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Energieversorgung der Zukunft

29.10.2009

Die Forderung nach effizienten Baukonzepten in Bezug auf Heizen und Kühlen ebben nicht ab. Der bewährte und vielseitige Baustoff Beton kann in diesem Zusammenhang wertvolle und erfolgreiche Dienste leisten

Die veränderten Klimabedingungen fordern auch in unseren Breiten immer effizientere Baukonzepte. Traditionell steht in Österreich die Frage des Heizsystems im Vordergrund, doch mittlerweile ist die Kühlung ein ebenso wichtiges Thema. Kaum ein Bürogebäude kommt ohne Klimaanlage aus. Der Trend schwappt immer mehr auch auf Privathaushalte über. „Im Gegensatz zum Energieeinsatz für Raumwärme gibt es derzeit keine statistischen Aufzeichnungen bezüglich des Kühlenergieeinsatzes in Österreich sowie kaum österreichspezifische Literatur zu diesem Thema“, weiß Franz Prettenthaler vom Joanneum Research in Graz. Der Heizenergiebedarf hingegen ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zwischen den einzelnen Gebäuden variieren die Werte zum Teil in hohem Maße. „Gebäude mit besonders gutem thermischen Standard (Passivhaus-Standard) benötigen dabei mitunter um einen Faktor 20 weniger Heizenergiebedarf als schlecht gedämmte Gebäude“, so Prettenthaler. Zum Thema Heizung wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten bereits fleißig geforscht. Nun rückt auch der steigende Energiebedarf für Raumkühlung ins Interesse der Wissenschaft und Wirtschaft. Eine europaweite Studie lässt auch Projektionen für Österreich zu. „Demzufolge betrug der in Österreich im Jahr 2005 für Kühlzwecke im gesamten Gebäudebereich benötigte Energieeinsatz 549 Gigawattstunden bei einer insgesamt gekühlten Fläche von 26 Millionen Quadratmetern. Dieser Wert entspricht in etwa einem Prozent des Endenergieeinsatzes für Raumwärme im privaten Sektor“, analysiert Prettenthaler die Ergebnisse. Die Studie zeigt, dass Kühlen zwar im Vergleich zum Thema Heizen eine untergeordnete Rolle spielt, dennoch von einer rasanten Steigerung des Kühlenergiebedarfes in Österreich auszugehen ist. „Für Österreich wird beispielsweise eine Steigerung von 296 Gigawattstunden im Kioto-Basisjahr 1990 auf in etwa 700 Gigawattstunden im Jahr 2020 vorausgesagt. Damit würden im Jahr 2020 durch Kühlung in etwa 250.000 Tonnen Treibhausgase verursacht werden“, so Prettenthaler weiter.

Aus den Untersuchungen des ober­österreichischen Energiesparverbandes gehen ähnlich Prognosen hervor. Die Ergebnisse der Studie prognostizieren für die Periode 2001 bis 2010 eine Steigerung des oberösterreichischen Kühlenergiebedarfs von mindestens 20 Prozent voraus. Um das Problem des Heizens und Kühlens auch aus ökologischer Sicht anzugehen, gibt es bereits einige Ansätze, um Komfort und Nachhaltigkeit gleichermaßen zu gewährleisten. Darüber hinaus ist auch eine Kostensenkung ein wichtiger Aspekt.

Um die Energieversorgung zu gewährleisten, werden künftig vor allem alternative Energiequellen eine zentrale Rolle einnehmen. Darüber hinaus werden von Experten auch nachhaltige Baukonzepte forciert, um mittels verbesserter Technologie optimale Resultate zu erzielen. Heizen und Kühlen mit Beton ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema für die Branche. Der Baustoff Beton hat sich als wertvoll und erfolgreich erwiesen, wenn es um die Optimierung der Raumtemperatur geht.

Nachhaltige Baukonzepte
Beton hat sich in vielerlei Hinsicht als Baustoff bewährt. Neben der Fähigkeit als Wärmespeicher kann Beton noch weitere Aufgaben übernehmen wie etwa statische Komponenten, Raumbildung oder Ästhetik. Abgesehen von der Speichertätigkeit bietet die Aktivierung der Betonteile eine breite Palette in der Nutzung von Energiepotenzialen. So kann das Tragsystem nicht nur der Konstruktion des Bauwerks dienen, sondern auch der Heizung und Kühlung.
Felix Friembichler, Geschäftsführer Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), erklärt: „Beim Heizen und Kühlen mit Beton gibt es grundsätzlich zwei Arten. Zum einen ist der Baustoff Beton eine hervorragende Speichermasse, das heißt, die Temperaturveränderungen gehen langsam, und dadurch wird ein automatischer Temperaturausgleich geschaffen. Will man allerdings ein wirkliches System zum Heizen und Kühlen, dann bietet sich zum anderen die Bauteilaktivierung an. In die Betonbauteile werden Leitungen eingezogen, die mittels aufbereitetem, entkalktem Wasser zur Temperaturregulierung verwendet werden können.“ Dadurch ergeben sich zahlreiche Vorteile dieser Methode. Etwa durch die großen Flächen wie Wände und Decken kann die Temperatur verhältnismäßig niedrig gehalten werden und damit sinkt auch der Energieverbrauch. „Eine Erhitzung auf etwa 20 Grad Celsius genügt, im Gegensatz zur normalen Warmwasserleitung, die auf etwa 50 Grad Celsius erhitzt werden muss“, so Friembichler. Der Experte ist überzeugt, dass die zukünftige Entwicklung in diese Richtung enorme Vorteile bringen wird.

Um diese Entwicklung voranzutreiben, werden vom VÖZ Forschungsprojekte forciert, um ein einheitliche System zu entwickeln. „Enden sollen unsere Bemühungen in diese Richtung schließlich in einem oder mehreren Handbüchern, die sowohl den Planern als auch den Ausführenden als ordentlich Grundlage dienen können“, so Friembichler. „Zurzeit gibt es noch kein fundiertes Regelwerk, das aber wichtig wäre. Wir brauchen anerkannte Regeln für eine Berechnungs-, Planungs- und Ausführungsgrundlage“, ist Friembichler überzeugt. Zurzeit findet bereits eine breite Anwendung der Bauteilaktivierung statt, aber laut Friembichler fehlt noch die Zusammenschau. „Wir sind bereits mit vielen Experten und Fachleuten in intensiven Gesprächen. Erst mit einer guten Basis ist die nächste technische Innovation möglich“, ist Friembichler überzeugt.

Diana Danbauer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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