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Die Zukunft des Bauens

17.12.2010

Die Bau, Europas Leitmesse für die Bauwirtschaft, erweist sich als Plattform von Profis für Profis krisenresistent. Die Neuorganisation präzisiert noch stärker die wichtigsten Themen rund ums Thema Planen und Bauen.

Allein ein Blick auf die Entwicklungszahlen der Besucherzahlen der Bau in München, der „Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme“ beweist: Die Messe ist der europäische Treffpunkt der Bauwirtschaft wie auch des am Planen und Bauen interessierten Publikums. Alle zwei Jahre findet Europas größte Messe mit dem Schwerpunkt Bauen in München statt. 2005 besuchten rund 190.000 Messegäste die Bau, 2007 waren es knapp mehr als 200.000 und 2009 bereits deutlich mehr als 200.000 Besucher. Mit 300 Millionen Euro jährlichem Umsatz ist die Messe München einer der erfolgreichsten Veranstalter weltweit.

Mit Sicherheit ist einerseits der Zweijahresrhythmus ein Geheimnis des Erfolgs, anderseits aber auch die straffe Organisation des Teams der Messe München. Auch für die kommende Bau im Jänner ist die Messe auf mehr als 180.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche komplett belegt und neu aufgestellt. An die 1.900 Aussteller aus rund 40 Ländern werden erwartet. Vier Leitthemen sind die Basis für die Ausstellung wie auch das Rahmenprogramm. Alle Aussteller finden sich in einem der Leitthemen wieder. Der Schwerpunkt der Bau ist das Thema Nachhaltigkeit. In der Architektur sorgt die Frage des parametrisierten Bauens mit Sicherheit für Aufmerksamkeit. Architekturgrößen wie Sir Peter Cook oder Helene Jourda werden hier mit Vorträgen erwartet. Dazu werden auf der Bau 2011 erstmals auch geführte Touren jeweils mit dem Schwerpunkt Architektur oder Handwerk angeboten.

Die vier Merkmale der Bau – Qualität, Internationalität, Innovation und Lösungen – wie auch das umfassende Rahmenprogramm ermöglichen dem Besucher Einblicke in die Zukunft des Bauens. Reinhard Pfeiffer, Geschäftsführer der Messe München, betont die Treue der ausländischen Gäste, will jedoch noch mehr Besucher nach München locken: „Das Besondere der Bau ist der Überblick, den die Messe bietet – über die gesamte Palette der Bauwirtschaft, begonnen bei Systemen bis zu EDV-Lösungen. Wir sind weltweit die einzige Messe, die so viele Architekten als Besucher hat, rund 40.000 Planer und Bauingenieure besuchen die Bau.“

Podium für Innovationen
In den neugeschaffenen vier Leitthemen Nachhaltig bauen, Generationengerecht bauen, Forschung und Innovation, Aus- und Weiterbildung wird eine Klammer über alle Unternehmen geschaffen, die in der Bauwirtschaft tätig sind. Pfeiffer ist davon überzeugt, dass eine Fülle an zukunftsweisenden Innovation erst im Jänner gelüftet werden: „Es gibt beim Bauen noch gewaltiges Potenzial: Immerhin werden heute immer noch rund 40 Prozent der Gesamtenergie für Heizen und Kühlen verbraucht. Experten sind davon überzeugt, dass mehr als 80 Prozent davon eingespart werden könnten.“

Der Schwerpunkt Nachhaltigkeit, unter dem die Messe im Jänner steht, bezieht sich einerseits auf die Ökologie, anderseits aber auch darauf, dass Planungen in Zukunft Generationenkonzepte sein werden müssen. Das Ziel muss weltweit sein, dass Menschen in ihren Häusern und Wohnungen alt werden können. Damit streng verbunden sieht Pfeiffer die Notwendigkeit der kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung der Bauwirtschaft. Im Rahmenprogramm werden auch in puncto Karriere am Bau neue Wege aufgezeigt. Mirko Arend, Projektleiter der Bau 2011, erklärt das neue Konzept der Messe: „Die Leitthemen spiegeln sich in allen Foren und Sonderschauen wider. Dabei werden Systeme miteinander verglichen, aber auch leistungsfähige Bauelemente zur Realisierung von Energiegewinnhäusern vorgestellt.“

Planer, Bauherren und Investoren erhalten produktneutrale Informationen zu Technik und erfahren alles über zukünftige Anforderungen und notwendige Nachweise. Anhand der ausgestellten Bauelemente werden die Kriterien der Nachhaltigkeit erläutert. „Neben dem Klimaschutz ergeben sich zahlreiche weitere Herausforderungen für die Bauwirtschaft, etwa die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in stark wachsenden Ballungszentren oder der Erhalt einer wettbewerbsfähigen Verkehrsinfrastruktur“, erklärt dazu Dieter Schäfer, Vorsitzender des Ausstellerberates der Bau 2011.

