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42 Prozent der befragten Tiroler Betriebe geben an, dass sie sehr stark bzw. stark von gestoppten Vergabeverfahren im öffentlichen Bereich betroffen sind

"Es muss Geld in die Hand genommen werden, um Projekte schnell umzusetzen"

06.05.2020

Die Unternehmen haben wieder Boden unter den Füßen und sind voller Tatendrang, so das Fazit eines Stimmungsbildes der Tiroler Bauwirtschaft. Große Sorgen bereiten jedoch gestoppte Vergabeverfahren und schleppende Genehmigungsverfahren. Hier sehen Landesinnungsmeister Anton Rieder und Manfred Lechner, Sprecher der Tiroler Bauindustrie, die Politik gefordert. 

v.l. Landesinnungsmeister Tirol Anton Rieder, Landesbaudirektor Robert Müller und Sprecher der Tiroler Bauindustrie Manfred Lechner. (Archivbild)

Die jüngere Vergangenheit war aus Sicht der Tiroler Bauwirtschaft von einer durchwegs positiven Entwicklung geprägt – nun wurde die Branche, wie so viele andere auch, von der Corona-Krise massiv eingebremst. Zwar konnte unter Einhaltung strenger Schutzmaßnahmen in den vergangenen eineinhalb Monaten grundsätzlich gearbeitet werden, doch zahlreiche Baustellen wurden aus unterschiedlichsten Gründen zwischenzeitlich gestoppt oder haben sich auf ungewisse Zeit verzögert. “Noch Anfang März sind wir davon ausgegegangen, dass uns ein gutes Baujahr bevorsteht. Dreiviertel der Unternehmen haben die Lage damals als gut bewertet, volle Auftragsbücher haben auf Zuwächse hoffen lassen – und dann kam Corona”, wirft Manfred Lechner, Sprecher der Tiroler Bauindustrie, einen Blick rund zwei Monate zurück. Mittlerweile gibt es kaum ein im Baubreich tätiges Unternehmen in Tirol, das nicht von den Auswirkungen von Covid-19 betroffen ist.

Aufgeschobene Verfahren als Problem

Das wird von einer aktuellen IMAD-Erhebung zum “Stimmungsbild der Tiroler Bauwirtschaft” unterstrichen. Zu den Auswirkungen von Corona geben 39 Prozent darin an, dass ca. 5 Prozent ihrer bestehenden Aufträge storniert wurden. Bei mehr als jedem Zehnten liegt die Stornierungsrate bei rund 20 Prozent. In rund jedem vierten Unternehmen wurden ca. 30 Prozent und mehr der bestehenden Aufträge storniert. Und 16 Prozent gehen davon aus, dass ihre Umsätze um mindestens die Hälfte zurückgehen werden. Laut Umfrage sind 62 Prozent der Unternehmen vor Probleme gestellt, weil notwendige Genehmigungsverfahren oder Verhandlungen coronabedingt ausgesetzt oder abgesagt wurden. Außerdem geben 42 Prozent der befragten Betriebe an, dass sie sehr stark bzw. stark von gestoppten Vergabeverfahren im öffentlichen Bereich betroffen sind – im gewerblichen Bereich gilt das für 38 Prozent, im privaten Bereich für 37 Prozent der befragten Betriebe.

Konkrete Maßnahmen von der Politik gefordert

Trotz aller Herausforderungen ortet der Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, Anton Rieder, derzeit noch eine überwiegend positive Stimmung und vollen Tatendrang in der heimischen Bauwirtschaft, aber: “In Hinblick auf den Herbst und das kommende Jahr, gibt es allerdings schon einige Sorgen, was die weitere Entwicklung anbelangt. Deshalb gilt es jetzt die richtigen Maßnahmen zu setzen, damit die Bauwirtschaft ein wichtiger Konjunktur- und Beschäftigungsmotor in unserem Land bleibt.” Dafür hat der Innungsmeister konkrete Forderungen in Richtung Politik: “Erstens brauchen wir eine rasche Abwicklung aller ausstehenden Behördenverfahren. Zweitens müssen die Gemeinden als Auftraggeber gestärkt werden. Es muss jetzt Geld in die Hand genommenen werden, damit sinnvolle Projekte rasch umgesetzt werden können. Und drittens werden wir mittelfristig ein Konjunkturprogramm für den Baubereich brauchen”, so Rieder, der in diesem Zusammenhang etwa Investitionsfreibeträge, eine verkürzte Abschreibung auf Abnutzung (AfA) oder die steuerliche Begünstigungen für thermische Sanierungsmaßnahmen vorschlägt.

Rest des Jahres alle Möglichkeiten ausschöpfen

Wie wichtig die “öffentliche Hand” als Auftraggeber für die Entwicklung in der Tiroler Bauwirtschaft ist, steht unterdessen sowohl für Manfred Lechner als auch für Anton Rieder außer Frage. Konkret geht es darum Projekte wie etwa den Neubau MCI, die Umfahrung Fügen Süd, den Fernpass-Scheiteltunnel oder die anstehenden Sanierungen des Flughafens Innsbruck oder der Lueg-Brücke auf der Brenner-Autobahn zügig voranzutreiben. In diesem Zusammenhang skizziert Landesbaudirektor Robert Müller die außergewöhnliche Situation aus Sicht des Landes Tirol: “Der kurzfristige Baustopp Mitte März hat uns, wie alle anderen auch, von einem Tag auf den anderen getroffen. Danach konnten dank der Einigung der Sozialpartner in Bezug  auf die Handlungsempfehlungen für Baustellen zumindest einige Bautätigkeiten wieder hochfahren und Arbeiten in kleinen Bereichen wie der Straßenerhaltung und im Wasserbau fortgeführt werden. Trotzdem haben wir uns bei der Umsetzung der Bauprogramme eine Verzögerung von zwei Monaten eingefahren. Dabei stehen heuer allein im Hochbau rund ein Drittel mehr Mittel zur Verfügung als im Vorjahr – also rund 38 Millionen Euro. Im Bereich Straßenbau sind es 72 Millionen Euro. Jetzt gilt es, im verbleibenden Baujahr ordentlich Gas zu geben, damit wir die finanziellen Möglichkeiten ausschöpfen können”, hofft Müller ebenso wie Lechner und Rieder, dass die Tiroler Bauwirtschaft bald wieder auf vollen Touren läuft.

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