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Feinstaubreduktion als oberstes Ziel

12.03.2008

Seit einigen Wochen ist die Diskussion um die verpflichtenden Rußpartikelfilter für Baumaschinen ­verstummt. Dennoch ist sich die Bauwirtschaft bewusst, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.

Die Rußpartikelfilter sorgen nach wie vor für Diskussionsstoff. Partikelfilter sollen zur Reduzierung der Feinstaubbelastung beitragen. Dabei gibt es zwei Funktionsweisen, die sich grundsätzlich unterscheiden: Wandstromfilter, bei denen das Abgas im Filter eine poröse Wand durchdringt, und Durchflussfilter, bei denen das Abgas den Filter an seiner inneren Oberfläche entlang durchfließt. In Österreich ist das Thema Rußpartikelfilter für Baumaschinen im Moment nur mehr für Wien rechtlich relevant. Alle anderen Bundesländer haben keine eindeutige Regelung, da sich nun auch in der Steiermark und in Tirol keine einheitliche Lösung durchgesetzt hat. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass diesbezüglich noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Siegfried Sedlacek von Mawev erläutert: „Generell ist das Thema Rußpartikelfilter für Baumaschinen nur mehr interessant, wenn es eine einheitliche Vorgabe gibt, die europaweit zur gleichen Zeit in Kraft tritt. Nur so kann ein fairer Wettbewerb gewährleistet werden.“ Sedlacek betont weiter: „Jede Umweltschutzmaßnahme wird von uns gerne getragen, solange sie nicht wettbewerbsverzerrend ist. Die Baumaschinen sind mittlerweile sehr mobil und international im Einsatz, daher ist nur ein einheitlicher Stichtag bei der Umsetzung sinnvoll und wettbewerbsneutral.“

Reduktion um 23 Tonnen Feinstaub

Seit September 2006 gilt in Wien Partikelpflicht für Baumaschinen über 37 kW Leistung. Das Reduktionspotenzial auf Baustellen ist enorm, rund 29 Prozent der hausgemachten Feinstaubbelastung stammt aus Bauwirtschaft, Industrie und Gewerbe, die sogenannten Offroad-Geräte verursachen zehn Prozent. Der Bund fördert die Nachrüstung mit Partikelfiltern bei Offroad-Geräten bis zu 50 Prozent. Die Stadt Wien hat im Vorfeld mithilfe der Wirtschaftskammer die Bauunternehmen informiert. Unter anderem verspricht man sich davon in weiterer Folge Einsparung von bis zu 300 Millionen Euro an Gesundheitskosten. In Wien sind von der Verordnung Maschinen, Geräte und sonstige mobile technische Einrichtungen betroffen, die mit Dieselmotoren betrieben werden und mehr als 37 kW Leistung haben. Es sind dies beispielsweise Stromaggregate, mobile Abfallbehandlungsanlagen, Kompressoren, Krane und Rasenmäher. Seit 2008 gilt die Partikelfilterpflicht auch für Geräte zwischen 18 und 37 kW.

Im Bundesimmissionsschutzgesetz-Luft gibt es etliche Ausnahmen für die Partikelfilterpflicht. Die Stadt Wien hat bereits zwei umfassende Maßnahmenpakete zur Reduzierung von Feinstaub beschlossen. Vom Magistrat wurde eine Rußpartikelfilter-Polizei eingerichtet, die auf Baustellen stichprobenartige Kontrollen vornimmt. Sollten auf einer Baustelle nicht alle in Verwendung stehenden Baumaschinen mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet sein, so wird die Baustelle eingestellt und der Betreiber hat zusätzlich mit Geldstrafen zu rechnen. Diese Regelung gilt momentan nur für Wien.

Einheitliche Regelung gewünscht

Maro Gruber, Geschäftsführer der Firma Baumot, weiß ebenfalls um die Problematik der unterschiedlichen Bestimmungen zum Thema Rußpartikelfilter in Österreich: „Generell kann ich es mir auf lange Sicht gesehen nur so vorstellen, dass man für ganz Österreich eine einheitliche Regelung findet. Ein generelles Schema, wie es unsere Nachbarn Schweiz und Deutschland ja schon lange haben, ist einfach notwendig.“ Gruber erklärt weiter: „Der internationale Druck wird immer stärker, da kann sich der österreichische Staat nicht zurückziehen.“ Auch in den genannten CEE-Staaten sind Rußpartikelfilter im Moment schon ein großes Thema und vor allem in Ballungszentren ist die Nachfrage nach kompetenten Lösungen gestiegen. Gruber erläutert auch die Wichtigkeit der fachkundigen Handhabung der Filter: „Wir produzieren, vertreiben und bauen die Filter selbst ein. Für uns ist wichtig, dass der Endkunde, also der Staplerfahrer beispielsweise, durch den Partikelfilter nicht belastet wird, er soll sich nicht um den Filter kümmern müssen.“ Auch eine regelmäßige Wartung – nach etwa 500 Arbeitsstunden bzw. einmal jährlich – ist wichtig. Baumaschine und Filter bilden immer eine Einheit, je nach Fahrzeug- und Filtertyp verschieden, und sollten daher fachgerecht ein- und ausgebaut werden. Baumot bietet unter der Voraussetzung der sachgemäßen Handhabung eine zweijährige Garantie auf Filter und Motor an. Gruber betont: „Nur wer die Maschinen kennt, kann hier gute Arbeit abliefern.“ Positiv betont Gruber vor allem, dass mittlerweile viele Firmen freiwillig Diesel­partikelfilter in ihre Baumaschinen einbauen lassen. Auch Eckehard Burner, Mitglied im Geräteausschuss der Geschäftsstelle Bau der Porr AG, hat schon früher betont: „Vernünftige Maßnahmenpakete sind dann sinnvoll, wenn sie alle treffen, sie machbar sind und man sie sich auch leisten kann.“ Die Umrüstung der Baumaschinen ist zum Teil mit erheblichen Kosten verbunden.

