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Die Wurzel des Übels packen

20.11.2009

Eine neue Richtlinie des IFB soll mit strikten Vorgaben Prävention gegen unprofessionell ausgeführte Bauschutzabdichtungen leisten. Ein kompetentes Werkzeug für die planende und ausführende Bauwirtschaft.

Die Erhebungen zum 1. Österreichische Bauschadensbericht, der vom ofi-Institut für Bauschadensforschung (IBF) 2005 erstellt worden ist, führten zu dem alarmierenden Ergebnis, dass ein Viertel der erhobenen Schadensfälle bei Arbeiten an Dächern und Balkonen entstanden ist. Dies hat die Landesinnung Bau Wien in Zusammenarbeit mit Wolfgang Hubner, Geschäftsführer des Instituts für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung (IFB), motiviert, ein Forschungsprojekt mit dem IFB, unterstützt von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), zu initiieren. „Wir analysierten dabei vor allem die Ursachen für diese Schäden und erarbeiteten darauf aufbauend eine technische Richtlinie, die als Richtschnur für die Bauschutzabdeckung insbesondere bei Dachgeschoßausbauten Verwendung finden soll“, erklärt Hubner.
Die Forschungen haben gezeigt, dass Schäden vor allem infolge ungenügender Planung oder Ausführung der Abdichtung entstehen oder die Abdichtung während der Bauarbeiten unzureichend vor Beschädigung geschützt wurde. Alle diese Faktoren sind in die Erstellung der Richtlinie eingeflossen, die erstmals einheitliche und vergleichbare Standards für die Bauschutzabdichtung festlegt. „Damit wird eine Lücke geschlossen. Denn die Bauschutzabdichtung ist bisher weder in einer ÖNorm noch einer vergleichbaren technischen Richtlinie behandelt worden“, so Hubner.

Bereits in Planung einbeziehen
Somit können Bauschutzabdichtungen bei Dachgeschoßausbauten bereits in die Planung und Ausschreibung einbezogen werden und ermöglichen es anschließend, die Abdichtungsarbeiten nach klar definierten (und nachprüfbaren) Standards auszuführen. Viel wichtiger ist jedoch, dass die hohe Anzahl der Bauschäden bei Dachgeschoßausbauten bei Anwendung dieser Richtlinie deutlich reduziert werden kann und sich Bauherren und Ausführende die hohen Kosten für die Schadensbeseitigung ersparen. „Das durchgeführte Forschungsprojekt hat zum einen durch die Analyse von Schadensfällen gezeigt, wie wichtig die mängelfreie Ausführung von Bauschutzabdichtungen bei Objekten, die während der Ausführung von Dachgeschoßausbauten und Aufstockungen, sei es zu Wohnzwecken oder als Büro, genutzt werden, ist. Viele der Schäden wären vermeidbar gewesen bzw. das Schadensausmaß wäre geringer ausgefallen“, so Hubner überzeugt.
Weiters hat die Begehung verschiedener Objekte unterschiedliche Standards in der Ausführung der Bauschutzabdichtungen aufgezeigt. Es wurde von Baustelle zu Baustelle auf andere Detailaspekte der Bauschutzabdichtung besonders Wert gelegt. Beispielsweise einerseits auf die Ausführung der Hochzüge bzw. Anschlüsse an das aufgehende Mauerwerk, andererseits auf den Schutz der Abdichtung.
Das Forschungsprogramm war auf zwölf Monate angelegt und hatte folgende Leistungen abzuarbeiten:

