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Energieeffizient planen, bauen und wohnen

28.11.2007

Mehr als 100 Teilnehmer kamen zum Baugewerbetag der Landesinnung Niederösterreich ins Schloss ­Haindorf. Energieeffizientes Wohnen wie auch die stärkere Aus- und Weiterbildung standen im Zentrum.

Das rege Interesse am einmal jährlich stattfindenden Baugewerbetag ist in doppelter Hinsicht erfreulich. Einerseits bestätigt die Anwesenheit der rund 100 jungen wie auch bereits erfahrenen Baumeister die Arbeit der Landesinnung, anderseits ist die konstruktive Freude und das Interesse der Bauschaffenden an ihrem Gewerbe überaus positiv. Die Zukunft des Baugewerbes wird stark durch energieeffiziente Planungen und Bauweisen geprägt sein. Dieses Thema war der Schwerpunkt des Baugewerbetages, der im Schloss Haindorf, zugleich Sitz der Bau­Akademie Niederösterreich, stattfand. Mit gemischten Gefühlen geht das niederösterreichische Bau- und Bauhilfsgewerbe in das nächste Jahr, so das Ergebnis einer Branchenumfrage im Rahmen des Baugewerbetages. Landesinnungsmeister Robert Jägersberger und Michaela Hinterholzer, Landesinnungsmeisterin Bauhilfsgewerbe, zogen Bilanz und stellten dabei fest, dass ihre Branche mit vorsichtiger Zurückhaltung in das Jahr 2008 blickt. Entgegen aller Jubelmeldungen verzeichneten die niederösterreichischen Baubetriebe bis Mitte des Jahres um rund zehn Prozent weniger Auftragseingänge als im Vorjahr. Als große Gefahrenquellen werden vor allem die stark steigenden Kosten im Zusammenhang mit den gängigen Festpreisbindungen, der Facharbeitermangel und das Dauerthema Pfusch und Schwarzarbeit genannt. Die beschlossene Generalunternehmerhaftung wurde hingegen als positives Signal, mit der sich seriöse Unternehmen einen Vorteil verschaffen können, bewertet. Jägersberger betonte jedoch die Tatsache, dass die Sanierung von Altbaubestand im Rückstand ist. Für 2008 hat sich die Landesinnung den Aus- und Weiterbildungsschwerpunkt „Energiesparendes Planen, Bauen und Sanieren“ gesetzt. Jägersberger ist gegen eine zu schnelle und unreflektierte Annäherung an den Passivhausstandard: „Das muss vom Konsumenten auch gelebt werden und erfordert ein durchdachtes und optimierendes Gesamtkonzept. Die Wohnbauförderung muss auch unter dem Aspekt der ökonomischen Nachhaltigkeit auf einen Verbleib der Wertschöpfung in der Region abgestimmt werden.“

Kapital Fortbildung nützen

„Die Sorge, dass der Arbeitsmarkt von ausländischen Fachkräften überschwemmt wird, habe ich nicht“, erklärt Robert Jägersberger, „an qualifizierten Facharbeitern mangelt es in ganz Europa, deshalb müssen wir unsere Aus- und Fortbildungsschiene laufend verstärken und unsere Fachkräfte auch in den Betrieben halten.“ Dennoch ist sich Jägersberger der Tatsache bewusst, dass es für die Bauunternehmen immer schwieriger wird, für die von den Kunden geforderte Qualität auch angemessene Preise zu erzielen. Beim hochkarätig besetzten Roundtable stellten sich die Damen und Herrren Josef Plank, Umweltlandesrat, Alfred Graf, Direktor Gedesdag, wie auch Robert Jägersberger und Michaela Hinterholzer, Landesinnungsmeisterin Bauhilfsgewerbe den zukünftigen Fragen und Herausforderungen der Bauwirtschaft in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz.

Klares Fazit war, dass das Baugewerbe mit seinem Know-how und den hohen technologischen Qualitätsstandards seinen Teil zum sparsameren Umgang mit Energieressourcen beizutragen hat. Gerade im Bereich Bauen und Wohnen werden die Themen Umgang mit Ressourcen, Rohstoffknappheit und Versorgungssicherheit immer zentraler. „Die Wohnbauförderung ist dabei ein wichtiges Steuerungsinstrument, wir müssen verstärkt auf erneuerbare Energien wie Fotovoltaik und verbrauchssenkende Bau- und Sanierungsmaßnahmen setzen“, betonte Plank.

Energieeffizientes Planen und Bauen ist hingegen für Alfred Graf, Vorstandsvorsitzender der Wohnbaugenossenschaft Gedesag, selbstverständlich: „Alternative Energiesysteme, die auf die Energiekennzahl abgestimmte Planung und Umsetzung von Baumaßnahmen und damit die Annäherung an den Passivhausstandard haben jedoch zu einer nicht unbeträchtlichen Baukostensteigerung geführt. Während die Mieter jedoch durch das Zuckerl ,sinkende Betriebskosten‘ Sanierungsfans sind, sind die Hauseigentümer aufgrund des fehlenden direkten Nutzens derzeit noch nicht so davon zu begeistern. Energieeffizienz wird jedoch in ein paar Jahren auch den Wert eines Bauobjektes mitbestimmen. Das heißt, es müssen steuerliche Anreize für Hausherren gefunden werden, zumal wir bei den Bau- und Betriebskosten den Plafond erreicht haben.“ „Die verstärkte Nachfrage nach umweltgerechtem Bauen und Wohnen erfordert auch eine neue Form der Ausbildung für das Gewerbe“, erklärte Michaela Hinterholzer, die den Trend jedoch in Hinblick auf die damit verbundene Erschließung neuer Geschäftsfelder für das Baugewerbe insgesamt positiv verstanden sehen will und sich über neue Herausforderungen etwa im Bereich Innenausbau freut. Als probates Mittel zur Hebung der Sanierungsquote wurde eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Sanierungsleistungen, die Möglichkeit zur Bildung von Rücklagen, steuerliche Anreize für Eigentümer und noch mehr Informationsarbeit in Richtung der Konsumenten gesehen.

Gisela Gary

aus: bau.zeitung 47/07, S. 12

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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