitung wollte es aber genau wissen: Wie praxistauglich sind sie denn, die kleinsten Profigeräte der Hersteller? Und: Können Sie mit ihren großen, netzabhängigen Brüdern mithalten?

Sieben Markenhersteller stellten sich dem Kräftemessen der kleinsten Akkubohrschrauber – dieses Mal an der niederösterreichischen BauAkademie in Langenlois. In den erfahrenen und fachkundigen Händen der Lehrlingsausbilder und Poliere Erwin Mistelbauer und Karl Rester standen Produkte von Hilti, Bosch, Makita, Protool, Metabo, Milwaukee und Hitachi auf dem Prüfstand.


Leichtgewichte unter sich
Gerade mal ein knappes Kilo bringt das leichteste Gerät auf die Waage. Und selbst der schwerste Konkurrent ist mit 1,75 kg noch ein Leichtgewicht. Jedoch: Für alle Geräte hieß es, die gleichen Prüfungen und Bewertungen zu durchlaufen. Hauptaugenmerk galt im Test neben Leistungsfähigkeit und Handling den Faktoren Gewicht und Größe. Doch Äpfel dürfen nicht mit Birnen verglichen werden: Um bei doch etwas unterschiedlichen Akkuleistungen Fairness walten zu lassen, wurden die sieben Testkandidaten in zwei Kategorien unterteilt.

In den jeweiligen Kriterien erhielt das Bestgerät die Höchstpunktezahl, in Abstufungen gab es Abzüge bei der nachfolgenden Konkurrenz. „Für den Praxisbereich sind jedenfalls alle Geräte geeignet“, stellt Mistelbauer klar. Manche jedoch etwas mehr. Und, so viel darf vorab verraten werden: So mancher Akkubohrschrauber überraschte beim Praxistest ob seiner erstaunlichen Leistungsfähigkeit.


Rekordverdächtiges Bohren

Auf dem Prüfstand hatten die Geräte – alle selbstverständlich mit vollgeladenem Akku – zwei Durchgänge zu absolvieren: Jeweils fünf Löcher beziehungsweise Schrauben mussten in möglichst kurzer Zeit in einem Holzbalken versenkt werden. Jeder unserer beiden Profis absolvierte einen Durchgang komplett, um zwecks Objektivität einen gleichmäßigen Druck bei jedem Testgerät zu gewährleisten.

Nach dem Auftritt von zwei Kandidaten ist das Erstaunen beim dritten Gerät groß: Die extra eingeflogene Marktneuheit Hilti SFC 14-A (erst ab September erhältlich) frisst sich rasend ausgehungert in das Holz – in Bestzeit. In nur 33,8 Sekunden sitzen die fünf Schrauben. Da kann nur die Protool DRC 12-4 Tec mit 37,4 Sekunden einigermaßen mithalten. „Die Leistungen dieser Maschinen sind spitzenmäßig“, sind sich die Tester einig. Hier zeigt sich schon der „kleine“ Vorsprung in der Akkuleistung. Der macht es aber sicherlich nicht allein aus.

„Die Hilti ist ein Wahnsinn. Das liegt an der guten Kraftübersetzung“, ist sich Mistelbauer sicher. Und auch die Protool hat „eine super Kraft“, wenn auch begleitet von einem winselnden, aber nicht sonderlich störenden Motorengeräusch. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Bohrtest: In sensationellen 11,5 Sekunden jagt die Hilti durch den Balken. Das können auch Netzgeräte nicht viel schneller. Knapp dahinter abermals Protool und mit etwas Abstand Metabo. Andere Maschinen schwächeln bereits, haben das auch in den Herstellerangaben notierte Maximum scheinbar erreicht. Hinter den Platzierten leisten aber vor allem Bosch und Makita ebenfalls eine gute und „runde“ Arbeit. Sie punkten aber definitiv durch extrem niedriges Gewicht und geringe Größe. Mistelbauer: „Für die Größe eine Superleistung von der Bosch.“ Und auch Rester stimmt zu: „Auch die Makita gibt ordentlich Gas.“

Nach den zwei Durchgängen und dem erwiesenen Vorsprung von Hilti und Protool können wir es erst nicht ganz glauben. Alle Einstellungen werden kontrolliert, zwei weitere Durchgänge bestätigen aber die tolle Leistung. Und: Der Akku dieser Maschinen will einfach nicht aufgeben und leer werden. Wir wollen wissen, wie lange der in etwa durchhält: Nach je 45 Bohrlöchern mit einem kraftraubenderen 10er-Bohrer lassen wir es dann aber gut sein. Eine tolle Leistung für einen kleinen Akkubohrschrauber.


