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Fassaden im Fokus

22.07.2011

Der Zeitfaktor ist das größte Problem beim Fassadenbau. Das analysiert der vierte Österreichische ­Bauschadensbericht. Welche Fehler bei Wärmedämmverbundsystemen und Putzfassadenhäufig häufig ­auftreten, und wie sie vermeidbar wären.

Fehler macht jeder einmal. Und alle sind sicher nicht vermeidbar. Doch manche schon. Der vierte Österreichische Bauschadensbericht widmet sich dem Schwerpunktthema Fassaden. In Zusammenarbeit der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich mit dem ofi-Institut für Bauschadensforschung und mit Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft entstand ein Bericht, der das Thema Fassade in zwei Bereichen behandelt: Wärmedämmverbundsysteme, kurz WDVS, und Putzfassaden.

Michael Balak, Institutsleiter des ofi-Instituts für Bauschadensforschung, sagt: „Nur durch eine genaue Analyse des Istzustands der Baumängel- und Bauschadenssituation in Österreich ist eine mittel- und langfristige Reduktion der Baumängel- und Bauschäden möglich, da nur dann gezielte Forschungs-, Schulungs- und normative Maßnahmen durchgeführt werden können."


Putz braucht richtige Materialwahl

Das durchgeführte Forschungsprojekt suchte und analysierte die häufigsten Mängel und Schäden an Fassaden. Die ausgewerteten Schadensgutachten zeigen, dass die meisten Mängel bei Putzfassaden auf eine Feucht- und/oder Schadsalzbelastung des Untergrunds zurückzuführen sind. Weitere Ursachen für Mängel können ein ungünstiges Festigkeitsgefälle im Putzaufbau, unregelmäßige und/oder zu große Schichtdicken sein, die Schwindspannungen verursachen und so zu Rissbildungen führen. Die Experten empfehlen daher, dass besonders auf die Materialwahl und auf die geometrischen Randbedingungen zu achten ist, um Mängel und Schäden zu vermeiden.

Zeitdruck senkt Qualität

Im Zuge des Forschungsprojekts wurde auch die Qualifikation der ausführenden Arbeiter erhoben. Bei Fassadenarbeiten, insbesondere bei Putzarbeiten, werden hauptsächlich gelernte Maurer mit langer Berufserfahrung eingesetzt. Die größten Probleme sehen die Arbeiter im Zeitdruck, der bei Bauprojekten stetig steigt.

Mangelhafte Befestigung

Die Analyse der Arbeiten an WDVS-Fassaden zeigt, dass viele Mängel bei der Ausführung von Außenwand-Wärmedämmverbundsystemen die Schichtdicke des Unterputzes bestrafen. Auch auf das Schwindverhalten der Dämmplatten können einige Schadensfälle zurückgeführt werden.
Ebenso birgt zudem die mangelhafte Ausführung der Befestigung der Dämmplatten ein Gefahrenrisiko. Häufig werden die Mindestschichtdicke des Deckputzes unterschritten, Anschlüsse werden im Sockelbereich mangelhaft ausgeführt beziehungsweise größere Fugen zwischen den Dämmplatten nicht ausgeschäumt. In vielen Bereichen werden die Vorgaben der ÖNorm nicht eingehalten.

Das Problem der Ausführung liegt häufig nicht daran, dass die Arbeiter nicht gut genug geschult sind, aber bei der Umsetzung passieren vielfach Fehler. Auch hier lässt sich die Fehlerquelle hauptsächlich auf den Zeitdruck, der auf Baustellen herrscht, eingrenzen. Da eine nicht normgemäße Ausführung manchmal ein schnelleres Arbeiten erlaubt, werden etwa bei der Ausbildung der Ecken und der Reststückbreite Abstriche gemacht, die sich später rächen.

Forschung für die Praxis

Zur Bearbeitung der Problematik wurde ein einjähriges Forschungsprojekt bei der FFG eingereicht, das im Jahr 2009 genehmigt wurde. Ziel dieses Forschungsprojekts war es, durch die Analyse der häufigsten Mängel und Schäden an Fassaden die Grundlage für eine weitere Steigerung der Bauqualität in diesem Bereich zu legen. „Mit dem Bauschadensbericht sollen jene Erkenntnisse, die im Zuge dieses Forschungsprojekts gewonnen worden sind, den Anwendern in der Praxis zugänglich gemacht werden“, betont Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau. Abgeschlossen wurde das Projekt im Herbst 2010.

Fehlerquote verringern

Um die Fehlerquote auf Baustellen zu verringern, sind zwei zentrale Punkte notwendig. In erster Linie ist die Aus- und Weiterbildung der Arbeiter von großer Bedeutung. Auch vorhandenes Wissen sollte regelmäßig aufgefrischt werden. Das größte und zweite Problem ist allerdings der Zeitfaktor. Der Druck auf Baustellen wird zunehmend höher, die Anforderungen an die Bauzeiten härter. Das erschwert den Arbeitern ein genaues und qualitativ hochwertiges Arbeiten.

„Die Reduktion von Bauschäden soll letztlich eine Erhöhung der Qualität am Bau bewirken und kann nur durch die Mitwirkung aller am Bau Beteiligten gelingen“, so Frömmel. Die gedruckte Version des Bauschadensberichts ist in Vorbereitung und kann beim Mitgliederservice der WKO oder unter mservice@wko.at bestellt werden. Der Fassadenbau wird in Zukunft durch Sanierungen und Wärmedämmungen im Hochbau weiter an Bedeutung gewinnen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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