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Ehrgeizig, zielstrebig, bescheiden

26.02.2010

Wie man als Baumeister innerhalb eines Konzerns Karriere macht, zeigt Günter Köber vor – und beweist, dass der absolute Baumensch in keiner Weise auf Individualität und seinen eigenen Weg verzichten muss.

Das Strabag-Haus jenseits der Donau ist Zeichen genug – aufstrebend, offen, mit viel Transparenz überragt der Bau scheinbar seine Umgebung. Der Konzern gilt branchen­intern als der österreichische Wegbereiter für Effizienz am Bau. Der Besuch bei Günter Köber, Baumeister und Direktionsleiter des Unternehmensbereich Hochbau Österreich Direktion AQ der Strabag, überrascht: Nach dem Eintritt herrscht nicht die erwartete, betriebsame Hektik – nichts davon, die Atmosphäre ist ent­spannt, angenehm. Freundlichkeit, Ruhe und klare Strukturen sind die ersten Assoziationen. „Das ist nicht immer so, zurzeit ist’s ein bissel ruhiger – wegen des vielen Schnees ist nicht so viel zu tun“, lacht Köbers Assistentin.

Köbers Büro ist kaum größer als die Büros seiner rund 100 angestellten Mitarbeiter. Gemeinsam mit Heinz Sumper, der für die kaufmännischen Belange der Abteilung verantwortlich ist, leitet Köber die Direktion AQ Hochbau Österreich. Dazu gehören neben dem Stadtbaumeister Böhm u. a. auch das Fertigteilunternehmen Mischek.

Herausforderungen suchen
Die klaren Strukturen im Unternehmen haben vor allem einen Vorteil: Arbeitsbereiche sind eindeutig getrennt, jeder hat sein Aufgabengebiet. Als Einzelkind wurde Köber recht bemuttert, erzählt er schmunzelnd. Dann kamen sogenannte Kampfjahre – der Vater wollte, dass Klein Günter ein Instrument lernt. „Das interessierte mich überhaupt nicht, ich versuchte mich mit Blockflöte, später mit Geige. Meine einzige Chance, dem Musizieren zu entkommen, sah ich darin, auf die HTL zu gehen.“ Tiefbau sollte es sein – „und trotz vieler Zeiten im Kaffeehaus“, schloss er erfolgreich ab. Gleich nach der Matura startete Köber bei dem Bauunternehmen Brandstetter, eine Tochter der späteren Strabag. Vom Vater, der als Arbeiter wiederum Kontakt über einen Polier zu dem kleinen Bauunternehmen hatte, erhielt er den Tipp. Zunächst sollte der junge Köber – als Skorpion im Sternzeichen wusste er längst, was er will – als Techniker auf die Baustelle. Das interessierte ihn aber nicht, dank seines Ehrgeizes schaffte er es in die Arbeitsvorbereitung, in die Kalkulation und letztlich in die Statik: „Ich durfte dann in rund sieben Jahren das nachlernen, was ich in der Schule versäumt habe.“ Doch der „Innendienst“ war ihm zu langweilig – 1986 schaffte er auf Anhieb die Baumeisterprüfung, und ab dann ging’s aufwärts.

Als das Unternehmen Stadtbaumeister Böhm übernommen wurde, war Köber zunächst frustriert: „Plötzlich leitete ich ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern und einem Bruchteil von dem Umsatz, den ich bei Brandstetter als Bauleiter zu verantworten hatte.“ Doch ganz typisch Skorpion, konzentrierte sich Köber auf seine neue Aufgabe und investierte seine ganze Kraft in das neu dazugekommene, auf Sanierung spezialisierte Unternehmen. Das Besondere dabei: „Ich leitete die Firma Böhm nach eigenem Ermessen – ohne tatsächlicher Eigentümerverantwortung. So begann ich sukzessive Mitarbeiter weiter aufzubauen. Inzwischen haben wir unter der Marke Böhm knapp 200 Mitarbeiter, und das Geschäft läuft hervorragend.“

