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Christian Sorko verantwortet seit Juli als Global Head of Segment Building weltweit den Bereich Hochbau bei Peri.

"Die Kreativität entsteht beim Kunden"

04.08.2020

Kundennähe schreiben sich viele Firmen auf die Fahnen. Warum es beim Schalungs- und Gerüsthersteller Peri nicht nur leere Worte sind und welche Rolle er künftig weltweit dabei spielt, erzählt Christian Sorko.

Eigentlich wäre Christian Sorko jetzt in den USA – aber nicht auf Urlaub, sondern um sich etwa mit Peri-Schalungen realisierte Wolkenkratzer aus der Nähe anzuschauen. Und das sollte nur eine Station von vielen sein, denn seit Juni ist der Peri-Österreich-Geschäftsführer als Global Head of Segment Building beim deutschen Schalungshersteller weltweit für das Segment Hochbau verantwortlich. Die internationale Kennenlern-Tour muss Corona bedingt noch ein bisschen warten, die Abschiedstour von heimischen Kunden und Partnern lässt er sich aber nicht nehmen. Christian Sorko über seine neuen Aufgaben, Kundenkreativität und Innovationssprünge.

30 Jahre Bau in Österreich, zehn Jahre davon bei Peri – fällt Ihnen der Abschied schwer?
Christian Sorko:
Die Entscheidung,­Österreich zu verlassen, fiel mir schon schwer. Es ist für mich eines der schönsten Länder mit den schönsten Projekten – angefangen bei der kleinsten Baustelle bis hin zum High-End-Engineering. Der Markt deckt auf kleinstem Raum alles ab – das macht schon Spaß. Ich bin auch gerade noch auf Abschiedstour – das stimmt manchmal schon ein bisschen melancholisch.

Offiziell sind Sie zurzeit auch noch Geschäftsführer in Österreich. Gibt es bereits einen Nachfolger?
Sorko: Wir befinden uns gerade im Auswahlprozess, die Entscheidung wird in den nächsten Wochen fallen. Auch das hat sich durch Corona ein wenig verzögert. Mein Team führt allerdings in der Zwischenzeit die Geschäfte hervorragend weiter – wir ­machen uns deshalb keinen Zeitdruck.

Sie wechseln nach Weißenhorn in die Peri-Zentrale und sind künftig in der neugeschaffenen Position „Global Head of Segment Building“ weltweit für das Segment Hochbau verantwortlich. Warum diese Neuorganisation?
Sorko:
Peri hat sich in den letzten 50 Jahren außerordentlich gut entwickelt und hat mittlerweile rund 10.000 Mitarbeiter in 70 Märkten. Ab einer gewissen Größe büßt man aber auch automatisch Geschwindigkeit und Flexibilität ein. Deshalb wurde die Organisation nun in die drei Segmente Industry (Gerüst), Infrastructure und Building unterteilt. Mit dieser neuen Matrix-Struktur wollen wir uns wieder viel stärker auf unsere Kunden ausrichten. Ziel ist, die Durchgängigkeit des Kundenfeedbacks vom Fachberater in den jeweiligen Märkten bis in die Zentrale deutlich zu beschleunigen, um schneller und fokussierter auf die Bedürfnisse reagieren zu können. Bei der Besetzung der neuen Positionen hat man bei Peri darauf Wert gelegt, dass es Leute sind, die direkt aus dem Vertrieb kommen und die Anforderungen der Kunden kennen. Dass mit mir jemand aus einem vergleichsweise kleinen Markt auf so eine Position gesetzt wurde, macht schon ein bisschen stolz und zeigt, dass wir in Österreich gute Arbeit leisten.

„Bei der Nähe zum Kunden geht es nicht nur um Reklamationen, sondern auch um die Kreativität. Unsere Kunden zeigen uns täglich, was man mit unseren Produkten alles machen kann.“

Christian Sorko, Global Head of Segment Building bei Peri

Das hat sich auch während des Covid-19-Shutdowns gezeigt. Innerhalb kürzester Zeit war Peri in Österreich wieder voll einsatzfähig. Wie verkraftet der gesamte Konzern die Corona-Krise?
Sorko:
Es ist schon interessant, die Wellenbewegungen des Virus global mitzuverfolgen. Einige Organisationen kommen gerade aus dem Shutdown heraus, andere gehen gerade hinein – und das Ganze unvorhersehbar und nicht steuerbar. Global gesehen ist es natürlich eine riesige Herausforderung. Man denke an die gesamte Logistik, die Materialflüsse, die Spezialisten, die zu internationalen Projekten fliegen sollten, und natürlich eben auch das Wegbrechen der Aufträge.

Viele große Konzerne bauen massiv Personal ab. Wird das bei auch Peri überlegt?
Sorko:
Nein. Das Ziel ist, gestärkt aus der Krise herauszugehen. Das bedeutet auch, dass wir niemanden verlieren wollen. Natürlich wurden auch bei uns Investitionen und unnötige Ausgaben gestoppt – aber eben nicht Personal eingespart. Zum Glück verschafft uns das Mietgeschäft auch in Zeiten wie diesen die nötige Stabilität. In Zentraleuropa und vor allem in Österreich haben wir den Shutdown gut überstanden. Wir konnten die Kurzarbeit nutzen und diese, als das Geschäft wieder anlief, schrittweise beenden. Gott sei Dank ist es uns – auch dank unserer Kunden – gelungen, die Aufträge wieder hereinzuholen.

