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Energieausweis in der Warteschleife

27.09.2006

Die Einschränkung des Energieverbrauchs ist eine der wichtigsten Agenden der EU. Bis zum 1. Jänner 2008 muss die EU-Gebäuderichtlinie und damit der Energieausweis endgültig umgesetzt werden.

Im Jänner 2003 verabschiedete das Europäische Parlament eine Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden. Bis zum Jahr 2012 soll der Ausstoß klimaaktiver Treibhausgase um mindestens 5,2 Prozent zum Vergleichsjahr 1999 reduziert werden. Der Wohn-und Tertiärsektor, der zum größten Teil aus Gebäuden besteht, wurde als größter Energieverbraucher identifiziert.
Österreich hat sich im Rahmen des Kyoto- Protokolls sogar noch ambitioniertere Ziele gesteckt: Eine 13-prozentige Reduktion von klimaaktiven Treibhausgasen. Rund 35 Prozent des heimischen Energieverbrauchs werden alleine durch die Beheizung von Wohnund Nutzgebäuden verursacht. Ein Wert der zwar unter dem europäischen Mittel liegt, aber dennoch dringenden Anlass gibt, eine Reduktion des Energieverbrauchs in diesem Bereich anzustreben. Zum überwiegenden Teil geht der heimische Energieverbrauch auf das Konto der Raumheizung. Das zeigt das enorme Potential für die österreichische Bauwirtschaft, das in der thermischen Sanierung des Althausbestandes oder energetischen Optimierung Neubaubereich steckt.

Die Umsetzung der Gebäuderichtlinie hinkt schon jetzt – zum eigentlichen Start der Initiative - der Planung hinterher. Mit 4.Jänner 2006 sollte die EU-Gebäuderichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden und damit für alle Wohn- und Nutzgebäude ab einer Größe von 1.000 Quadratmetern Nutzfläche die Ausstellung eines Energieausweises verpflichtend sein. Ein Zeitplan, der von kaum einem der EU-Mitgliedsstaaten eingehalten wurde. Und so wurde die verpflichtende Ausstellung des Energieausweises auf den Jänner 2008 verschoben.
„Das ist kein Anlass sich zurückzulehnen“, mahnt Franz Roland Jany, Geschäftsführer der Gemeinschaft der Dämmstoffindustrie. „In letzter Zeit wird der Endruck erweckt, dass aufgrund der Verzögerungen beim Gebäudeausweis kein konkreter Handlungsbedarf besteht. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.
Wenn der Gebäudeausweis kommt, schafft er Transparenz über CO2- und Energieschleudern und gilt auch für alle Bauten, die vor dem Stichtag der Umsetzung errichtet wurden. Wer aufgrund der noch ausstehenden legislativen
Schritte heute einem Bauherren erklärt, der Energieausweis sein für ihn noch nicht wichtig, der macht sich „strafbar“ im Sinne unserer Umweltschutzziele“, so Jany weiter. Dass der Gebäudeausweis über kurz oder lang in allen EU-Ländern als verpflichtendes Dokument bei der Errichtung, dem Verkauf oder der Vermietung von Immobilien Gültigkeit haben wird, darüber sind sich alle Experten einig. Und ebenso auch darüber, dass alle bestehenden und Neubauten damit hinsichtlich ihrer Energieeffizienz bewertet werden. Der Energieverbrauch wird sich damit ganz entscheidend auf den Wert einer Immobilie auswirken.
Kritik an der schleppenden Umsetzung des Energieausweises kommt von Seiten es Verbands der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe Österreichs (VZÖ). „Erstmals wird bei der Umsetzung einer EU-Richtlinie in Österreich nur eine Schmalspurversion verfolgt, anstatt den Gedanken von umwelteffizienten Gebäuden tatsächlich tief greifend zu verwirklichen“, ist Reinhard Klestil, Präsident des VZÖ verärgert. Angesichts dieser Tatsache fordert der VZÖ nicht nur eine rasche Umsetzung,m sondern auch einen einheitlichen
Berechnungsmodus für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Damit soll ein unkomplizierter Vergleich von Bauwerken hinsichtlich des Energieverbrauchs überhaupt erst ermöglicht werden.

Auch Verbesserungsmaßnahmen zur Reduzierung des Endenergieverbrauchs sowie der mögliche Einsatz von erneuerbaren Energieträgern bei Neubauten sollte, nach den Vorstellungen des VZÖ, im Energieausweis enthalten sein.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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