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Die Weltmarktführer mit Herz

21.08.2011

Wirtgen, führender Produzent von mobilen Maschinen für den Straßenbau und für die Straßeninstand­setzung, führt seit einem halben Jahrhundert erfolgreich seine Geschäfte -– und agiert nach wie vor familiär. Von Wolfgang Pozsogar

Wenn Jürgen Wirtgen seine Österreich­niederlassung in Steyrermühl besucht, steht neben dem üblichen Business-Talk meist ein weiteres wichtiges Thema auf der Agenda: Motorradfahren. Der deutsche Firmenchef und Josef Fessl, sein Statthalter in Österreich, sind nämlich beide begeisterte Biker, und da tauscht man sich beim Business-Treff auch über die neuesten Bikes und die aufregendsten Touren aus. „Die Atmosphäre bei Wirtgen ist nach wie vor familiär, sowohl zu Jürgen als auch zu Stephan Wirtgen besteht ein sehr gutes und offenes Verhältnis, und es wird mit beiden viel über Privates gesprochen", erzählt Fessl über die Stimmung im Unternehmen.

Diese familiäre Atmosphäre ist insofern außergewöhnlich, als die Wirtgen-Gruppe längst den Dimensionen eines Familienbetriebs entwachsen ist. Vor fünfzig Jahren war das anders. Damals, im Sommer 1961, machte sich Reinhard Wirtgen im zarten Alter von 18 Jahren mit einem alten Magirus selbstständig. „Er fuhr selbst den Lastwagen. Ein 14-Stunden-Tag war für ihn nicht ungewöhnlich", erzählt seine Witwe Gisela über die harten Anfangsjahre.

 

Umtriebiger Erfinder

Viel Arbeit und wenig Gewinn – das brachte Reinhard Wirtgen wenige Jahre später auf die Idee, zwei Betonzertrümmerer zu erwerben und diese Dienstleistung zusätzlich anzubieten. Aber auch mit den Erfolgen dieses Geschäfts war der umtriebige Firmengründer nicht zufrieden, und er ging unter die Erfinder. Anfang der Siebzigerjahre entwickelte Wirtgen eine Warmfräse – was seiner Ehefrau anfangs Sorgen bereitete: „Die Kosten hatten unser Budget gesprengt", erinnert sie sich noch heute. Aber ihr Mann hatte den richtigen Riecher: Das teure Ding funktionierte nach einigen Anlaufschwierigkeiten, und vor allem waren die Kunden von der Neuentwicklung begeistert. Mit Wirtgen als Fräsenproduzent ging’s bergauf.

Das Unternehmen richtete seine ersten Auslandsniederlassungen ein, 1978 war man bereits in Dänemark, in der Schweiz, den Niederlanden, in Belgien, England und Österreich mit Repräsentanzen vertreten. „Reinhard hatte exzellente Ideen. Wir hatten gute Mitarbeiter und gute Maschinen, die im Bausektor gefragt waren", so beschreibt Gisela Wirtgen das Erfolgsrezept in diesen hektischen Aufbaujahren. 1996 gab Reinhard Wirtgen mit dem Kauf des renommierten Fertigerproduzenten Vögele ein neues Ziel vor: ein komplettes Programm an Maschinen für den Straßenbau aus einer Hand.

 

Hektische Aufbaujahre

Verwirklichen mussten diese Strategie aber andere. Reinhard Wirtgen verunglückte 1997 bei einem Autounfall tödlich. Seine Söhne Jürgen und Stephan, damals 32 und 27 Jahre jung, übernahmen, unterstützt von ihrer Mutter, die Geschäftsleitung und setzten die Strategie ihres Vaters erfolgreich fort: 2000 wurde der Walzenhersteller Hamm, 2006 der Brechanlagenproduzent Kleemann erworben. Heute ist das Unternehmen mit seinen Marken Wirtgen, Vögele, Hamm und Kleemann Weltmarktführer bei mobilen Maschinen für den Straßenbau und für die Straßeninstandsetzung. Jürgen und Stephan Wirtgen sind für sieben Werke, 55 weltweite Vertriebs- und Servicegesellschaften sowie einen konsolidierten Umsatz von 1,565 Milliarden Euro verantwortlich.

Österreich-Geschäftsführer Josef Fessl, mit dem sich die beiden Firmenchefs so gern übers Motorradfahren unterhalten, kennt die Familie schon seit vielen Jahren. Er war lange Zeit beim damaligen Repräsentanten Theisen für die Wirtgen-Maschinen zuständig. Fessl erinnert sich: „Als sich abzeichnete, dass Theisen das Mietgeschäft bevorzugen wird, habe ich mit den Brüdern über die Zukunft von Wirtgen in Österreich gesprochen." Resultat der Überlegungen war die 2002 gegründete Niederlassung des deutschen Herstellers in Steyrermühl. Sie hat bei Stephan und Jürgen Wirtgen einen guten Stand: „Wir haben von Anfang an nur Gewinne geschrieben", sagt Fessl stolz.

 

Helfen – ohne große Worte

Bewusst keine Gewinne macht eine Aktivität von Gisela Wirtgen, über die das Unternehmen in nobler Zurückhaltung nur wenig spricht und dessen Spuren man erst beim Googeln findet wie etwa das Reinhard Wirtgen Memorial Hospital. Es steht seit mehr als einem Jahrzehnt in der mitten im Dschungel gelegenen Gemeinde Alegria im Süden der philippinischen Insel Cebu. Hunderte Kinder verdanken der einzigen Gesundheitsstation in dieser abgelegenen Region ihr Leben.

Finanziert wird das Wirtgen-Spital wie zahlreiche andere Hilfsprojekte in der Dritten Welt von der Aktion „Kinder in Not", die Gisela Wirtgen 1983 gründete und für die sie nach wie vor mit viel Engagement tätig ist – allein aus dem Wunsch zu helfen, denn in den ärmsten Regionen der Welt werden Wirtgen-Maschinen noch für viele Jahre kein großes Thema sein. Aber sonst gibt es für die Produkte des Unternehmens auf allen fünf Kontinenten viel zu tun. Mit Produktionsstätten in Brasilien, Indien und China ist der große deutsche Familienbetrieb auch gut aufgestellt, um die globalen Herausforderung zu meistern.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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