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Expertenforum Beton:

13.04.2005

- zeitgemäße Antwort auf neue Herausforderungen der Immobilienwirtschaft
- neue Technik punktet mit kürzerer Bauzeit, geringerem Materialverbrauch und hoher Wirtschaftlichkeit

Der Trend zu multifunktionalen Gebäuden, die sich optimal für eine flexiblere Nutzung eignen, erfordert ein Umdenken bei den Konstruktionen. Vorgespannte Flachdecken ermöglichen größere Stützenabstände und bieten damit maximale Freiheit für die Nutzer eines Gebäudes. Zudem bieten moderne vorgespannte Decken erhöhte Sicherheit für die Nutzer. "Konstruktion und Planung von vorgespannten Flachdecken sind zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen der Fachwelt geworden. Die Vorspannung im Hochbau ist weltweit stark verbreitet und hat sich bewährt," erklärte der Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, Felix Friembichler.

Europa liegt im Vergleich zu den USA, Ländern in Süd-Ost Asien und Australien im Einsatz von Vorspannung im Hochbau allerdings noch weit zurück. Vorgespannte Decken und andere Elemente bieten daher ein großes Potential zur Verbesserung von Wirtschaftlichkeit, Baufortschritt, Dauerhaftigkeit und Nutzungskomfort von Immobilien.

Informationen für Profis aus erster Hand

Beim Expertenforum Beton am 7. April 2005 zum Thema vorgespannte Flachdecken wurden Planungskriterien, die Bemessung von Bauteilen und Bewehrung, Ausführungstechnik sowie wirtschaftliche Aspekte in insgesamt acht Fachvorträgen behandelt. "Wir konnten wieder ein vielschichtiges Informationspaket aus erster Hand von nationalen und internationalen Experten anbieten", erklärte Friembichler.

Größtmögliche Flexibilität erhöht den Wert von Immobilien

Kern der planerischen und architektonischen Überlegungen moderner Bürobauten ist größtmögliche Flexibilität für die Nutzung und auch die Nachnutzung eines Gebäudes. Die Mobilität der Nutzer von Büro- und auch Logistikgebäuden hat deutlich zugenommen, sodass die hohen Investitionskosten erst über mehrere aufeinander folgende Mietverträge amortisiert werden können. Das führt zu neuen Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft. Ziel moderner Gebäudekonstruktionen ist es, zumindest für die steuerlich notwendigen 50 Jahre Nutzung die Möglichkeit zu bieten, mit intelligenter Ertüchtigung stets den technischen Stand bezüglich Haustechnik, EDV und Bauvorschriften zu halten und im Verlauf der Nutzungsdauer unterschiedliche Raumkonzepte optimal zu unterstützen.
Friembichler: "Moderne Gebäude müssen so gestaltet sein, dass sie alle Wünsche hinsichtlich Raumaufteilung zulassen und trotzdem in ihrer Substanz erhalten bleiben. Flexibilität wird damit zu einem wichtigen Kriterium für den Wert der Bausubstanz."

Bauwerke aus Stahlbeton optimal für neue Ansprüche geeignet

Bauwerke aus Stahlbeton erfüllen die Forderung nach Flexibilität der Nutzung in geradezu idealer Form. Große Stützenabstände und Decken mit ebener Untersicht sind die Antwort auf die geforderte Nutzungs- und Gestaltungsfreiheit. Vorgespannte Flachdecken erlauben schlanke Konstruktionen und eine weitgehende freie Raumeinteilung bei geänderten Nutzeranforderungen. Ein weiterer Vorteil ist die kürzere Bauzeit bei lediglich geringfügig höheren Kosten. Bei gleichem Stützenabstand wird für vorgespannte Decken im Schnitt um 20 Prozent weniger Beton und um 65 Prozent weniger Bewehrung verbraucht als bei normalen Decken. Auch der Arbeitseinsatz ist in diesem Fall um rund 60 Prozent geringer.

Deckenkonstruktionen als wichtigen Kostenfaktor beachten

In Bürogebäuden beträgt der Anteil des Rohbaus an den Gesamtkosten nur ca. 20-30 Prozent. Die Decken sind mit 30-40 Prozent ein wesentlicher Teil der Rohbaukosten. Jedoch 70-80 Prozent der Kosten sind für nicht-tragende Elemente wie Fassaden, Innenausbau, mechanische/elektrische Installationen, etc. Friembichler: "Die optimale Wahl ist deshalb häufig eine Decke mit flacher Untersicht, meist Flach- oder Pilzdecken." Dies ergibt nicht den minimalen Materialverbrauch, bringt aber Ersparnisse bei der Gebäudehöhe sowie beim Einbau von Leitungen unter der Decke und hat Vorteile in der Nutzung.

In Parkhäusern ist der Anteil des Rohbaus an den Gesamtkosten höher als in Büros. Er beträgt bei oberirdischen Bauten zirka 60 und bei unterirdischen Parkhäusern zirka. 50 Prozent. Der Anteil der Decken an den Rohbaukosten macht bei Parkhäusern über Boden rund zwei Drittel der Rohbaukosten aus. Für unterirdische Parkhäuser kosten die Decken inklusive Bodenplatte immer noch ca. 50 Prozent des Rohbaus. Vorgespannte Flachdecken haben hier eindeutige Vorteile, weil sie Platz und Material sparen.

Vorgespannte Flachdecken vereinen hohe Stabilität und großen Gestaltungsspielraum

Vorgespannte Flachdecken erfüllen alle Anforderungen bezüglich Stabilität und Sicherheit und erlauben zudem schlanke und weit gespannte Konstruktionen. Durch die Vorspannung wird ein rascherer Baufortschritt und damit eine Verkürzung der Bauzeit erzielt. Verbunden damit sind auch geringere Kosten für Schalung und Rüstung. Für die Haustechnik ergibt sich die Möglichkeit einer ungehinderten Leitungsführung an der Deckenuntersicht. Der wirtschaftliche Anwendungsbereich für vorgespannte Flachdecken mit Vorspannung ohne Verbund beginnt bei Stützweiten von 8,00 m und reicht in der Regel bis 13,00 m. Durch die Vorspannung ergibt sich für die Nutzung der Gebäude der Vorteil, dass auf Bewegungsfugen bzw. Bauteilfugen weitgehend verzichtet werden kann. Fugenlose Bauwerke mit Abmessungen bis zu 200 m wurden bereits ausgeführt.

Hervorragender Schutz gegen Feuer und Verformung

Der Brandwiderstand von vorgespannten Flachdecken mit Vorspannung ohne Verbund wurde mit aktuellen Versuchen untermauert und entspricht üblichen Betonkonstruktionen. Bei richtiger Wahl der Vorspannung sind zudem nur sehr geringe Verformungen zu erwarten, sodass sich für die nachfolgenden Ausbaugewerke, wie beispielsweise Estriche oder Trockenausbau sehr günstige Verhältnisse ergeben. Die geringen Verformungen von vorgespannten Flachdecken ermöglichen es, z. B. bei Parkdecks, geringere Quer- und Längsneigungen vorzusehen, weil die Bildung von Wasserlachen weitgehend vermieden werden kann. Eine fugenlose Ausführung bei Parkdecks führen auch zu geringen Erhaltungskosten, da die in der Regel sehr erhaltungsaufwändigen Fugenübergangskonstruktionen entfallen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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