Nachdem die Bauholding die Strabag 1997 übernommen hat, waren zunächst alle schockiert – vor allem hat Köber die Neuigkeit erst aus dem Radio erfahren. „Haselsteiner war in der Branche gefürchtet, wir waren sehr verunsichert, was jetzt wohl alles passieren wird“, so Köber. Doch umsonst gefürchtet. Ganz im Gegenteil, die Vorteile überwogen, blitzschnell erkannte Köber die ungeahnten Möglichkeiten und Chancen, welche durch die neue Art, ein Unternehmen zu führen, plötzlich vorhanden waren. „Das war für mich der Start meiner Karriere in der Strabag. Ich war dann fünf Jahre als Bereichsleiter der Firma Böhm tätig, 2002 avancierte ich zum Direktionsleiter mit zusätzlichen neuen Aufträgen.“ Inzwischen hat sich sein Aufgabengebiet gewaltig vergrößert – Köber wurde zum Baumanager.

Köber hatte neben seinem Ehrgeiz auch Glück, wie er bescheiden einräumt – mit seinen Vorgesetzten wie auch mit den Möglichkeiten aufzusteigen. Köber betont die Vorteile des Unternehmens im Konzern: „Wenn bei Böhm keine Arbeit ist, gibt es Aufgaben bei der Strabag. Diese hohe Personalflexibilität ist großartig.“ Winterarbeitslosigkeit am Bau tritt damit kaum ein. Die Ausrichtung des Unternehmens Böhm behielt Köber bei: Erhaltungsarbeiten im klassischen Sinne und Umbauten. „Als Böhm arbeiten wir mit der Struktur eines Baumeisters, also eines Kleinunternehmers – aber mit dem Know-how eines Großkonzerns. Das ­stärkt und macht uns erfolgreich. Die Organisation, die sich seit Jahrzehnten bei der Strabag bewährt hat, die Kostenstruktur und Mitarbeiterschulungen betreffend, wurde auch über Böhm gestülpt.“

Baumeisterprüfung als Meilenstein
Der Techniker Köber bezeichnet sich selbst nicht als Spitzenmanager, das ist für ihn das oberste Management. Aber als Manager sieht er sich. Für seine Karriere entscheidend, so ist er überzeugt, war die Baumeisterprüfung. Köber kniete sich jedoch in weitere „Alltäglichkeiten“ der Bauwirtschaft wie zum Beispiel in das Vergaberecht hinein. „Trotz konzerninterner Rechtsexperten traue ich mir mittlerweile zu, mit einem Juristen auf einer Ebene zu kommunizieren.“

Köber behauptet sich in einer Nische – die strengen Hierarchien im Konzern sind dabei hilfreich: „Jeder ist ein Profitcenter. Unsere Motivation ist, Geld nachhaltig zu verdienen. Das Vieraugenprinzip ist Unternehmensphilosophie. Ich bin der Techniker und somit für die Planung, die wir gemeinsam mit unseren Bereichsleitern erstellen, wie auch für die Kundenbetreuung verantwortlich.“ Die Umsatzgröße von Köbers Abteilung liegt bei rund 90 Millionen Euro. Köbers neuester Schachzug ist, das Haustechnikunternehmen Siegl mit rund 90 Mitarbeitern zu übernehmen, Ziel ist, den Marktanteil in Wien auf zehn Prozent zu erhöhen. Entscheidungen wie der Kauf eines Unternehmens bereiteten Köber und Sumper vor – der Vorstand segnet sein geplantes Investment ab. Zurückhaltend verweist Köber auf seine Zukunftsvision: „Ich will, dass alle Bereiche positiv sind und die Haustechnik sich auf dem Wiener Markt etabliert.“ Weiter hinauf will er nicht – Köber ist zufrieden auf seinem Platz –, und das seit 33 Jahren beim gleichen Unternehmen.

