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„Wir wollen in der ÖBV und am Baukongress alle Themen und Fragestellungen abdecken, welche die Qualität am Bau erhöhen.“ - Michael Pauser, ÖBV-Geschäftsführer

Digitales Bauen – digitaler Kongress

26.03.2018

Planen, Bauen und Betreiben 4.0 ist für viele in der Baubranche noch ein großes Fragezeichen. Lösungsvorschläge und vieles mehr gibt es am 19. und 20. April am Baukongress 2018 in Wien.

Die Baubranche muss digital werden. Wir dürfen in Österreich den BIM-Zug auf keinen Fall verpassen“, ist Michael Pauser, Geschäftsführer der Österreichischen Bautechnik­ Vereinigung (ÖBV) überzeugt. Um mit gutem Beispiel voranzu­gehen, widmet die ÖBV dem Thema Building Information Modeling­ (BIM) am Baukongress 2018 einen großen Programmblock, um Lösungsvorschläge und Leuchtturmprojekte vorzustellen. Aber nicht nur das, auch am Baukongress selbst wird das digitale Zeitalter eingeläutet, denn zum ersten Mal ist auch eine begleitende App geplant.

Was wird die Baukongress-App alles können, und welchen Mehrwert haben die Besucher davon?

Michael Pauser: Über die App hat man natürlich Zugang zu Programm, Kurzvorträgen und Ausstellungsplan. Aber so eine ­statische App reicht uns nicht. Es soll vor allem die Interaktion gefördert werden. Zum Beispiel wird es möglich sein, während einer Session per App Fragen zu stellen, die noch im Rahmen des Vortrags beantwortet werden. Ich könnte mir bei verschiedenen Themen auch Voting-Möglichkeiten vorstellen. Momentan sind wir noch in der Entwicklungs- bzw. Testphase. Anfang April soll die ­Baukongress-App aber in den App-Stores verfügbar sein.

Noch einmal zurück zum Thema BIM, an dem man in der Baubranche ja nicht mehr vorbeikommt. Die ÖBV plant mit Ende des Jahres eine BIM-Richtlinie herauszugeben. Wie soll diese konkret aussehen?

Pauser: Die ÖBV versteht sich als Plattform von Bauherren, ­Planern, Ausführenden und Baustoffproduzenten. Der gesamte BIM-Prozess funktioniert nur, wenn alle vier Sphären auf diesem Gebiet fit sind. Dafür ist es wichtig, das passende Werkzeug – sprich die Software – zu haben. Die Software muss alle Bedürfnisse der am Bau beteiligten Unternehmen berücksichtigen. Dafür müssen diese Anforderungen aber erst einmal erarbeitet und formuliert werden. Das ist ein zentraler Punkt bei der Richtlinie. Eine BIM-Richt­linie zu schaffen ist jedoch ungleich komplexer als zum Beispiel eine Richtlinie zur Weißen Wanne, da uns bis jetzt noch die praktischen Erfahrungen fehlen. Außerdem wollen wir keine Norm abkupfern.

Seit rund zwei Jahren gibt es nun die BIM-Arbeitskreise in der ÖBV. Öffnet sich die heimische Baubranche langsam ­diesem Thema, oder sind es immer dieselben Leute, die bei BIM-Veranstaltungen zusammenkommen?

Pauser: Es ist schon verstärktes Interesse zu spüren. Beim Arbeitskreis „BIM in der Praxis“ haben wir so viele Teilnehmer wie noch nie, wobei auch sehr viele nur Zuhörer sind oder Erfahrungen austauschen wollen. Was mich aber besonders freut, ist, dass wirklich Vertreter von Bauherren, Planern, Baufirmen und Baustoffproduzenten dabei sind, die bei BIM Vorreiter werden wollen.

Am Baukongress hat der Programmpunkt BIM das Thema „kooperative Projektabwicklung“ abgelöst. Ist zu Letzterem bereits alles gesagt?

