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Feuer auf der Baustelle – Was tun?

25.09.2019

Feuer auf der Baustelle ist leider keine Seltenheit. Was vermieden werden kann, ist zu vermeiden. Doch was sollte man tun, wenn es zu einem Brandschaden kommt.

Brandschäden auf Baustellen sind keine Selten­heit. Das ist kaum verwunderlich, da Baustellen zahlreiche Risikofaktoren auf­weisen, die Brände begünstigen. Dies beginnt bereits bei den verwendeten chemischen Reinigungsmitteln, die häufig leichtentflammbare Stoffe enthalten. In Kombination mit Funkenflug, der durch Schneid-, Schweiß- oder Lötarbeiten entsteht, ist bereits der erste Brandherd gefunden. Doch nicht nur chemische Reiniger sind leicht entzündlich, auch Bauabfälle wie Sägemehl, loses Papier oder Holzwolle ­fangen schnell Feuer. Bei Flämmarbeiten auf Dächern entstehen häufig Glutnester, die unbemerkt bleiben. Diese ­können über Nacht zu einem Großbrand ­führen. Aber auch Faktoren, die nicht im Zusammenhang mit Baumaterialien stehen – wie beispielsweise Zigarettenglut oder Blitzeinschläge –, stellen ein Risiko dar.

Wissen löscht Brand

Angesichts der unterschiedlichen Gefahrenquellen ist eine entsprechende Unterweisung der Bauarbeiter unabdingbar. Es ist beispielsweise sicherzustellen, dass die Mitarbeiter wissen, wie sie sich im Brandfall richtig zu verhalten haben. Des Weiteren sollten sie über die korrekte Handhabung der vorhandenen Löschmittel informiert sein. Laut Bauarbeiterschutzverordnung sind je nach Umfang und Lage der Baustelle ausreichend Feuerlöschmittel – beispielsweise Handfeuerlöscher oder Löschsand – zur Verfügung zu stellen. Auch die Anzahl der anwesenden Arbeiter muss bei der Einrichtung der Löschmittel in Betracht gezogen werden, damit sich genügend Feuerlöscher am Arbeitsplatz befinden. Durch diese Maß­nahmen können viele Brände gelöscht werden, bevor sie außer Kontrolle geraten und somit größere Schäden verursachen. Lässt sich das Feuer nicht mithilfe der vorhandenen Löschmittel kontrollieren, ist umgehend die Feuerwehr zu informieren.

Maßnahmen nach der Löschung

Bei unbekanntem Ursprung des Brandes helfen Brandermittler, die Ursache des Feuers herauszu­finden. Anfallende Aufräumarbeiten dürfen niemals ohne Absprache mit der Brandermittlung durchgeführt oder beauftragt werden. Nur so ist sicher­gestellt, dass während der Aufräumarbeiten kein weiterer Schaden entsteht.

Besonders zu beachten gilt es, nach dem Brand die Versicherung zu informieren. Auch diese steht bei Fragen bezüglich weiterer Schritte und Maßnahmen zur Verfügung. In der Regel sind Baustellenbrände eine Angelegenheit der Betriebshaftpflicht-Versicherung des Bauunternehmens. Hier spielt eine aus­reichende Versicherungsdeckung eine zentrale Rolle. Ein einzelner Schadensfall kann schnell enorme Kosten verursachen, auch bei ­kleineren Betrieben sollte die Versicherungsdeckung deshalb bei ­mindestens zehn Millionen Euro liegen. Eine Deckungssumme von ein bis zwei Millionen Euro ist nicht ausreichend, wenn beispielsweise ein Feuer in einer Dachgeschoßwohnung ausbricht und drei ­weitere Stiegen durch den Brand beschädigt werden.

Nur Fachkräfte einsetzen

Die Baustelle sollte nach einem Brand gegen das Eintreten von Regenwasser abgesichert werden, da dieses zu Wasserschäden führen kann. Auch durch das Löschwasser können Wasserschäden entstehen, die Trocknungs- und Entfeuchtungsmaßnahmen nach sich ziehen. Nach der Löschung eines Brandes befinden sich häufig noch Schadstoffe in den Bauteilen, die auch längere Zeit nach einem Brand ein enormes Gesundheitsrisiko darstellen. Aus diesem Grund sind für anstehende Brand- und Wasser­schadensanierungsarbeiten Fachkräfte gefragt.

Nur so sind eine Minimierung der Gesundheitsrisiken und die Sicherheit am Arbeitsplatz während der Fortsetzung des Bauprojekts gewährleistet. Grundsätzlich gilt: Alles, was die eigene Expertise übersteigt, sollte an Fachkräfte übertragen werden. Folgeschäden durch gesundheitliche Beein­trächtigungen oder nicht fachgerecht sanierte Brand- und Wasserschäden sind nicht nur gefährlich, sondern können überdies auch noch sehr kost­spielig werden.

Diesen Fachbeitrag schrieb Martin Zagler, Geschäftsführer der Soluto Vertriebs GmbH, für die Bauzeitung 18.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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