Breite Analyse als Grundlage
Für die Analyse von Schadensfällen bei Wassereintritten bei Dachgeschoßausbauten bzw. Aufstockungen standen 14 Gutachten von Sachverständigen bzw. Versicherungen zur Verfügung. Zusammenfassend kann bezugnehmend auf die 14 beschriebenen Schadensfälle Folgendes festgehalten werden, dass
Notabdichtungen nicht sorgfältig genug durchgeplant und ausgeführt werden.
Notabdichtungen während der Bauphase nicht oder nur unzureichend gegen Beschädigungen geschützt werden und beschädigte Stellen oft nicht ausgebessert werden.
ausgeführte Abdichtungshochzüge im Zuge der weiteren Bauarbeiten nachträglich z. B. durch das Verlegen von Leitungen perforiert werden.
die für gezielte Ableitung von Niederschlagswasser erforderliche Gefälle­ausbildung oftmals fehlt.
provisorische Fallleitungen fehlen und durch Speier ersetzt werden. Niederschlagswasser wird unkontrolliert ins Freie entwässert, was zur Vernässung-Verschmutzung von Fassaden führt.
Fallleitungen so ausgeführt werden, dass sie ihre Funktion nicht oder nur unzureichend erfüllen können.
Entwässerungseinläufe in zu geringer Anzahl ausgeführt werden.
Entwässerungsabläufe häufig durch allfällige Baurestmassen verlegt werden.
Planen keinen Ersatz für eine Notabdichtung darstellen, insbesondere bei Starkregenereignissen. Die Sicherung der Planen erfolgt meist mangelhaft bzw. die auftretenden Windkräfte werden unterschätzt.
die Folgen fehlender und unzureichend ausgebildeter Notabdichtungen „klassische“ Wasserschäden in den darunterliegenden Räumlichkeiten sind. Dazu zählen Wasserschäden an den Wänden, abgelöste Tapeten, aufgewölbte Holzfußböden, durchnässte Fassaden und Wände, Schimmelbildung etc.
Die theoretische Analyse war Hubner nicht genug. Um die Kriterien für die Richtlinien tatsächlich mit Praxiserfahrungen belegen zu können, wurden 17 Bauvorhaben in Wien und Umgebung analysiert. In folgenden Bereichen wird ein Verbesserungspotenzial einerseits zur Erhöhung der Ausführungsqualität von Bauschutzabdichtungen, andererseits zur Vermeidung von Schadensfällen gesehen:
Verwendung von E-KV-5- bzw. P-KV-5-Bahnen bei Ausführung von bituminösen Bauschutzabdichtungen.
Verbesserung der Qualität der Ausführung von Hochzügen, sodass flächendeckend Hohlkehlen bzw. Neuverputz im Bereich der Hochzüge ausgeführt werden, damit die Bauschutzabdichtung gegen Hinterläufigkeit (besser) geschützt wird.
Durch Schulung ist die Einhaltung von Brandschutzmaßnahmen weiter zu verbessern, sodass bei Bauvorhaben die Bestimmungen eingehalten werden.
Verbesserung des Schutzes der Abdichtung entweder durch einen Schutzestrich oder das flächenhaften Verlegen von Drainagematten.
Erstellung von einfachen Regeln für die Bemessung und Anordnung der Ab- und Notüberläufe.
Schutz der Abläufe vor Verstopfung durch Gitter etc. und entsprechende Wartung und Kontrolle der Abläufe.
Durch die Ausführung des Schutzestrichs mit einem entsprechenden Gefälle und die Anordnung einer Anzahl von Abläufen kann das Niederschlagswasser rasch abgeleitet werden, um Pfützenbildung bzw. stehendes Wasser auf der Bauzeitabdichtung zu vermeiden. Zum Schutz von Attiken und Mauerkronen ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung der verwendeten Materialien anzustreben. „Die IFB-Richtlinie soll sicherstellen, dass die Planung, Ausschreibung und Ausführung von Bauschutzabdichtungen nach einheitlichen Standards erfolgt. Mithilfe der Checklisten sollen die Arbeitsabläufe in der Planung, Ausführung und Kontrolle verbessert werden“, erklärt Hubner. Es wird Checklisten für die Planung von Bauschutzabdichtungen, die ÖBA/Bauleitung für die Abnahme von Bauschutzabdichtungen wie auch für die laufende Wartung bzw. Kontrolle von Bauschutzabdichtungen geben. Die IFB-Richtlinie Bauschutzabdichtung wird am IFB-Symposium am 4. Februar 2010 in Salzburg wie auch am 11. Februar 2010 in Wien vorgestellt – siehe auch www.ifb.co.at.

Bauschutzabdichtung
In der europäischen Baupraxis werden für Bauschutzabdichtungen auch folgende Begriffe verwendet:
• Bauprovisorium,
• Notabdichtung,
• Bauzeitabdichtung,
• Temporärabdichtung,
• Abdichtungen kurzfristigen Bestandes.

(Red.: Gisela Gary)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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