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Martin Leitl (Techniksprecher des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie), Andreas Pfeiler (GF des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie) und Sebastian Spaun (Geschäftsführer VÖZ) fordern das Wohnbauförderungskriterium Massivbau.

Es muss massiv sein

10.06.2015

Bau!Massiv! hat vier aktuelle Studien zusammengefasst und fordert nun angesichts der Ergebnisse, Massivbau in die Wohnbauförderung als Kriterium aufzunehmen.

Gebäude verursachen 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der EU und zusätzlich rund 35 Prozent der Treibgasemissionen der Union. Daher ist nachhaltiges Bauen mit null Emissionen eines der Ziele des Klima- und Energiepakts der EU-Mitglieder. Bis 2020 sollen alle Neubauten als „Nearly Zero Energy Buildings“ errichtet werden. Angesichts dieser ambitionierten Pläne beginnt man sich nun auch in Österreich Gedanken über die Erfüllbarkeit zu machen. Gerade das aktuelle Wohnpaket der österreichischen Bundesregierung mit 30.000 neuen Wohnungen und insgesamt 5,75 Milliarden Euro an Investitionen in den kommenden fünf Jahren erfordert eine weitsichtige Planung und nachhaltige Gebäudekonzepte. Die Lobbyingplattform Bau!Massiv! nahm dies zum Anlass, nach einer langfristigen, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Bauweise zu forschen. Dabei lieferte der Zusammenschluss von vier aktuellen Studien interessante Befunde.

Hauptsache effizient

Das Institute of Building Research & Innovation verfasste im Auftrag von Bau!Massiv! eine Metastudie 26 wissenschaftliche Arbeiten betreffend, in denen die Thematik Kostenoptimalität und Nachhaltigkeit beim Wohnungsneubau untersucht wurde. Das Institut für Industrielle Ökologie nahm die Klimarelevanz von Baustoffen unter die Lupe, und die TU Graz beleuchtete zusätzliche Ökoindikatoren zur Bewertung der Umweltwirkung von Bauprodukten. Die Austrian Cooperative Research (ACR) unterzog ihrerseits 45 Variationen energieeffizienter Häuser einem Test.

Gemäß der ACR-Studie steht fest: Es gibt nicht „das“ beste Haus, sondern sowohl Baustoffwahl als auch Energiestandard müssen im Kontext der Gesamtsituation betrachtet werden. Dabei sind etwa Standort, Klima, Sonneneinstrahlung und das Wohnverhalten der Bewohner ausschlaggebend. „Das größte Thema auf Ebene des einzelnen Hauses ist die Haustechnik und die Art, wie sie bedient wird“, erläutert Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung Österreich­ische Zementindustrie. „Daher fordert die ACR-­Studie im Ergebnis vor allem auch die Vereinfachung von haustechnischen Systemen, damit diese kostengünstiger werden.“ Als ebenfalls wesentlich erachtet Spaun das Ergebnis, dass Holz per se kein Garant für CO2-neutrales Bauen ist, sondern dies vor allem von der Herkunft und den Transportwegen abhängig ist. „Der effiziente Einsatz von Ressourcen heißt vor allem: regionales Gewinnen und Einsetzen von Ressourcen“, so Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie. „Lange Transportwege wirken sich nachteilig auf die Ökobilanz aus.“

Nicht zu viel Technik

Das zentrale Einsparungspotenzial liegt zusammengefasst bei der Energieeffizienz. Dabei plädiert Martin Leitl, Geschäftsführer Bauhütte Leitl-Werke GmbH, jedoch für die Nutzung der natürlichen Eigenschaften von Baustoffen, um gewünschte Ergebnisse zu erreichen und nur so viel Technik wie notwendig einzusetzen. „Massive Baustoffe wirken wie eine natürliche Klimaanlage und schützen vor Schall und Lärm sowie Katastrophen wie Sturm, Wasser und Feuer“, so Leitl. In puncto Energieeffizienz, Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit wird dem Massivbau in all seinen Variationen in den Studien ein gutes Zeugnis ausgestellt. „Massive Bauwerke weisen eine Lebensdauer von 100 Jahren auf und sind damit ressourcenschonend. Diese Vorzüge müssen in der Wohnbauförderung als Kriterium berücksichtigt werden“, fordert daher Pfeiler

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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