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Eiszeit am Bau

28.01.2011

Die Witterung erschwert das Arbeiten auf dem Bau, Aufträge werden auf den Frühling verschoben. Der Winter ist am Bau eine harte Zeit, Versuche, Personal dennoch weiterzubeschäftigen, fruchten jedoch bereits.

Laut AMS Österreich gab es allein diesen Jänner 58.594 mehr arbeitslose Bauarbeiter als im August. Auch wenn Wirtschaftsexperten für 2010/2011 einen leicht steigenden Produktionswert in der Baubranche prognostizieren, reicht das nicht aus, einen sich in den Wintermonaten exorbitant verschlechternden Beschäftigungs­trend zu stoppen. Vor allem die Maurer (14.973 Arbeitslose im Jänner 2010) und die Bauhilfsarbeiter (12.811 Arbeitslose im Jänner 2010) sind stark betroffen. Auch die Prognosen für 2011 sehen nicht gerade rosig aus: Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet mit einem Anstieg der arbeitslosen Bauhilfsarbeiter um rund 200 Personen im Jahresdurchschnitt. Zur Verringerung der saisonalen Arbeitslosigkeit unterstützt das AMS die Baubranche landesweit mit einem dreisemestrigen Fördermodell zur Höherqualifizierung vom Facharbeiter zum Polier. Werden die Mitarbeiter während der Dauer des Schulbesuchs von ihren Firmen weiterbeschäftigt, so fördert das AMS in diesem Zeitraum zwei Drittel der laut Kollektivvertrag zustehenden Lohnkosten. „Die Teilnahme an den Fortbildungsmaßnahmen kann die saisonale Arbeitslosigkeit sinnvoll überbrücken“, rät Johannes Kopf, Vorstand des AMS.

Andere Maßnahmen gegen die Winterarbeitslosigkeit differieren von Bundesland zu Bundesland. So wurde 2010 im Burgenland von Landeshauptmann Niessl ein 143-Millionen-Euro-Kraftpaket zur Wohnbauförderung und Sanierungsoffensive geschnürt. Tirol wiederum hat sich 2009 dem Modell der „Winterbauoffensive“ nach steirischem Vorbild angeschlossen.

Winterbauoffensive wirkt
In den auftragsschwachen Wintermonaten sorgt das von den Sozialpartnern und dem Land Steiermark entworfene Modell der Winterbauoffensive für die Belebung der Bauwirtschaft. „Die Erwartungen der Branche an die nähere Zukunft sind wegen sinkender Auftragseingänge zurückhaltend. Ein konjunktureller Impuls ist daher dringend notwendig“, erläutert Christian Buchmann, Wirtschaftslandesrat des Landes Steiermark. Gefördert werden Baumaßnahmen für gewerbliche und touristische Projekte sowie Gemeinden, die bauliche Maßnahmen an Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen durchführen. Das Konjunkturforum Bau ist für die Abwicklung und Erarbeitung der Richtlinien zuständig. Seit Bestehen der Winterbauoffensive wurde in 557 Bauprojekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 360 Millionen Euro investiert. Damit konnten Arbeitsplätze für mehr als 9.000 Personen gesichert werden. Pro Jahr werden rund 500 Bauarbeiter in den Wintermonaten beschäftigt, 100 neue Arbeitsplätze und 20 neue Lehrstellen geschaffen. „Allein im vergangenen Jahr wurden mit einer Fördersumme von einer Million Euro Investitionen in der Höhe von zehn Millionen Euro ausgelöst“, rechnet Buchmann vor. Auch für den Winter 2010/2011 wurde wieder die Fördersumme von einer Millionen Euro zugesagt. 57 Projekte wurden an das Konjunkturforum Bau weitergeleitet und nach den Kriterien der Betriebserweiterung, Sanierung und Schaffung von neuen Arbeits- und Lehrplätzen gereiht. Zwischen 20 bis 25 Projekte lässt die Landesregierung zur Förderung zu.
Projektanfragen und Förderungsrichtlinien beim Ingenieurbüro Heidinger & Schwarzl in Leibnitz: www.heidinger-schwarzl.at.

Qualifizierungsoffensive nützt
Seit November 2002 bieten die Bundesländer Steiermark und Kärnten spezielle Maßnahmen für beschäftigungslose Personen in der Baubranche an. Die „Qualifizierungsoffensive Bau“ ist zu einem wichtigen Instrument der Höherqualifizierung von Mitarbeitern in der Bauwirtschaft geworden. Das Modell der Qualifizierungsoffensive wird vom Wirtschaftsressort des Landes Steiermark als ergänzende Maßnahme zur Winterbauoffensive unterstützt. Das Projekt zielt darauf ab, die saisonale Arbeitslosigkeit mit gezielten Kursen zu überbrücken, um die künftigen Arbeitsmarktchancen durch Höherqualifikation deutlich zu steigern. „Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wichtig für den unternehmerischen Erfolg, durch die Qualifizierungsoffensive können Arbeitsplätze gesichert werden“, so Buchmann.

Aktives Baugewerbe
Das Land Steiermark stellt dafür einen einheitlichen Fördersatz von 50 Prozent der Kurskosten zur Verfügung. Die jährliche Dotierung beträgt für das Bauhaupt- und das Baunebengewerbe 250.000 Euro. Seit Bestehen konnten bereits 3.125 Dienstnehmer (davon 148 Frauen) aus 975 Betrieben mit einer Fördersumme von 1,14 Millionen Euro höherqualifiziert werden. Die Durchführung der Kurse übernehmen die Institutionen BauAkademie Steiermark und die Bildungszentren des bfi Steiermark mit einem eigenen Kursprogramm. Das umfangreiche Angebot reicht von der Ausbildung zum Bauvorarbeiter, Baukoordinator oder CAD-Designer bis über energieeffizientes Bauen und dem Europäischen Computer-Führerschein.
Kursmaßnahmen: www.stmk.bauakademie.at

Für die Kärntner Qualifizierungsoffensive zeichnet das Arbeitsmarktservice Kärnten (AMS), die Landesinnung Bau der Wirtschaftskammer Kärnten sowie die Gewerkschaft Bau-Holz Kärnten verantwortlich. Insgesamt sind 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Das AMS beauftragt 30 Kurse für 560 Personen, sie werden von bfi, Wifi und BauAkademie durchgeführt. Die Kursmaßnahmen reichen von CAD-Schulungen über Turmdrehkranführer- bis hin zu Polierausbildungen. Maximal zwei Drittel der Kursgebühren werden zurückerstattet.
Kursanmeldungen/Kursanfragen: Lehrbauhof – BauAkademie Klagenfurt, www.bauakademie.at.


Veränderungen am Arbeitsmarkt
Laut AMS wird die Beschäftigung in Österreich 2011 und 2012 weiter wachsen. Für heuer wird ein Plus um 26.400 auf 3.315.800 Beschäftigte und für 2011 sogar ein Zuwachs um 29.200 auf 3.345.000 erwartet.
Mit der Öffnung des Arbeitsmarkts per 1. Mai wird es laut AMS zu einem Arbeitskräftestau kommen. Es werden zwischen 10.000 bis 20.000 Arbeitskräfte nach Österreich kommen. Betroffen werden die Bundesländer Niederösterreich, Burgenland und die Steiermark sein. Die meisten Arbeitskräfte erwartet werden aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien. Das AMS geht allerdings davon aus, dass es sich vermehrt um Pendler handeln wird und weniger um tatsächlichen Zuzug.

(Redaktion: Undine Renner)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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