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Energie-Contracting – Offensive für Österreichs Bundesgebäude:

09.09.2004

Im Rahmen der Contracting-Offensive sollen bei 300 Liegenschaften des Bundes insgesamt
6,9 Mio. Euro an Energiekosten und rund 45.000 Tonnen CO2-Emissionen jährlich eingespart werden.

In der Vergangenheit mussten energiesparende Investitionen bei bundeseigenen Gebäuden in vielen Fällen zu Gunsten notwendiger Instandsetzungsmaßnahmen zurückgestellt werden. Davon betroffen waren zum Teil auch Maßnahmen, die sich kurz- bis mittelfristig aus den Einsparungen gerechnet hätten. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) will nun mit Energie-Contracting drastische Einsparungen erzielen, die sowohl der Staatskassa als auch dem Kyoto-Ziel zugute kommen.

Contracting-Offensive
Dem Pilotprojekt (Start 1997), bei dem an 46 Wiener Bundesschulen die Energiekosten drastisch gesenkt wurden, folgte im Jahr 2001 der Ministerratsbeschluss, rund 300 Liegenschaften mittels Einspar-Contracting zu sanieren. Im Regierungsabkommen vom März 2003 wurde dieses Vorhaben erneut festgeschrieben. Insgesamt sind rund 500 Bundesgebäude aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft und Arbeit, Land und Forstwirtschaft, Justiz und Inneres betroffen. Für diese Gebäude sollen bis Ende 2004 passende Energiesparpartner gefunden werden, welche die vorhandenen Energieeinsparpotenziale identifizieren, umsetzen, vorfinanzieren und zehn Jahre lang betreuen.
Die Betreuung der Offensive obliegt den Kooperationspartnern BIG, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). Die fachliche und organisatorische Beratung der Kooperationsgemeinschaft und die begleitende Öffentlichkeitsarbeit hat die Energieverwertungsagentur (E.V.A.) übernommen. Die Partner in den Gebäuden sind die Energiesonderbeauftragten (ESB) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Die Energiesonderbeauftragten des Bundes lieferten die umfangreichen technischen Unterlagen, die den Ausschreibungen beigefügt waren. Weiters werden sie das Projekt über die Vertragslaufzeit (10 Jahre) begleiten und überwachende (Monitoring) beziehungsweise prüfende Funktionen im Interesse des jeweiligen Nutzerressorts ausüben.

Enormes Einsparpotenzial
Der Bund, als Gebäudeeigentümer und Nutzer, erspart sich während der zehnjährigen Vertragslaufzeit jährlich rund 1,4 Millionen Euro an Energiekosten, da er sofort an den Einsparungen beteiligt wird. Nach Ende der Vertragslaufzeit, das heisst, nachdem die vom Contractor vorfinanzierten Maßnahmen aus den Einsparungen refinanziert wurden, kommen dem Bund die gesamten Energieeinsparungen (zirka 6,9 Millionen Euro pro Jahr) zugute.
Einspar-Contracting ist eine Dienstleistung, die auch technische Betriebsführung, die Inspektion und Teile der Wartungsaufgaben umfasst. Daraus resultiert ein weiteres Einsparpotenzial von geschätzten 2 bis 3 Millionen Euro allein bei Betriebsführung, Wartung der energetischen Anlagen. Auch im Bereich der Instandsetzung sind Synergieeffekte zu erwarten. Der Einmalaufwand für eine professionelle Vorbereitung und Abwicklung der Ausschreibung beträgt rund 700.000 Euro, aufgeteilt auf zwei Jahre. Danach fallen während der Vertragslaufzeit jährlich rund 113.000 Euro für das laufende Projektcontrolling an.

