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Die Radladerflotte mit Zukunft

07.10.2011

Gleich zwei große Hersteller stellten in den vergangenen Wochen neue Radlader vor: Caterpillar und Volvo. Die Features der Maschinen gleichen sich: Stufe-III-B-konforme Motoren, ein Plus bei Leistung, Fahrerkomfort und Wirtschaftlichkeit.

Von Wolfgang Pozsogar

Alles neu macht nicht nur der Mai. Und auch nicht nur die Bauma: In den vergangenen Wochen kamen zwei der größten Baumaschinenhersteller – Volvo und Caterpillar – mit komplett neu Radladern auf den Markt. Den Vogel schoss dabei zumindest punkto Aufmerksamkeit Volvo ab. Die Schweden brachten mit dem L250G ihren ersten Rad-lader in der 35-Tonnen-Gewichtsklasse auf den Markt. In großen Stückzahlen wird das Gerät, das mit einer bis zu 10,2 Kubikmeter großen Schaufel ausgestattet werden kann, hierzulande vermutlich nicht verkauft werden. Leider werden Baumaschinenenthusiasten sagen, denn das Gerät macht mit seiner fast 400 PS starken Maschine einigen Eindruck.

Und glaubt man Volvo, wird die bullig wirkende Maschine ihren optischen Versprechungen auch gerecht. Der 13-Liter-V-ACT-Diesel mit sechs turbogeladenen Zylindern für den Betrieb abseits der Straße liefert hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl. In Verbindung mit dem neuen Antriebsstrang sowie dem leistungsstarken Hubgestänge mit Z-Kinematik soll die Maschine deshalb viel Leistung bei harten Einsätzen bieten. Und das, ohne dabei die Umwelt übermäßig mit Feinstaub zu belasten: Mit gekühlter Abgasrückführung und einem Partikelfilter mit aktiver Regenerierung wird der Motor den Vorschriften der Euro-Stufe IIIB gerecht.

 

20 Prozent mehr Hubkraft

Nicht ganz so mächtig wie der große Bulle kommen zwei weitere Neuheiten daher, die Volvo ebenfalls im diesjährigen Sommer vorstellte: der L110G und L120G. Aber sehen lassen können sich die Radlader der 20,7- beziehungsweise 21,6-Tonnen-Klasse allemal, und auf heimischen Baustellen wird man ihnen zweifellos öfters begegnen als ihrem großen Bruder. Gegenüber den Vorgängermodellen leisten sie einiges mehr: Volvo spricht von 20 Prozent mehr Hubkraft und fünf Prozent mehr Reißkraft. Zugleich soll es gelungen sein, den Verbrauch beim Laden und Transportieren bzw. beim Beladen von Lkws um bis zu fünf Prozent zu senken.

Verwirklichen lassen sich solche für den Laien fast widersprüchlich klingende Behauptungen von mehr Leistung und weniger Verbrauch durch Optimierungen in den unterschiedlichsten Bereichen. Ein Grund für die Effizienzsteigerung sind die natürlich der Euro-Stufe IIIB gerecht werdenden 260- und 268-PS-Maschinen in diesen neuen Radladern. Der 8-Liter-V-ACT-Diesel von Volvo mit sechs turbogeladenen Zylindern bringt Drehzahl und Leistung bereits bei geringen Motordrehzahlen. Genau abstimmt auf den Motor, hat Volvo Antriebsstrang, Load-Sensing-Hydrauliksystem und Hubsystem aus dem eigenen Haus. Dazu kommen Kleinigkeiten, die sich verbrauchssenkend auswirken wie ein elektronisch gesteuerter Kühllüfter, der nur bei Bedarf läuft.

 

Antriebsstrang optimiert

Erst im September kam Caterpillar mit neuen Radladern der Serie K auf den Markt. Die drei Maschinen mit Einsatzgewichten zwischen 15,3 und 20 Tonnen erhielten nicht nur Stufe-III-B-konforme Dieselmotoren mit Leistungen von 273 bis 373 PS, sondern wurden in vielen Belangen überarbeitet. Um mehr Leistung beim Lösen, Laden und Transportieren und zugleich weniger Verbrauch zu bieten, haben auch die Cat-Entwicklungsingenieure – ähnlich wie die Volvo-Techniker – den gesamten Antriebsstrang inklusive des Cat-Acert-Motors optimal aufeinander abgestimmt. Überarbeitet hat Cat auch die Logik für das automatische Herunterschalten in den ersten Gang. Bisher war dieser Schaltvorgang abhängig von der Fahrgeschwindigkeit, jetzt wird er durch den Drehmomentbedarf der Maschine gesteuert. Das macht dem Fahrer die Arbeit leichter, ermöglicht rascheres Befüllen der Schaufel, bringt spritzigere Beschleunigung und bessere Steigfähigkeit und trägt last, but not least zur Reduktion des Dieseldurstes bei.

