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Einfamilienhaus: Der Lebenstraum wird gemeinsam verwirklicht

28.09.2011

- Erstmals Studie über Entscheidungsprozesse beim Kauf des eigenen Hauses- Paarentscheidung dominiert zu Beginn, klassische Rollenverteilung bei Details- Praktiker hätten stärker auf Frauen als Entscheidungsträger gesetzt

Die Grundsatz-Entscheidungen werden beim Hauskauf überwiegend gemeinsam getroffen, doch im Detail schlagen die traditionellen Geschlechterrollen durch. Eine neue Studie der Karmasin Motivforschung im Auftrag der Musterhauspark GmbH beleuchtet erstmals den Entscheidungsprozess bei der wohl teuersten Lebensinvestition, dem Einfamilienhaus. Deutliches Ergebnis: Der Hauskauf ist eine Paarentscheidung. Die Hauptergebnisse der Studie stellen Geschäftsführerin Dr. Sophie Karmasin und Auftraggeber Jakob Reiter von der Musterhauspark GmbH heute, am 28. September 2011, bei einer Pressekonferenz im Musterhauspark Eugendorf bei Salzburg vor.

 

Das eigene Haus ist für knapp 40 Prozent der Österreicher Realität: Laut Statistik Austria lebten 2010 3,2 Millionen Personen in einem Einfamilienhaus. Den Traum vom Eigenheim träumen sogar rund 80 Prozent, wenn sie nach ihrer bevorzugten Wohnform gefragt werden. Die Musterhauspark GmbH, Österreichs größte überregionale Handelsplattform für Einfamilienhäuser, wollte deshalb wissen, wie der Prozess abläuft, an dessen Ende ein Paar oder eine Familie das eigene Haus bezieht. Immerhin geht es um eine Investition ab 220.000 Euro aufwärts. Geschäftsführer Jakob Reiter: „Der Trend zum Eigenheim ist ungebrochen. Das zeigen die Besucherzahlen in unseren drei Musterhausparks. Auch in Krisenzeiten blieben die Zahlen mit jährlich 250.000 Interessierten ziemlich stabil.“ Für die Studie „Wer entscheidet was beim Hausbau?“ befragte deshalb die Karmasin Motivforschung rund 300 Personen, die gemeinsam mit ihrem Partner in den letzten zwei Jahren ein Haus gebaut oder gekauft haben bzw. beabsichtigen, in nächster Zeit ein Haus zu bauen/kaufen.

 

Am Anfang steht die Paaridylle: 59 Prozent entscheiden gemeinsam, welches Haus gekauft/gebaut wird

Das Ergebnis ist für Dr. Sophie Karmasin sehr deutlich ausgefallen: Das Haus als Lebensentscheidung steht – anders als etwa der Autokauf oder die Kaufentscheidungen bei IT-Geräten – auf einer gemeinsamen Basis. 59 Prozent der Befragten gaben an, dass die Entscheidung gemeinsam getroffen werde. „Eine so grundsätzliche Lebensentscheidung, welches Haus man kauft, kann nur gemeinsam getroffen werden. Kein Partner möchte hier die Verantwortung alleine tragen“, erklärt Dr. Karmasin. „Zudem finanzieren heutzutage zumeist beide Partner den Hausbau, daher müssen auch beide die Entscheidung mittragen können.“ Gemeinsam wird deshalb auch die Besichtigung von Häusern vorgenommen. 68 Prozent unternehmen diesen Schritt zusammen. Bei der Größe des Hauses, Wohnfläche, Grundriss und Raumaufteilung zeigen sich ebenso keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, die Paarentscheidung steht im Vordergrund.  51 Prozent der Befragten gaben auch an, dass die Idee für den Hauskauf von beiden gemeinsam ausgehe. Ist der Entschluss erst einmal gefasst, wird das Projekt grundsätzlich von beiden Partnern vorangetrieben. Interessantes Detail: der jeweils befragte Teil sieht sich selbst und nicht den Partner als die treibende Kraft an.

