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Einfaches System mit Effekt

15.10.2010

Am 1. Oktober wurde in Eferding das erste Sonnenhaus in Österreich eröffnet. Plusenergie und Nullemission auf 500 Quadratmetern sollen eine neue Form nachhaltiger und energieeffizienter Bauweise aufzeigen. 

Das Vital-Sonnenhaus von Leitl wurde am 1. Oktober feierlich und gemeinsam mit hochkarätigen Gästen eröffnet. Das Plusenergie- und Nullemissionshaus ist das erste vollständig solar beheizte Gebäude in Österreich und soll künftig als Veranstaltungsgebäude von der Firma Leitl genutzt werden. Ausgestattet ist das energieeffizente Gebäude mit 108 Quadratmeter Sonnenkollektoren und einem 27-Kubikmeter-Wasserspeicher für die ganzjährige Beheizung. „Der jährliche Solarertrag ist mit etwa 30.000 Kilowattstunden fast doppelt so hoch wie der gesamte Energieverbrauch des Vital-Sonnenhauses: 15.000 Kilowattstunden werden für Heizung und Warmwasser im Sonnenhaus verbraucht. Um auch die gewonnene Überschussenergie nutzen zu können, hat sich ein Wärmeverbund mit einem bereits bestehenden Nachbargebäude, an das vor allem in der Übergangszeit 8.500 Kilowattstunden für Heizung und Warmwasser geliefert werden können, angeboten; umgekehrt ist es möglich, vom Heizkessel des Nachbargebäudes im Winter etwa 3.500 Kilowattstunden zu beziehen“, erklärt Martin Leitl, Geschäftsführer der Leitl-Werke das produktive System.

International bewährt
Das Sonnenhaus ist in Österreich zwar neu, EU-weit gibt es dieses System allerdings schon länger. In Deutschland wurden schon einige 100, in der Schweiz einige dutzend Sonnenhäuser errichtet. Auch eine hundertprozentige Solarversorgung wurde in einigen Wohn- und Nichtwohngebäuden realisiert. In Österreich befinden sich derzeit zwei Sonnenhäuser kurz vor der Fertigstellung und einige weitere in Planung. „Wir haben eng mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet und von ihren Erfahrungen profitiert“, erzählt Leitl. Mit ein Grund, warum das Sonnenhaus in Österreich noch keinen Einzug gehalten hat, ist die Tatsache, dass es dafür keine Förderungen gibt. „Die Energiekennzahlen entsprechen nicht dem Passiv- bzw. Niedrigstenergiehaus. Dadurch fällt das Sonnenhaus beim Energieausweis und in weiterer Folge bei sämtlichen Förderungen durch, obwohl es in Summe bessere Werte erzielt“, so Leitl. Daher fordert Leitl auch den Primärenergiebedarf statt den Heizwärmebedarf bei der Wohnbauförderung und dem Energieausweis zu berücksichtigen.

„In den österreichischen Normen und Gesetzen wird die Energieeffizienz immer noch am Heizwärmebedarf gemessen. Er bezieht sich auf die Wärmedämmung, nicht aber auf den Gesamtenergieverbrauch und die Art der verwendeten Energie. Es wird deshalb dringend die Umstellung der Kennwerte, die bezüglich Energieeffizienz in der Bauordnung und auch in der Wohnbauförderung verankert sind, vom Heizwärmebedarf auf den Primärenergiebedarf gefordert. Denn das Vital-Sonnehaus würde trotz 100 Prozent Wärmegewinn aus der Sonne als Wohnhaus ohne kontrollierte Wohnraumlüftung keine Wohnbauförderung erhalten“, erklärt Leitl.
Vor allem die Tatsache, dass es sich bei dem Sonnenhaus um ein massiv gebautes Gebäude in bewährter Bauweise mit natürlichen Baustoffen handelt, sollte im Sinne der Nachhaltigkeit und der Ökologie besonders berücksichtigt werden. „Der Massivbau hat sich seit vielen Jahre bewährt, unsere Baumeister haben das Know-how, und diese Tatsachen sollte man nutzen. Die natürlichen Baustoffe, das einfache System und der Verzicht auf komplizierte Technik überzeugen“, so Leitl.

Wohnqualität und Behaglichkeit
Besonderes Augenmerk wird beim Sonnenhauskonzept auf die Verwendung erneuerbarer Energien für das Heizen und das Erwärmen von Brauchwasser gelegt. „Da die Sonnenenergie kostenlos zur Verfügung steht, verursacht ein Sonnenhaus sehr geringe Heizkosten und spart viel Primärenergie wie Heizöl oder Gas“, erläutert Andreas Gibus, Geschäftsführer der Leitl-Werke. Gibus verweist zudem besonders auf das Wohnbehagen in einem Sonnenhaus: „Durch die massive Ziegelbauweise ergibt sich auf natürlich Art ein angenehmes und behagliches Raumklima: warm im Winter und kühl im Sommer – ganz ohne energieintensive künstliche Klimatisierung. Ein Kamin mit offenem Feuer oder ein Kachelofen trägt zusätzlich zum Wohlbefinden bei. Die Regulierung der jeweiligen Raumtemperatur findet über Frischluftzufuhr durch Öffnen der Fenster statt“, erklärt Gibus. Zudem entspricht das Sonnenhaus schon heute den Anforderungen der Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie, in der gefordert wird, dass bis Ende 2020 alle neu gebauten Gebäude beinahe emissionsfrei sein sollen.

Technik und Know-how
Der Grund für den Bau des Sonnenhauses erklären die Geschäftsführer damit, dass sie aufzeigen wollen, dass das System tatsächlich funktioniert – auch in unseren Breitengraden. Durch die Nutzung als Veranstaltungsort für Schulungen und Kundenveranstaltungen soll den Geschäftspartnern das Konzept nahegebracht werden. „Wir verfügen in Österreich bereits seit langem über die notwendige Technik und das Know-how, Sonnenhäuser zu bauen, es wird nur noch nicht genutzt. Mit dem Bau unseres Vital-Sonnenhauses wollten wir den ersten Schritt setzen und zeigen, dass es geht“, erklärt Martin Leitl. Da das Vital-Sonnenhaus in Eferding mit 500 Quadratmetern Platz für verschiedenste Veranstaltungen und Events bietet, wird es künftig intern wie extern genutzt und nicht zuletzt das angenehme Raumklima und die Qualität ausgenutzt werden, wie Andreas Gibus betont.

Hochkarätige Gäste
Bei der Eröffnung gratulierten auch die lokalen und überregionalen Größen der österreichischen Wirtschaft und der Bauwirtschaft zu dem gelungenen Projekt. Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau Oberösterreich, Rudolf Trauner, Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, sowie Landeshauptmann Josef Pühringer nutzten unter anderen zahlreichen Gästen die Gelegenheit, das Sonnenhaus zu besichtigen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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