Pauser: Im Gegenteil – kooperative Projektabwicklung ist nach wie vor ein sehr wichtiges Thema. Es hat sich in den vergangenen Jahren zwar schon einiges in der Branche bewegt, aber natürlich gehören Nachforderungen und Claimmanagement noch immer zum Baualltag. In Sachen Kooperation ist also noch Luft nach oben. Deshalb verleihen wir in unserer Opening Session heuer zum zweiten Mal den KOOP-Award in den Kategorien Hochbau und Infrastrukturbau. Außerdem stellen wir den KOOP-Quick-Check vor. Damit sollen die Vorteile der kooperativen Projektabwicklung messbar gemacht werden. Der Quick-Check ist eine ÖBV-Dienst­leistung. Bis zu 15 Fragen werden vierteljährlich an Verantwortliche von Bauherren, Planern, ÖBA und Ausführung gestellt. Anhand der Daten sollen ersichtlich werden, wo noch Verbesserungspotenzial besteht und welche Maßnahmen gesetzt werden können. Eine persönliche Vor-Ort-Einführung zu Projektbeginn sowie moderierte Unterstützung bei der Interpretation und Maßnahmenfestlegung gehören zum Package dazu.

BIM und kooperative Projektabwicklung sind nicht mehr die klassischen bautechnischen Themen. Werden diese trotzdem genauso gut angenommen wie zum Beispiel Seminare bezüglich der Weißen Wanne?

Pauser: Die Wurzeln der ÖBV, ehemals Betonverein, liegen in der Materialtechnik. Allerdings wollen wir alle Themen und Frage­stellungen abdecken, um qualitativ hochwertig zu bauen. Dazu gehören die Materialtechnik, die Baukonstruktion sowie eben auch betriebswirtschaftliche Themen. Wir setzen auch einen gezielten­ Schwerpunkt auf diese „neuen“ Themen. Das zeigte auch die Namensänderung vor rund vier Jahren. Diese inhaltliche Öffnung kam bei unseren Mitgliedern und auch bei den Besuchern des Baukongresses sehr gut an. Auch auf Materialebene sind wir nicht mehr ausschließlich auf Beton fixiert. In diesem Jahr haben wir sogar zwei Vorträge zum Thema Holzbau im Programm.

Apropos Programm: Was sind in diesem Jahr Ihre persön­lichen Vortragshighlights?

Pauser: Einzelne Programmpunkte hervorzuheben ist schwierig. Auch in diesem Jahr haben wir wieder vielfältige und abwechslungsreiche Vorträge, die Bauen auf höchstem Niveau zeigen. Besonders freut mich, dass wir nicht nur Projekte aus und rund um Wien dabei haben, sondern aus ganz Österreich. So wird unter anderem über die neue Donaubrücke in Linz referiert, ein Vortrag handelt von der Hochgebirgsbaustelle Eisgratbahn Stubaier Gletscher­ oder von der Tunnelkette Granitztal in Kärnten. In den Hochbau-Sessions geht es zum Beispiel über das Stadtentwicklungsprojekt Eurogate 2.0 und den Med-Campus Graz. Natürlich dürfen aber polarisierende Projekte wie der Lobautunnel nicht fehlen.

Neben dem Vortragsprogramm ist auch die dazugehörende Fachausstellung ein Fixpunkt und Branchentreff für viele Besucher. Sind für Spätentschlossene noch Plätze frei?

Pauser: Leider nicht, wir sind mit knapp 100 Ausstellern auch in diesem Jahr wieder ausgebucht. Erfreulicherweise zeigt sich, dass die Fachausstellung mittlerweile nicht nur von Baufirmen und Baustoffproduzenten als Präsentationsplattform genutzt wird, auch immer mehr Planer und Bauherren stellen aus. Das Verhältnis wird wie auch bei unseren Besuchern immer ausgewogener.

Wie viele Besucher erwarten Sie in diesem Jahr?

Pauser: Momentan liegen wir bei rund 1.400 Anmeldungen (Stand Anfang März, Anm.), erfahrungsgemäß werden es heuer wieder zirka 2.000 Fachbesuchern sein. Mit dieser Besucherz­ahl lässt sich noch optimal im persönlichen Gespräch netzwerken. 

Autor/in:
Sonja Meßner
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