Startschuss gefallen
Für 98 Gebäude wurden bereits Einsparpartner beauftragt, die insgesamt 1,5 Millionen Euro an Energiekosteneinsparungen pro Jahr für diese Gebäude garantieren. Die ersten Einsparverträge im Rahmen der Contracting-Offensive von Bundesimmobiliengesellschaft, Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft und Lebensministerium sind abgeschlossen. In 64 Bundesschulen in Niederösterreich und der Steiermark wurde mit der Identifizierung und Umsetzung von Energiesparmaßnahmen begonnen. Bei 18 Gebäuden des Finanz- sowie bei 16 Gebäuden des Justizministeriums startet der Contractor in Kürze mit der Detailausarbeitung der Maßnahmen.
Für die restlichen Gebäudegruppen sollen bis Ende 2004 ebenfalls Einsparpartner gefunden werden. Mit dieser Initiative will der Bund die Energiekosten seiner Gebäude um 6,9 Millionen Euro jährlich reduzieren. Gleichzeitig ermöglicht die Contracting-Offensive eine Senkung der CO2-Emissionen um 40.000 bis 45.000 Tonnen jährlich. Damit leistet die BIG auch einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung des Kyoto-Zieles, wonach Österreich die Emissionen von 77 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 67 Millionen Tonnen im Jahr 2010 senken muss.

Contracting-Partner
Die erste Ausschreibung der groß angelegten Offensive erfolgte im Mai 2003. Zunächst lief die Suche nach Energiesparpartnern für Bundesschulen in Niederösterreich und der Steiermark. Für diese in zwei Pools zusammengefassten Gebäude stehen seit Jänner 2004 die Einsparpartner fest: Den Zuschlag für die Bundesschulen in der Steiermark erhielt die Steirische Gas-Wärme GmbH. Für die niederösterreichischen Schulen wurde die Arbeitsgemeinschaft Siemens AG Österreich Building Technologies – Siemens Gebäudemanagement & Services G.m.b.H. als Bestbieter ermittelt. Die beiden Einsparpartner garantieren eine Energieeinsparung von 11,05% für den Pool Steiermark bzw. 23,15% für den Pool Niederösterreich. Das umfangreichste Potenzial sehen die Contractoren nach ersten Analysen bei der Regelung für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Licht. Durch die Optimierung der Anlagen und weitere Maßnahmen sollen die schulischen Energiekosten um knapp 800.000 Euro reduziert werden. Erreichen die Contracting-Partner die von ihnen garantierten Einsparungen nicht, wird ihr Honorar entsprechend geringer ausfallen.
Bei der Ausschreibung für das BM für Finanzen und das BM für Justiz, die im April 2004 entschieden wurde, ging die Arbeitsgemeinschaft Wärmebetriebe – Ökoplan – Strabag (ARGE BIG Pool 6+7) bei beiden Pools als Bestbieter hervor. Das gelang der Ökoplan durch die hohe Einspargarantie von 21% bei den Gebäuden des Finanzministeriums sowie 19,3% bei den Gebäuden des Justizministeriums.
Liegenschaften der Bundesschulen Wien, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich wurden Mitte November 2003 in vier Pools zur Angebotsabgabe ausgeschrieben. Die Verhandlungen mit den Bietern laufen. Die Ausschreibung der Gebäude des BM für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, des BM für Wirtschaft und Arbeit und des Bundeskanzleramts sowie die Liegenschaften des BM für Inneres startete im Mai 2004.
Für die restlichen Pools, die die Liegenschaften des Parlaments und einzelner Universitäten umfassen, soll die Suche nach Einsparpartnern Ende 2004 abgeschlossen sein.

Weitere Investitionseffekte
Das Potenzial an wirtschaftlichen Effizienzsteigerungen beschränkt sich jedoch keineswegs auf Bundesgebäude, die lediglich rund 10 Prozent des Bestandes an Dienstleistungsgebäuden ausmachen. Auf den gesamten Dienstleistungsgebäudesektor in Österreich hochgerechnet, ergibt sich ein potenzielles Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro und knapp 2000 Arbeitsplätzen. Wenn also bei Gemeinde-, Landesgebäuden und insbesondere bei den privaten Dienstleistungsgebäuden Contracting-Ansätze ähnlich konsequent wie bei den Bundesgebäuden angewendet werden, resultiert daraus eine Wirtschaftsbelebung in einem traditionellen Krisensegment wie dem Baunebengewerbe.
H.B.-M.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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