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Die liebe Familie

24.06.2011

Familie Gartner führt das älteste Bauunternehmen Burgenlands. 100 Jahre wird der Betrieb heuer, und das soll auch gefeiert werden. Im Interview verraten die sympathischen Burgenländer ihr Erfolgsgeheimnis.

Einen eigenen Baubetrieb zu führen war für Johann Gartner schon seit seiner Lehrzeit im Rudolf-Schiener-Bauunternehmen erklärtes Lebensziel. Nach seiner Maurerlehre hat er mit Fleiß und Ausdauer daran gearbeitet, seinen Wunsch auch umzusetzen. Nicht zuletzt durch die Unterstützung seiner Frau Katharina können beide auf ein erfolgreiches (Arbeits-)Leben zurückblicken. Im Jahr 2000 hat die Familie Gartner die Gartner-Schiener Bau GesmbH übernommen.

Johann Gartner ist nach wie vor aktiv und unterstützt seine Söhne mit Rat und Tat und vor allem mit seiner langjährigen Erfahrung. Im Interview erzählen die „drei Musketiere", wie Johann Gartner sich und seine Söhne schmunzelnd bezeichnet, wie sie es geschafft haben, den Betrieb zum erfolgreichsten Bauunternehmen in der Region Seewinkel auszubauen. Eines ist aber auch für ein ungeschultes Auge auf den ersten Blick ersichtlich: Die Gartners begegnen dem gemeinsamen Arbeitsalltag nicht nur mit Professionalität, sondern vor allem mit viel Freude.

 

Ein klares Ziel vor Augen

„Ich habe im Jahr 1956 in diesem Betrieb mit meiner Maurerlehre begonnen. Zu dieser Zeit wurde bereits die Idee geboren, ein eigenes Unternehmen zu leiten. Als wir in der Beurfsschule im Fach ‚Technisches Zeichnen‘ aufgefordert wurden, eine beliebige Zeichnung anzufertigen, habe ich bereits eine Firmentafel entworfen", erinnert sich Johann Gartner. „Selbstverständlich kam es zu der Umsetzung erst viel später. Da wir grundsätzlich nicht sehr begüterte Leute waren, musste ich mich erst hinaufarbeiten", erinnert sich der Seniorchef. Ab 1977 war er schließlich als Geschäftsführer tätig. „Von da an war es mein Bestreben, etwas zu schaffen, das Bestand hat und das ich an meine Familie weitergeben kann. Meine Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, im Betrieb zu arbeiten. Im Jahr 2000 stellte sich dann die Vertrauensfrage. Hannes war damals zwei Jahre im Betrieb und Wilfied seit zehn Jahren. Die Entscheidung stand an, ob ich in Pension gehe und die Firma stillgelegt wird, oder ob die Söhne das Unternehmen weiterführen wollen. Beide haben sich für das Unternehmen entschieden, und ich glaube, sie haben es bis heute nicht bereut", so der stolze Vater.

 

Die richtige Entscheidung

Den beiden „Buben" sieht man an, dass sie sich tatsächlich richtig entschieden haben. „Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man sich fragt, warum man sich das antut, aber in Summe bin ich froh", bekennt der älteste Sohn Hannes Gartner. Auch der Zweitgeborene, Wilfried Gartner, kann es sich nicht mehr anders vorstellen: „Ich bin gleich nach der Schule in die Firma eingestiegen und habe die kaufmännischen Agenden übernommen. Ich bin über die Jahre immer mehr in die Sache hineingewachsen und kenne die Firma mittlerweile in- und auswendig." Im Gegensatz zu Wilfried Gartner hat sein Bruder Hannes vorher Erfahrungen in Wien gesammelt und ist erst 1998 in den Familienbetrieb eingestiegen.

 

Nachwuchs im Anmarsch

Um diese Tradition hoffentlich eines Tages fortzuführen, haben die beiden auch selbst schon für Nachwuchs gesorgt. Wilfried Gartner hat eine zwei­jährige Tochter und einen vier Monate alten Sohn, Hannes Gartner ist stolzer Vater eines 17 Monaten alten Jungen, und ein Mädchen ist gerade unterwegs. „In diesem Alter kann man selbstverständlich noch nicht von Zukunftsplänen sprechen, aber natürlich möchten wir darauf hinarbeiten, dass unsere Kinder später einmal Interesse für den Betrieb zeigen", erkärt Wilfried Gartner. Dies bestätigt auch sein Bruder Hannes: „Wir würden uns schon freuen, wenn der Nachwuchs sich für die Branche begeistert. Vor allem hoffen wir, dass sich unsere Kinder auch so gut verstehen, wie es bei uns der Fall ist. Denn das Wichtigste ist, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Das ist auch innerhalb einer Familie nicht selbstverständlich." Damit spricht Hannes Gartner das eigentliche Erfolgskonzept an. Wilfried Gartner erklärt: „Wir verstehen uns privat und beruflich sehr gut und ergänzen uns. Die Arbeitsbereiche sind aufgeteilt. Ich bin für die kaufmännischen Belange verantwortlich, mein Bruder und mein Vater kümmern sich um den technischen Bereich." Diese Aufteilung funktioniert in der Praxis offenbar sehr gut.