Zertifizierung für Atlas Copco

Atlas Copco ist ein weltweit führender Anbieter von Produktivitätslösungen für den Industriebereich. Die Produkte und Dienstleistungen der Gruppe umfassen Gas- und Prozesskompressoren, Generatoren, Bau- und Bergbauausrüstungen, Industriewerkzeuge und Montagesysteme. Parallel dazu werden entsprechende Kundendienstleistungen sowie Mietausrüstungen angeboten. Specialty Rental ist ein Geschäftsbereich von Atlas Copco Compressor Technique. Der Geschäftsbereich bedient weltweit Kunden in verschiedenen Industriesegmenten durch die Vermietung von Druckluft- und Stromversorgungslösungen. Der spezielle Mietservice wird unter verschiedenen Markennamen angeboten. Der Hauptsitz befindet sich in Antwerpen, Belgien. Nun wurde der Geschäftsbereich Specialty Rental von Atlas Copco von Lloyd’s Register Quality Assurance dreifach in den Bereichen Qualität, Umwelt und Arbeitsschutz zertifiziert und ist somit das erste im Bereich Vermietung tätige Unternehmen weltweit, dem diese dreifach Zertifizierung verliehen wurde. Die Zertifizierung gilt weltweit für mehrere Standorte, an denen Specialty Rental tätig ist, und umfasst Iso 9001 (internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme), Iso 14001 (Umweltmanagement) und OHSAS 18001 (Arbeitsschutz). „Unsere Kunden stellen hohe Anforderungen in Bezug auf Qualität, Umweltschutz und Sicherheit, und sie geben sich nur mit Geschäftspartnern zufrieden, die ihren Schwerpunkt auf diese Bereiche legen“, so Ronnie Leten, Präsident des Geschäftsbereichs Compressor Technique von Atlas Copco. „Mit dieser Zertifizierung setzen wir einen neuen Maßstab in der Branche, und sie wird uns den Zugang zu neuen Kundensegmenten und Anwendungen ermöglichen.“ Die dreifache Zertifizierung unterstützt das Ziel dieses Geschäftsbereichs, sich weltweit eine Position als Marktführer zu sichern und sie im Bereich der Vermietung von ölfreien Hochdruck- und Druckluftanwendungen auszuweiten. Das erklärte Ziel der Atlas Copco Gruppe ist, alle Mitarbeiter im Rahmen eines Umweltmanagementsystems zu beschäftigen und alle Produktionsstätten gemäß Iso 14001 zu zertifizieren.

Feinstaubbelastung durch Dieselruß

Dieselruß entsteht aufgrund der Kraftstoffeigenschaften und des Verbrennungsverfahrens. Partikel im Dieselabgas bestehen hauptsächlich aus Ruß und unverbrannten Kohlenwasserstoffen. Die vom Dieselmotor erzeugte Partikelgrößenverteilung ist meist mehrmodal und kann im jeweiligen Modus als normalverteilt angenähert werden. Treten in der Gasphase kleine Partikelkeime (beispielsweise Rußpartikel) auf, spricht man von heterogener Nukleation. Auch Schwefel im Kraftstoff führt zu einer solchen erhöhten Tröpfchenbildung, beispielsweise wenn der Motor mit Heizöl betrieben wird. Größere Modi im Bereich mehrerer Mikrometer entstehen im Verlauf der Bewegung durch die Abgasanlage durch Agglomeration kleinerer Teilchen. Bei einem Wandstromfilter wird das mit den Rußpartikeln versetzte Abgas bei der Durchdringung einer porösen Filterwand gefiltert. Die Partikel bleiben dabei bei Oberflächenfiltern hauptsächlich an der Oberfläche der Filterwand hängen oder verbleiben mittels Tiefenfiltration im Inneren der Filterwand. In beiden Fällen ist es aber so, dass die Partikel nicht durch einen Siebeffekt hängen bleiben (die Partikel müssen also nicht größer sein als die Löcher, durch die das Abgas strömt), sondern hauptsächlich durch Adhäsion an der porösen Wand festgehalten werden.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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