Leicht und gut in der Hand

In Sachen Handling und Ergonomie erweisen sich alle sieben Kandidaten als ausgezeichnet ausbalanciert, liegen durch die Bank gut in der Hand. Alle Maschinen sind gut verarbeitet und mit rutschfester Gummierung ausgestattet. Kleine Abzüge gibt es nur bei Protool und Metabo: Erstere ist rückwärtig etwas zu globig ausgefallen und drückt dadurch ein wenig im Handrist. Zweiterer fehlt etwas Feingefühl, und sie läuft per leichtem Knopfdruck nicht mit niedriger Umdrehungszahl, sondern startet sofort durch. Wie angekündigt wurde auch Gewicht wie Größe stark in der Testbewertung berücksichtigt.

Die wirklich kleinen Geräte von Bosch und Makita bekommen die Höchstpunktezahl. Doch auch das kann den Leistungsvorsprung der kräftigeren Maschinen nicht ganz wettmachen. Wir rechnen nach: Selbst nach anderer Bewertungsmethode mit noch höherem Schwerpunkt auf Gewicht sind die Gesamtführenden immer eine Nasenspitze voraus. In Sachen Ausstattung sind alle Akku-Bohrschrauber vergleichbar. Bis auf die Protool bekamen alle eine integrierte Lampe spendiert. Bosch und Milwaukee zeigen sogar den momentanen Akku­stand an. Jede Maschine ist mit mindestens zwei Gängen und verstellbarem Drehmoment bedienbar. Geliefert werden die Werkzeuge mit zwei Akkus und Ladegerät in stabilen Koffern. Besonders erwähnenswert: der stapelbare Kasten von Protool.

Die Geräte im Detail: Bosch verspricht bei seinem GSR 10,8-2-Li mit Electronic Cell Protection den Schutz des Akkus vor Überhitzung, Überlastung und Tiefentladung sowie mit Hyper Charge eine 75-prozentige Akkuladung in der Hälfte der gesamten Ladezeit. Eine Motorbremse ermöglicht präzises Arbeiten bei Serienverschraubungen. Der Bohrschrauber ist nicht nur der leichteste seiner Klasse, mit 17,8 Zentimeter ist er auch der Kürzeste.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Obmann des Fachverbandes Steine-Keramik Robert Schmid mit Geschäftsführer Andreas Pfeiler
Branche
16.09.2020

Die Konjunkturerhebung des Fachverbands Steine+Keramik zeigt für das erste Halbjahr 2020 einen wenig überraschenden Umsatzrückgang. 

„Das schlimmste mag hinter uns liegen, aber die Erholung ist nach dem Corona-Lockdown frühzeitig zum Erliegen gekommen.
Aktuelles
09.09.2020

Die Unternehmen der WKÖ-Sparte Gewerbe und Handwerk sind von wirtschaftlicher Normalität weit entfernt. Konjunktur-Impulse könnten Umsatzverluste minimieren. 

Bauhandbuch
14.09.2020

Einmal im Jahr liefern wir Ihnen in Zusammenarbeit mit der WKO umfassende Kalkulationsbeispiele für Baugewerbe und -industrie.

Aktuelles
10.09.2020
Bernhard Hirschmüller, Geschäftsführer Velux Österreich (l.), und Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms bei WWF Österreich, freuen sich auf die gemeinsame Umsetzung des Projekts.
Aktuelles
01.09.2020

Die VELUX Gruppe verpflichtet sich, zukünftige CO2-Emissionen zu reduzieren und zugleich den historischen Fußabdruck des Unternehmens seit seiner Gründung im Jahr 1941 zu binden - insgesamt 5,6 ...

Werbung