 

Das einfachere Ypsilon

Freude bringt dem Bedienungsmann vermutlich auch die völlig neue elektro-hydraulische Joystick-Lenkung, die Caterpillar in seinen neuen Radladern der K-Serie eingebaut hat. Sie hat beispielsweise eine geschwindigkeitsabhängige Rückmeldung, die auch beim vollen Tempo geradeaus ein sicheres und präzises Lenkgefühl vermittelt. Vor allem aber bringt das Lenken mit dem kleinen Steuerknüppel anstelle des Kurbelns am Lenkrad eine wesentlich entspanntere Körperhaltung. Angenehm ist das ganz besonders bei der typischen Y-Bewegung beim Lkw-Beladen, bei der der Fahrer mit einem Lenkrad recht viel zu drehen hat.

Allerdings erfordert das Lenken über Joystick eine gewisse Eingewöhnung. Vermutlich für alle, die sich für eine solche Form der Maschinensteuerung nicht begeistern wollen, bietet Cat die Radlader der Serie K daher alternativ auch mit Lenkrad an. Allerdings auch mit keinem gewöhnlichen: Bei diesem elektro-hydraulischen Lenksystem erfordert der größte Lenkeinschlag einen Lenkrad-Drehwinkel von circa 330 Grad, also nicht einmal eine ganze Umdrehung. Konventionelle Lenkanlagen benötigen dafür zweieinhalb bis fünf volle Umdrehungen.

 

Exakte Wiederholung

Dass die Baumaschinenhersteller so viel für den Fahrer tun, hängt einerseits damit zusammen, dass ein guter Arbeitsplatz zur Steigerung der Leistung beiträgt. Eine wahrscheinlich ebenso große Rolle spielt, dass beim Maschinenkauf sehr oft jene Männer entscheiden, die mit dem Gerät dann auch auf der Baustelle unterwegs sind. Nicht nur bei den neuen Cats, auch bei den neuen Volvo-Radladern spielen Bedienung und die Kabine deshalb alle Stückerln. Hier hat der Fahrer sogenannte Servo-Bedienelement am Fahrersitz. Mit ihnen können Einstellungen gewählt werden, die dafür sorgen, dass sich wiederholende Maschinenbewegungen mit großer Genauigkeit ausgeführt werden. Optional bietet Volvo ebenfalls eine Joystick-Steuerung sowie ein Schaltsteuerungssystem namens Comfort Drive Control, um die häufigen ermüdenden Armbewegungen bei kurzen Arbeitszyklen zu eliminieren.

 

Regenerierung während Betrieb

Bei der Abgasbehandlung, die der Stufe IIIB entspricht, setzen beide Hersteller auf sehr ähnlich klingende Lösungen. Cat nennt seine Abgasnachbehandlungsanlage „Clean Emissions Module". Sie besteht aus Oxidationskatalysator, Partikelfilter und Regenerationssystem. Der Regenerationsprozess – erforderlich, um die Rußbeladung des Partikelfilters zu verbrennen – wird automatisch so gesteuert, dass er ohne Unterbre-chung des Betriebs unter stets optimalen Bedingungen stattfindet. Alternativ kann der Fahrer die Regeneration manuell einleiten oder abbrechen. Volvos L250G verfügt ebenso wie die Modelle L110G und L120G über eine gekühlte Abgasrückführung und ebenfalls über einen Partikelfilter mit aktiver Regenerierung, der den Feinstaub vorübergehend festhält und danach verbrennt. Auch hier kann der Regenerierungsprozess während des Betriebs ohne Minderung der Leistung vor sich gehen.

Bei Stufe IIIB, die auch der amerikanischen Norm Tier 4 interim entspricht, werden sowohl NOX als auch die Partikelemission weiters reduziert. Letzteres geschieht mehr oder weniger mit einem aufwändigen Filter, wie ihn einige österreichische Bundesländer vor Jahren generell für Baumaschinen vorschreiben wollten. Das berühmt-berüchtigte Treib­hausgas CO2 wird durch die neuen Abgasreinigungstechnologien nicht berührt. Es existieren derzeit keine Methoden, um es aus den Abgasen zu entfernen. Der einzige Weg zur CO2-Reduktion ist eine Verringerung des Treibstoffverbrauchs. Daran arbeiten ohnehin alle Hersteller – mit Erfolg, wie die Neuheiten von Caterpillar und Volvo beweisen. Das Engagement geschieht aber nicht nur der Umwelt zuliebe. Geringerer Verbrauch bedeutet auch höhere Wirtschaftlichkeit. Und das war schon immer ein gutes Verkaufsargument.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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