Obwohl Johann Gartner schon seit längerem von der Pension spricht, kann er sich dennoch nicht ganz zurückziehen: „Ich habe mich in die zweite Reihe gesetzt, bin aber immer noch aktiv und mache beispielsweise Kalkulationen. Vor allem stehe ich mit Rat und Tat zur Seite. Es hat auch jeder von uns seinen eigenen Kundenstamm. Ich betreue hauptsächlich unsere ‚Altkunden‘, und so hat jeder sein Klientel", so Johann Gartner. Die Söhne sind dem Senior für die engagierte Mithilfe sehr dankbar: „Wir sind froh, dass er hier ist, weil es eine Menge Arbeit ist, die er uns nach wie vor abnimmt. Erfahrung kann man nicht lernen, und es ist hilfreich, den Vater an der Seite zu haben, der immer schon enormes Fingerspitzengefühl bewiesen hat. Es ist gut, dass wir immer wieder auf sein Know-how zurückgreifen können", erklärt Wilfried Gartner stolz.

Hinter jedem erfolgreichen Mann ...

Aber nicht nur die Männer sind in der Familie am Erfolg beteiligt. Hinter jedem der drei Herren steht eine verständnisvolle Frau. Angefangen bei Katharina Gartner, die Ehefrau von Johann Gartner, die selbst insgesamt 15 Jahre aktiv im Betrieb gearbeitet hat und natürlich die gesamte Zeit über die „gute Seele" des Unternehmens war. „Ich war immer mit Rat und Tat an seiner Seite, wenn er mich gebraucht hat. Und das bin ich auch jetzt noch", erklärt die fürsorgliche Ehefrau und Mutter. Die Söhne scheinen in dieser Hinsicht auch jeweils eine gute Wahl getroffen zu haben. „Unsere Frauen sind sehr verständnisvoll, wenn es darum geht, dass wir oft abends lange arbeiten und auch so manches Wochenende nicht ausschließlich der Familie widmen können. Sowohl meine Frau Elke als auch Wilfrieds Frau Hedwig sind diesbezüglich sehr tolerant", weiß Hannes Gartner sein Glück zu schätzen. Und dennoch ist es in der Familie Gartner kein Muss, sein Leben im gemeinsamen Unternehmen zu verbringen.

Der jüngste Sohn Christoph hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen, und auch auf ihn sind die Eltern nicht weniger stolz. Trotz des Umstands, dass die Familie bei den Gartners an erster Stelle steht, wissen sie sehr wohl, dass es ohne fremde Hilfe auch nicht geht. Den konstanten Mitarbeiterstand von rund 55 Personen betreuen die Herren ebenso gut wie ihre Kunden. Zumindest lässt sich das aus der Dauer der Arbeitsverhältnisse schließen: „Die meisten unserer Mitarbeiter sind 20 Jahre oder länger in der Firma. Nur wenige kürzer, weil natürlich immer wieder Leute in Pension gehen. Wir beschäftigen zu zwei Drittel österreichische Arbeiter auf den Baustellen. Ein Drittel sind ausländische Mitarbeiter, hauptsächlich aus Ungarn. Aber auch diese sind allesamt schon viele Jahre im Unternehmen. Außer mir sind noch Josef Wilkovits und Michael Kurzmann als Baumeister bei uns beschäftigt, die beide gute Arbeit leisten", so Johann Gartner. Deshalb weiß der Seniorchef seinen Betrieb auch langfristig in guten Händen. „Ich bin seit 55 Jahren in meinem Beruf tätig. Nach der 100-Jahre-Feier im September werde ich versuchen aufzuhören", berichtet er schmunzelnd und mit einem verstohlenen Blick zu seiner Ehefrau. „Ich will mein restliches Leben auch noch genießen und mehr Zeit für meine Frau und meine Enkelkinder haben. Ich bin zwar gern hier und helfe mit Freude, aber die Entscheidungen trifft bereits jetzt die Jugend", so Johann Gartner.