 

Im Detail werden geschlechtsspezifische Kompetenzen sichtbar 
Wenn man den Prozess Hauskauf allerdings detaillierter abfragt, lassen sich Unterschiede erkennen, die durchaus Konfliktpotenzial enthalten. „In einzelnen Wohn- und Ausstattungsbereichen findet der Paarlauf sein Ende, die Partner verlangen nach klaren Kompetenzen und fordern Zuständigkeitsbereiche für sich“, erklärt Dr. Karmasin. Nach den Grundsatzentscheidungen teilen sich die Partner die notwendigen Aufgaben, wobei klassische Rollenmuster nicht zu übersehen sind. „Für die Hard Facts sind die Männer zuständig, um die Soft Facts kümmern sich die Frauen,“ resümiert Dr. Karmasin. So werden finanzielle Belange wie die Angebotseinholung und der Kontakt mit Verkäufern eher von Männern als von Frauen übernommen, wenn dies nicht gemeinsam gemacht wird.

Männer sind zu 37 Prozent, aber Frauen nur zu 19 Prozent eigenständig für die Angebotseinholung verantwortlich. Den Kontakt zu Verkäufern/Maklern übernehmen zu 34 Prozent die männlichen Partner und zu 25 Prozent die Partnerinnen. Wenn die Vertragsabwicklung nicht gemeinsam durchgeführt wird, sind auch hier die Männer mit 28 Prozent eher verantwortlich als die Frauen (11 Prozent).

 

Über die Technik entscheidet der Mann, über die Küche die Frau

Klassische Rollenmuster werden sichtbar, wenn man nachfragt, welche Aspekte am Einfamilienhaus Männer oder Frauen wichtiger sind. „Je detaillierter die Entscheidungen werden, desto mehr zeigen sich Stereotypen. Je näher die Themenbereiche an den Alltag heranrücken, desto eher wird wie im täglichen Leben entschieden“, fasst Dr. Karmasin zusammen.

 

So sind die Themen Heizung, Energietechnik und Haustechnik überwiegend Männern wichtig: 46 Prozent der Männer stehen nur 8 Prozent der Frauen gegenüber. Genau umgekehrt ist das Verhältnis, wenn es um die Küche geht: 41 Prozent der Frauen geben an, dass ihnen dieser Bereich in Bezug auf das neue Haus wichtig sei. Nur 8 Prozent der Männer messen ihm hingegen große Bedeutung bei. Auch die Einrichtung und Möblierung ist eher Aufgabe der Frauen. Hier wird zwar zu 45 Prozent gemeinsam entschieden, wird die Entscheidung aber nur von einer Person getroffen, sind dies zu 43 Prozent Frauen und nur zu 10 Prozent Männer.

 

Bei anderen Aspekten des Hausbaus ergeben sich ebenso geschlechtsspezifische Unterschiede. So haben Außenanlagen wie Einfahrt, Garage und Terrasse bei Männern (27 Prozent) einen höheren Stellenwert als bei Frauen (8 Prozent). Auch der Arbeitsraum spielt für Männer eine größere Rolle. Die Themen Stauraum, offenes Wohnkonzept, Bäder/Toilette, Küche, Hauswirtschaftsraum und Kinderzimmer sind hingegen den weiblichen Befragten eher wichtiger als den Männern. „Hier erfolgt eine klare Aufteilung nach Kompetenzen, die man sich aus dem Alltag zuschreibt“, sagt Dr. Karmasin. „Alles, was mit Wohnatmosphäre und Behaglichkeit in Verbindung steht, wird immer noch eher den Frauen zugewiesen. Um die Lebensbereiche Auto und Arbeitsraum kümmern sich die Männer.“

 

Praktiker hätten stärker auf  die Frauen gesetzt

Dass der Hausbau eindeutig eine Paarentscheidung ist, hat selbst den Profi überrascht. Jakob Reiter, Betreiber von drei Musterhausparks, in denen jährlich etwa 1.100 Einfamilienhäuser verkauft werden, hätte es nicht mit dieser Eindeutigkeit erwartet. „Eigentlich machen wir die Erfahrung, dass Frauen bei den Entscheidungen dominieren. Vielleicht nicht offensiv, aber doch tonangebend.“ Auch bei den Fertighausberatern der Hersteller in den Musterhausparks herrsche diese Meinung vor. An der Ausrichtung der Musterhausparks werde dieses Ergebnis aber nichts ändern. „Unser Angebot richtet sich schon immer an alle Bauinteressierten, egal ob Mann oder Frau“, so Reiter abschließend.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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