Wie gehen Sie mit aktuell mit Covid-19 in Österreich um? Ist alles wieder zur Normalität zurückgekehrt?
Sorko:
Aktuell arbeiten wir noch immer in Schichten. Kritisches Personal wurde getrennt beziehungsweise befindet sich im Homeoffice, und es finden auch keine Live-Meetings mit allen Führungskräften statt. Würde ein Mitarbeiter im Lager oder ein Techniker an Corona erkranken, stünde ohne diese Maßnahmen der Betrieb. Ich verstehe auch nicht ganz, dass vielen dieses Risiko noch immer nicht klar ist. Der Bau ist archaisch und unverwüstlich, da hält man sowas aus, glauben viele. Aber das Macho-Getue hilft nicht weiter, wenn man keine Luft mehr bekommt. Insgesamt war es sicher ein Learning für uns als Unternehmen: Wie man Mitarbeiter behandelt; wie man mit Kunden umgeht; aber auch wie Kunden mit einem selbst umgehen. Und es hat sich gezeigt: Die guten Unternehmen sind auch in solchen Situationen gut – das ist kein Zufall.

Denken Sie, dass die Veränderungen auch langfristig bestehen bleiben?
Sorko:
Ich denke schon, dass einiges hängen bleibt. Dabei ist das Leben auf Distanz schon komisch – auch wenn es zu unserer oberflächlichen Welt passt. Dabei ist die Haptik so wichtig – egal ob bei Konsumgütern oder Produkten wie Schalungen und Gerüsten. Der Kunde muss es doch auch angreifen. Hand anlegen gehört doch dazu?

Dabei sind doch auch in der Baubranche Virtual und Augmented Reality immer im stärker im Kommen.
​Sorko:
Das ist ja im Optimalfall kein ­Widerspruch – zum Beispiel kann der Techniker dank Augmented-Reality-Technologie die Hände freihaben. Die Kombination ist es – man entlastet den Kopf und hilft der Vorstellungskraft, aber die Hände wird man immer benötigen. Diese Verbindung zwischen Kopf und Hand ist eine der komplexesten in der Natur, und keine Maschine konnte bis heute die Sensorik einer Hand nur annähernd ersetzen. Deshalb will Peri mit seinen ­digitalen ­Lösungen das Bauen als Handwerk unterstützen.

Die Baubranche befindet sich gerade in einem Paradigmenwechsel. Automatisierung, Vorfertigung und 3D-Druck sind auf der Überholspur. Haben Sie Sorge, dass Schalungen irgendwann obsolet werden?
Sorko:
Diese Sorge habe ich nicht. Wir gehen immer mit unseren Kunden. Wenn sich der Markt derartig verändert, passen wir uns an. In Deutschland haben wir zum Beispiel im Rahmen eines Joint Ventures mit dem dänischen Unternehmen Cobod gerade den ersten 3D-Drucker verkauft. Wir probieren viele Geschäftsfelder aus, um beurteilen zu können, ob sie für uns eine Zukunft haben.
Vorfertigung und Fertigteile haben natürlich ihre Berechtigungen, und dieser Trend wird auch deutlich zunehmen. Der Bau muss sich zwangsläufig wandeln, allein schon um effizienter zu werden. Es gibt noch so viel Einsparungspotenzial – auch beim Energieverbrauch. Hier müssen wir jetzt ansetzen!

Global sind die Märkte auch in diesen Punkten sehr unterschiedlich ent­wickelt. Wie gehen Sie damit strategisch um?
Sorko: Die Welt ist meiner Meinung nach vertikal geteilt. Das heißt, ein High-rise ­Tower wird überall ähnlich anspruchsvoll sein – egal ob in Hongkong, Mumbai oder den USA. Die Unterschiede liegen eher in den Massenmärkten.
Ein weiterer entscheidender Punkt wird sein, wo die Innovationssprünge stattfinden. Aber hier sollte man vorsichtig sein und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Zum Beispiel war Afrika der erste Kontinent, der flächendeckend Online-Banking hatte. Es gab zu wenig Zugang zu Banken, aber jeder hatte ein Smartphone. Oder Baustellen in Thailand, die vollständig lean abgewickelt werden – obwohl die Produktion der Fertigteile noch steinzeitlich ist. Man kann also nicht einfach sagen, das ist ein Emerging Market und damit nicht innovativ.
Wir hatten auch schon Produkte entwickelt, die für Emerging Markets gedacht waren, und plötzlich funktionieren sie auch in Europa. Die Duo ist das beste Beispiel.

Freut Sie als Hersteller eine „Zweckentfremdung“ wie bei der Peri-Verbundschalung Duo?
Sorko:
Natürlich! Das ist super! Bei der Nähe zum Kunden geht es schließlich nicht nur um Reklamationen, sondern auch um die Kreativität. Unsere Kunden zeigen uns täglich, was man mit unseren Produkten alles machen kann, und fordern uns so immer aufs Neue, unsere Produkte weiterzuentwickeln. Diese beiden Welten – die Kreativität der Kunden und das Know-how der Entwicklungsingenieure – besser zu vernetzen wird eine zentrale Aufgabe meines neuen Teams sein.

Autor/in:
Sonja Meßner
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