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Anton Reithner und Gunther Sames, der neue Ardex-Österreich-Geschäftsführer.

„Egal, was wir getan haben ...“

19.09.2017

Herausforderungen, besondere Momente und das alltägliche Geschäft – der neue Ardex-Geschäftsführer Gunther Sames und sein Vorgänger Anton Reithner im Interview.

Wenn man den Entschluss fasst, ein Unternehmen nach 28 Jahren in leitender Position zu verlassen, ist dies nie ein einfacher Schritt. Trotzdem wirkt Anton Reithner, mittlerweile ehemaliger Geschäftsführer von Ardex Österreich, mehr als nur zufrieden mit seiner Entscheidung, in Pension zu gehen. Und auch sein Nachfolger Gunther Sames sprüht vor Tatendrang und Vorfreude.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Eine oftmals zitierte Binsenweisheit, aber trifft sie ein wenig auf Ihre Entscheidung zu, zu diesem Zeitpunkt die Geschäftsführung zu übergeben?
Anton Reithner: Das kann man sicherlich ein bisschen so sehen. Als ich angefangen habe, hatten wir 18 Mitarbeiter. Mittlerweile haben wir 170 und sind Marktführer in Österreich. Auch wachsen wir stetig weiter. Wir konnten im letzten Geschäftsjahr unsere ambitionierten Ziele erfüllen, und auch heuer sieht es dafür sehr gut aus. Gleichzeitig gewannen wir 2017 bereits zum zweiten Mal den „Great Place to Work“-Preis, was mich sehr stolz macht.

Fällt es dann nicht noch schwerer zu gehen?
Reithner: Ich habe zum Jahreswechsel 2015/16 die Entscheidung aufzuhören getroffen und stehe auch dazu. Wichtig war mir, dass ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Wenn man 28 Jahre lang sein Baby wachsen und sich entwickeln gesehen hat, ist es einem natürlich nicht egal, wie es weitergeht.

Nun wurde in Ihnen, Herr Sames, der Nachfolger gefunden, dem man dieses Baby anvertraut. Hemmt diese Verantwortung gleichermaßen, wie sie beflügeln kann?
Gunther Sames: Natürlich ist es eine herausfordernde Situation, in die ich mich da begeben habe, aber das spornt mich an. Als ich zum ersten Mal Anton Reithner getroffen habe, war ich überwältigt von den unzähligen Ideen, die im Gespräch aufkamen, sowie von seiner Freude am Beruf. Ich habe gemerkt, dass er glücklich ist, Ansätze für die nächsten 50 Jahre hätte, aber auch, dass sein Entschluss feststeht. Das war für mich der Punkt, an dem ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, die Position zu übernehmen. Ich bin nach Hause gefahren und musste gleich meinem Sohn davon erzählen, mit wie viel Freude hier gearbeitet wird.

Sie sind nun seit Anfang März bei Ardex. Das klingt nach einem fließenden Übergang, wie man ihn sich oftmals nur wünschen kann. Wie waren Ihre ersten Monate?
Sames: Das klingt prinzipiell nach einer sehr langen Zeit, aber in den ersten Wochen durfte ich zuerst einmal das gesamte Unternehmen, die verschiedenen Werke, Märkte und deren Gesetz­mäßigkeiten kennenlernen. Die letzten drei Monate verbrachten wir dann Seite an Seite im täglichen Geschäft, im Endeffekt eine kurze, aber sehr intensive und spannende Zeit.

Haben Sie schon Ansätze für notwendige Veränderungen gefunden?
Sames: Jeder neue Geschäftsführer, der in ein Unternehmen kommt und gleich alle roten Wände grün streichen lässt, nur um zu signalisieren, dass er jetzt da ist, ist in meinen Augen schlecht beraten. Dennoch gibt es einige Themen – Ausbau der Marktführerschaft in Österreich, weiße Lücken in Osteuropa schließen –, die ich auf meiner Agenda habe. Intern habe ich mit Anfang September fünf Projekte gestartet, die bis Jahresende laufen werden. Ich bin schon auf die Evaluierung im nächsten Jahr gespannt. Wichtig ist mir, die Mitarbeiterzufriedenheit weiterhin so hoch zu halten und gleichzeitig aber auch Entwicklungs- und Veränderungspotenzial zu bieten und unterstützen.

Haben Sie einen guten Rat für Ihren Nachfolger?
Reithner: Er soll mit der Professionalität weiterarbeiten, mit der er jetzt gestartet ist, und seine eigenen Ideen einbringen. Dann kann das Wachstum von Ardex nur weitergehen.
Sames: Und falls ich einmal doch einen unsicheren Tag habe, kann ich ja einfach zum Telefon greifen. Schließlich bleibt Herr Reithner dem Unternehmen für die nächste Zeit in beratender Funktion noch erhalten. Ein Umstand, den ich sehr schätze und der auch implizit Sicherheit bietet.

Was man so hört, könnte es teilweise spannend werden, wann und von wo auf der Welt Sie dann das Telefon abheben werden.
Reithner: Das stimmt. Ich habe in den nächsten drei Jahren vor, die Welt mit dem Motorrad zu bereisen. Nächstes Jahr geht es von Spanien über Portugal nach Marokko. Im Jahr darauf wollen wir den Pan American Highway angehen, von Feuerland bis nach Alaska, und falls wir danach noch Lust haben, uns wieder auf ein Motorrad zu setzen, steht noch die Seidenstraße an. Dazwischen wird es weniger international zugehen, schließlich habe ich ein Haus und einen Garten, wo es immer etwas zu tun gibt.

Rückblickend: Was war der schönste Moment in Ihrer Zeit als Geschäftsführer von Ardex?
Reithner: Als wir 1991 spontan beschlossen haben, Geld in der Höhe unseres Jahresumsatzes in ein neues Werk zu investieren. Es war ein besonderer Moment, spontan und herausfordernd. Auf einmal hatten wir eine neue Fabrik und ein eigenes Schulungszentrum. Du konntest die Aufbruchsstimmung spüren. Es hat uns wirklich Kraft gegeben, und man muss festhalten: Egal, was wir danach getan haben, es hat einfach funktioniert.

Nach 28 Jahren im medialen Rampenlicht: Gibt es etwas, das Sie schon immer einen Journalisten fragen wollten?
Reithner: Da gibt es schon etwas. Merkt man eigentlich im Gespräch, ob es einem Unternehmen wirklich gutgeht oder ob dies das Gegenüber nur behauptet?

Spannende Frage. Prinzipiell meine ich – aber das ist jetzt „off-the-record“ ... 

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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