Workaholic ist Köber laut eigenen Angaben nicht, dazu sei er inzwischen viel zu perfekt organisiert. Vor allem gebe es in seinem Leben etwas, das ihm weit wichtiger ist als der Job: seine Familie. Nach der Hochzeit 1985, seine Frau war damals Bilanzbuchhalterin, kamen bald die drei Kinder. Die Entscheidung, dass seine Frau bei den Kindern blieb, fiel gemeinsam. Die Kinder sind heute im Alter von 24, 22 und 20. Nachdem sie aus dem Gröbsten heraußen waren, konnte Köbers Frau wieder arbeiten. Neben gemeinsamen Aktivitäten wie Snowboarden oder Berggehen, Laufen und Wandern ist Köber einfach gern mit Frau und Kindern zusammen.

Stellenwert Familie
Netzwerken ist für Köber nur bedingt ein Thema: „Wenn es zum Job dazugehört, denn das ist auch meine Aufgabe als Führungskraft und somit selbstverständlich. Aber ich bin keiner, der jeden Freitag auf dem Golfplatz zum Smalltalk herumsteht. Das lässt meine Frau auch gar nicht zu“, schmunzelt Köber. Nebenbei ist Köber auch in seiner evangelischen Pfarrgemeinde als Kurator engagiert.

Die Kinder durften ihre Berufe jeweils frei wählen, wenn auch, lacht Köber, „ich weiß, dass ich ein sehr zielstrebiger, dominanter und ehrgeiziger Mensch bin. Dafür aber berechenbar!“ Ausdauernd, geduldig einerseits, doch wenn es dem Skorpion reicht, dann explodiert er. Delegieren musste er als Manager erst lernen, denn grundsätzlich meinte Köber schon, alles selbst machen zu müssen. „Aber vielleicht bin ich ein bisschen autoritär und überehrgeizig.“ Wenn es die Zeit erlaubt, engagiert sich Köber auch in seiner Standesvertretung. „Allein aufgrund unseres Unternehmens Stadtbaumeister Böhm muss ich wissen, was läuft, was standespolitisch geplant ist.“

Aufs Wesentliche konzentrieren
Die Zukunft des Baugewerbes sieht Köber optimistisch: „Das Gewerbe wird allerdings stärker personenbezogen geführt werden müssen. Der Unternehmer, der in der Nische arbeitet, wird immer Erfolg haben. Auch wird das Gewerbe Partnerschaften eingehen müssen, weil die Auftraggeber immer mehr Gesamtkonzepte verlangen. Es gibt in Wien z. B. kaum jemanden, der in hoher Qualität als Generalunternehmer einen Dachboden ausbauen kann. Die nichtseriösen Firmen versuchen sich zwar in diesem Segment, scheitern aber meist an den Qualitätsanforderungen.“
Bezüglich Schattenfirmen freut sich Köber über das Engagement der Standesvertretung. Subunternehmer hat Köber immer seltener, weil er den Anspruch hat, alle Leistungen aus einer Hand bieten zu können. Zudem gibt Köber das weiter, was er selbst so positiv erfahren hat – Fortbildung, Mut und Kraft zum Weiterlernen.

Nicht zuletzt ist das auch Konzernlinie: „Wir sind drei bis fünf Tage im Jahre zur Weiterbildung verpflichtet. Das zeichnet die Strabag aus, damit sind wir in puncto Mitarbeiterführung mit Sicherheit Nummer eins.“ Köber ist überzeugt, dass man Mitarbeiter nicht nur mit höheren Gehältern motiviert und entwickelt, sondern mit Softskills. Durch den Konzern lernte Köber die Arbeit aufzuteilen, sich zu organisieren: „Menschen, die mir erzählen, dass sie 60 bis 80 Stunden in der Woche arbeiten, beeindrucken mich nicht. Die vergessen nämlich meistens, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.“ Doch auch Köber lernt weiterhin – besucht Seminare, zurzeit zum Stichwort meditatives Führen.

Köber hat Spaß an seinem Job – doch für die Zeit, in der er beruflich nicht mehr gebraucht wird, hat er bereits einen Plan: „Da will ich mich dann hauptberuflich im sozialen Bereich engagieren.“

Red.: Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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