 

Gewöhnen und akzeptieren

Auf die Frage, ob es denn in dieser glücklichen Familie gar keine beruflichen Konflikte gibt, kommt eine gewohnt ehrliche Antwort: „Natürlich mussten wir uns am Anfang aneinander gewöhnen. Manchmal ist man verschiedener Auffassung, und niemand ist unfehlbar, aber wir haben nicht gestritten, sondern uns aneinander gewöhnt und akzeptiert. Mittlerweile funktioniert die Zusammenarbeit tadellos, und wir sind auch weiterhin auf einem guten Weg", so Johann Gartner, der sich zu Recht über diese Entwicklung freut.

Doch wer denkt, dass es in diesem traditionsreichen Unternehmen keinen Fortschritt gibt, der irrt. Hannes Gartner, Techniker, erklärt: „Wir machen nicht nur Bauausführung, sondern wir planen auch, hauptsächlich für Private. Dabei haben wir uns speziell mit der Niedrigenergieausführung in Ziegelmassivbauweise auseinandergesetzt und planen Modulhäuser, die individuell abänderbar sind und vor Ort auf der Baustelle errichtet werden, es gibt also keine vorgefertigten Bauteile, sondern es wird Stein auf Stein an Ort und Stelle gebaut." Zum diesjährigen Jubiläum hat das Unternehmen eine eigene Jubiläumslinie entworfen. „Es ist zwar teilweise schwierig im Wettbewerb mit den Fertigteilhäusern, aber dennoch ist ein Marktsegment vorhanden, das wir bedienen möchten", so Hannes Gartner.

An die Wettbewerbsproblematik ist der Seniorchef gewöhnt und hat auch hierfür seine eigene Strategie entwickelt. „Die Konkurrenz schläft nicht, und es gibt sie immer. Unser Vorteil ist, dass wir das Vertrauen der Kunden genießen. Es geht zwar vieles über den Preis in unserer Branche, aber es darf niemals auf Kosten der Qualität gehen. Nichts ist schlechter als Nacharbeiten, das kostet Geld. Darum steht für uns die Qualität immer an erster Stelle", betont Johann Gartner. Der Sohn Wilfried ergänzt: „Wir arbeiten mit Materialien und Lieferanten aus der Region und verwenden namhafte österreichische Produkte bzw. arbeiten mit heimischen Unternehmen zusammen. Die Qualität ist ein zentraler Wert." Zudem kommt die persönliche Betreuung der Kunden.

„Wir kümmern uns persönlich um die Baustellen und die Detailausarbeitung. Jeden Tag treffen wir die Bauleiter und stellen die Teams so zusammen, dass wir wirtschaftlich, effizient und nach Kundenwusch agieren können. Dieses Konzept haben wir von unserem Vater übernommen, und es bewährt sich noch heute. Darum wollen wir das auch beibehalten", erklärt Hannes Gartner. Der Senior bestätigt: „Ich habe immer die persönlichen Beziehungen und Gespräche gepflogen. Es geht bei unserer Arbeit viel um Vertrauen. Wir sind immer vor Ort und sprechen direkt mit dem Kunden." Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt nicht die Tatsache, dass die Gartner-Schiener GmbH keinen Anwalt beschäftigt. „Es gab einen einzigen Fall, bei dem wir einen Anwalt einschalten mussten. Aber weder vorher noch nachher war es notwendig, juristische Hilfe einzuholen", freut sich Johann Gartner über den Erfolg.

 

Tradition und Innovation

Sehr geschickt verbinden die beiden Brüder die bewährten Strategien der Vorgänger mit zeitgemäßen Konzepten – mit ein Grund für den anhaltenden Erfolg des Unternehmens. „Wir wollen Bewährtes erhalten und gleichzeitig mit der Technik gehen. Wir stehen neuen Technologien offen gegenüber und versuchen, Tradition und neue Technologien zu verbinden. Wir bauen nach dem heutigen Stand der Technik und versuchen Innovationen mit unseren Erfahrungen aus der Praxis zu ergänzen und zu verbessern. Unsere Bautechniker und Bauleiter sind technisch so versiert, dass wir auch weiterhin immer eine gute Lösung finden oder kreieren werden. Auch zukünftig wünschen wir uns zufriedene Mitarbeiter und begeisterte Kunden", erklärt Hannes Gartner seine Zukunftspläne. Wilfried Gartner bekräftigt: „Wir wünschen uns, dass es weiterhin so gut geht wie jetzt, und wollen den Erfolg aufrechterhalten."

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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