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Energiezukunft Vernetzung

29.10.2010

Die künftige Energieversorgung ist die Herausforderung schlechthin. „Smart Grids", intelligente Vernetzung von Energieströmen und Information, ist die Lösung, die nicht verschlafen werden darf, warnen Experten.

Die Herausforderungen der nahenden Zukunft schildert Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner anlässlich der alljährlichen Jahrestagung der Energiewirtschaft: Bis 2030 ist laut Internationaler Energieagentur IEA weltweit mit einer weiteren Zunahme des Energiebedarfs von 40 Prozent zu rechnen. Eine Ressourcenknappheit droht mit dem Ende der Erdölvorkommen spätestens in 40 Jahren. Die politische Abhängigkeit von den Lieferanten fossiler Energieträger nimmt trotz aller Bemühungen weiterhin zu. „Österreichs Antwort darauf ist es, den Energieverbrauch auf dem Niveau von 2005 zu stabilisieren.

Nicht bei den Trägern, sondern beim Verbrauch wird angesetzt", erläuterte Mitterlehner – mit einer Steigerung der Effizienz und einem Anstieg bei erneuerbarer Energie. Und erstmals habe man mit der Energiestrategie auch einen Plan, bestätigt Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Es gehe um das Heben aller Potenziale von Wasser über Sonne, Wind bis Biomasse: „Die Wasserkraft wird bis 2015 um 12,5 Petajoule ausgebaut, Windenergie verdoppelt, Photovoltaik, in Gebäude integriert, vorangetrieben. Das geht nicht bis morgen, ist aber strategisch wichtig."

„Es ist nicht damit getan, eine Energiestrategie zu schreiben, es muss mit der Umsetzung begonnen werden", relativiert Wolfgang Anzengruber, Verbund. Bei jedem Wollen: Eine Finanzierung von Projekten finde nicht statt, wenn Rentabilität und Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist. Es sei auch weniger die Autarkie Österreichs das Ziel, sondern die Vernetzung Europas. Anzengruber: „Wir sind ja auch nicht der EU beigetreten, um autark zu sein." Die Rolle Österreichs bei der Energievernetzung sei mit einem Anteil von 17,5 Prozent an der europäischen Pumpspeicherleistung klar eine Chance – als „grüne Strombatterie Europas". Hier müsse eben investiert werden, um höhere Kapazitäten erreichen zu können. Und zwar rasch. Ein Beispiel: Die Genehmigungsverfahren zum Netzlückenschluss in Ostösterreich haben 22 Jahre gedauert. „Wenn es so weitergeht, wird sich Nachhaltigkeit ins nächste Jahrhundert verabschieden", so Anzengruber.

Intelligente Systeme

Die Zukunft jedenfalls gehöre den „Smart Grids", den intelligenten Stromnetzen. Diese seien nicht nur essenziell für die Versorgungssicherheit, sondern auch für die Integration der Erzeugerstrukturen. Gemeint ist damit, dass selbst wenn irgendwo per Windkraft Strom erzeugt wird, er auch eingespeist und optimal verteilt werden muss.

Einen „Systemsprung hin zu intelligenten Geräten" kündigt Lars Thomson vom Schweizer Büro für Innovation und Zukunftsforschung an: „Erst kümmerte sich der Mensch um die Maschinen, bald ist es umgekehrt." Bald schon werden Häuser mitsamt der Haustechnik zu einem gesamten System verschmelzen, mehr noch, mit automatischen Programmen im Internet kooperieren. Pro Person, so der Zukunftsforscher, werden bis zu 700 so gesteuerte „Dinge" unsichtbar im Haushalt laufen – „Smart Grids" sind nur ein Teil davon. Ein Beispiel: Das Haustechniksystem ortet die Position seines Besitzers im Ausland über dessen Handy und stellt fest, dass sich eine Rückreise ins Eigenheim aufgrund der Entfernung heute nicht mehr ausgehen wird. Das System entscheidet eigenständig, dass die Heizung nicht gestartet wird.

Eigentlich ist die Entwicklung dazu längst da: Der Getränkehersteller Coca-Cola etwa verfüge, so Thomson, über ein ähnliches System für seine Automaten. Die Befüllung wird automatisch per Internet abgefragt, nur leere Automaten werden in die Route eines Lkws aufgenommen und angefahren. Das spart Geld, Zeit und – Energie. Thomson erklärt den Begriff „tipping point": „Das ist jener Zeitpunkt, wo Technologie preiswert wird und alte Technologie ersetzt." Und im digitalen Zeitalter entstehe eine ungeheure Dynamik. Bestes Beispiel dafür ist Computerhersteller Apple. Von der Idee eines neuen Produktes bis zur Marktreife dauert es dort nur 150 Wochen.

Den „tipping point" für E-Mobilität, also elektrische Fahrzeuge, schätzt der Wissenschafter auf sechs Jahre. Dann soll das Elektroauto bereits günstiger sein als der heute übliche Benziner oder Diesel. Ähnliches gilt für Photovoltaik: „Siliziumchips haben eine Preisentwicklung mit dem Faktor mal 1.000 hinter sich. Wenn das auch nur ansatzweise bei Solarzellen so passiert, sind sie bald günstiger als Kohle. Und wenn das passiert, muss ein Stromnetz schnell auf eine entsprechende Struktur umstellen können." Bei dem rasanten Wandel, der bevorstehe, kann man leicht von der Entwicklung überholt werden. Thomson: „Die Welt wartet nicht auf uns."

 

(Redaktion: Helmut Melzer, Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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