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Erfolgreiche Alternative zum Streiten

07.05.2008

Zahlungsstreitigkeiten sind in der Baubranche ein Ärgernis, das ehemalige Projektpartner, aber auch Bauherrn und Auftragnehmer betrifft. Der Weg zum Gericht ist langwierig und teuer – Mediation ist die Alternative.

„Ein typischer Zahlungsstreit, wie er in der Baubranche vorkommt, dreht sich um entstandene Mehrkosten oder Mängel“, erklärt die Wirtschaftsmediatorin Andrea Michalitsch, Geschäftsführerin von Mira Mediation. Michalitsch ist auf Mediation im Inkasso spezialisiert – ihre Kunden sind fast zur Gänze in der Baubranche tätig. Dabei werden relativ geringe Streitsummen genauso geregelt wie Forderungen in der Höhe von mehreren Hunderttausend Euro. Gemeinsam ist allen Fällen, dass die Positionen oft festgefahren und scheinbar aussichtslos sind. Warum so viele Kunden aus der Baubranche? „Der Bau ist mit Sicherheit der Bereich, bei dem am häufigsten Kosten diskutiert werden, meist gegen Ende des Projekts, also kurz vor Fertigstellung, das Geld wird knapp und da und dort gibt es Mängel. Als Erklärung für die Bestreitung der Forderung gibt der Geschäftspartner an, dass Menge oder Qualität nicht dem Auftrag entspricht, die Leistung nicht rechtzeitig erbracht wurde oder Schäden entstanden sind. Die Bemühungen, den Zahlungsstreit außergerichtlich beizulegen, scheitern. Der eine sucht die Schuld beim anderen“, erläutert Michalitsch. Sie verweist auf die Kosten- und Zeitersparnis, welche Mediation mit sich bringt und damit das Verfahren zu einer effizienten Alternative zum Streiten vor Gericht macht. „Die Mediation dauert im Schnitt sechs Wochen – ein Gerichtsverfahren durchschnittlich 15 Monate! Diese Ersparnis überzeugt die meisten Klienten.“

Jedoch so einfach ist es nicht, denn es sind nicht alle Fälle für Mediation geeignet. Der Fall wird vorab vom Mediator sorgfältig geprüft um festzustellen, ob er mediierbar ist. Erst wenn das feststeht und beide Parteien zugestimmt haben, kommt es zur Mediation. Danach wird das Mediationskonzept erstellt. „Zunächst analysiert der Wirtschaftsmediator den Fall und bereitet diesen auf Grundlage der ihm von den Parteien übersandten Unterlagen sorgfältig auf. Bei dem darauffolgenden Treffen mit den Parteien führt er die Verhandlungen, inhaltlich entscheiden jedoch ausschließlich die Geschäftspartner, da sie am besten über die genauen Umstände des Falles Bescheid wissen. Letztendlich sind auch nur die Parteien selbst von den Konsequenzen der Verhandlungen betroffen“, so Michalitsch.

Lösungen statt Schuldzuweisungen

Im Gegensatz zum Gerichtsverfahren, in dem ein Richter von der Schuld des anderen überzeugt werden soll, zielt die Mediation im Inkasso mehr darauf ab, die Ursachen für die Entstehung des Zahlungsstreites herauszuarbeiten und auf deren Basis eine maßgeschneiderte Lösung zu finden, die für beide Parteien akzeptabel ist. Der Mediator strukturiert dabei als Außenstehender und allparteilicher Vermittler den Verhandlungsprozess, schafft und hält das Gleichgewicht zwischen den Parteien, greift mit Nachdruck ein wenn eine Eskalation droht und unterstützt die Parteien dabei, Lösungsansätze früher zu erkennen.

In der ersten Phase einer Mediation wird zunächst vorgestellt, wie das Verfahren abläuft und welche Regeln gelten. Dann gibt es eine Bestandsaufnahme: Wo sind sich die Parteien einig, wo gibt es strittige Punkte, wo gibt es offene Fragen, die noch geklärt werden müssen. In der Verhandlung der strittigen Punkte geht es um den Kern des Konflikts – in dieser Phase muss sich jeder Zeit nehmen und auch der anderen Partei zuhören. Den Abschluss einer Mediation bildet die Vereinbarung, die alle Parteien unterschreiben. Grundsätzlich wäre eine Vereinbarung vor Gericht zwar ein starkes Beweismittel, aber nicht direkt einklagbar. Michalitsch in diesem Zusammenhang: „Die Parteien wählen Mediation im Inkasso vor allem deshalb, weil sie ein Gerichtsverfahren vermeiden und das Problem selbst rasch und kostensparend lösen wollen. Die Zahlungsvereinbarungen werden eingehalten, weil die Parteien nur das unterschreiben, was sie auch wirklich wollen.“

Gisela Gary

aus: bau.zeitung 18/08, S 14

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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