Erstmals wird auf der Bau auch wirklich gebaut: Zum Thema generationengerechtes Bauen wird in der Halle A4 ein Haus errichtet, in dem alle neuesten technischen Lösungen eingebaut werden. „Damit wollen wir dem Besucher zeigen, wie generationengerechtes Bauen und Wohnen in der Praxis aussehen kann. Lebensräume so zu gestalten und auszustatten, dass Raum und Platz für alle da ist, dass sich jeder Mitbewohner rundum wohl fühlt, ob jung oder alt, groß oder klein, mit oder ohne körperliche Beeinträchtigung – das ist die Idee des generationengerechten Bauens“, erläutert Arend.

Das Haus wird rein solar betrieben und ein Plus-Energiehaus sein. Dazu passend gibt es Vorträge rund um das Thema Gebäude der Zukunft. Bei der Sonderschau „Intelligentes Bauen“ in der Halle C2 wird eine Innovationswerkstatt, die „Fraunhofer-Stadt“, errichtet. Zu sehen werden neuartige Produkte- und Systemlösungen aus der Bauforschung für Räume und Gebäude sein. „Im Zentrum steht hier der Trend, dass Bauen immer komplexer wird und in Zukunft noch stärker auf die Bedürfnisse der Nutzer geachtet werden wird“, so Arend. Völlig neu als Thema wurde textile Architektur im Freigelände aufgegriffen. Dabei steht textiles Bauen mit innovativen Gewebe- und Folienprodukten im Mittelpunkt. Hier finden Hersteller, Verarbeiter, Ingenieure und Gestalter die Möglichkeit, ihre hochwertigen Materialien zu präsentieren. Die neue Halle B0 ist dem Thema Sanierung und Renovieren gewidmet.

Arend bringt das Erfolgskonzept der weltgrößten Fachmesse für Planer wie auch Ausführende auf den Punkt: „Überzeugend ist die einmalige Präsenz von Marktführern und Marken, alle wichtigen Gewerke, Produkte und Materialien sind an einem Ort, im Zweijahresrhythmus sind Innovationen möglich.“

Leistungsfähigkeit beweisen
Alle zwei Jahre stellen sich auf der europäischen Leitmesse Bau Planer und Ausführende Architektur- und Ingenieurpreisen. Auch 2011 wird eine Reihe an prominenten Auszeichnungen verliehen. Erstmals soll es auch eine lange Nacht der Architektur geben. Am Freitag, 21. Jänner, können bei einem nächtlichen Ausflug nach München architektonische Highlights der Umgebung besucht werden. Zur Wahl stehen Touren zu Fuß, mit einem Shuttle-Bus, eine Highlight-Tour mit Architektur-Monumenten oder eine Tour in englischer Sprache. Selbstverständlich können die Touren miteinander kombiniert werden.

Erich Gluch, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München, ist beeindruckt, dass sich die Bau offensichtlich als krisenresistent erweist – trotz des massiv zurückgegangen Bauvolumens in Europa. Anderseits zeigt das rege Ausstellerinteresse die durchwegs positive Stimmung seitens der Hersteller: „Die europäische Bauwirtschaft konnte 2007 ein Bauvolumen von fast 1,500 Milliarden Euro realisieren. 2010 rechnen wir nur noch mit 1,260 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang um 15 Prozent in nur drei Jahren.“

Der massive Rückgang wird laut Gluch das Wohnungsvolumen auf rund 535 Milliarden Euro drücken, ein Niveau, das bereits 1994 erreicht wurde. Besonder hart sind die Wohnungsmärkte in Irland und Spanien betroffen – dort haben sich die Bauvolumina in drei Jahren mehr als halbiert. Für die Slowakei, die Schweiz und Deutschland rechnet Gluch in der Zeit zwischen 2007 und 201 mit bescheidenen Zuwächsen.
Für 2011 gibt sich Gluch jedoch optimistisch: „Hier sehe ich in allen Ländern der Eurozone grünes Licht, die Wohnungsnachfrage wird sich wieder beleben. In Dänemark, Schweden, Ungarn, der Slowakei und Polen – mit rund 30 Prozent – wird das Bauvolumen sogar zweistellig zulegen.“ Polen hatte während der Wirtschaftskrise keinen Rückgang am Bau insgesamt. Gluch ist davon überzeugt, dass es in Osteuropa noch zu gewaltigen Wachstumsraten kommen wird.

Für Österreich prognostiziert Gluch ein Minus von 5,4 Prozent in der Zeit von 2007 bis 2010. Ab Jänner sollte es aber auch hierzulande aufwärts gehen – Gluch rechnet mir einem sanften Plus von 0,8 Prozent. Eine entscheidende Rolle am Bau wird 2011 und 2012 jedoch seiner Ansicht nach Deutschland spielen. Vor allem im gewerblichen Hochbau sieht Gluch eine gewaltige Nachfrage. „Solange die Finanzierungen günstig sind, wird gebaut werden. Vor allem aber, und das ist einzigartig, alle deutschen Politiker forcieren, dass die Löhne steigen – aber auch die Mieten und Immobilienpreise“, so Gluch. Neben einem Plus im Neubau ist er aber ebenso europaweit von Wachstumsraten in der Sanierung überzeugt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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