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Fischer-Deponie

03.12.2004

Im Ostteil der Deponie wird derzeit bis auf 27 Meter unter Geländekante abgebaut, die letzten fünf Meter davon mit einem Löffelbagger im Grundwasser.

Die 1972 in einer ehemaligen Schottergrube bei Theresienfeld im südlichen Wiener Becken angelegte Fischer-Deponie gilt als der größte Umweltskandal Österreichs. Dabei trägt die nach dem Zweitbetreiber Dkfm. Josef Fischer benannte Anlage die Bezeichnung Deponie zu Unrecht, denn ihr fehlt jegliche Basisabdichtung. Die Schadstoffe wurden daher im Laufe der Jahre direkt in den Untergrund ausgewaschen. Die Folgen sind hinlänglich bekannt (die bau.zeitung hat laufend berichtet). Die Mitterndorfer Senke, das größte Grundwasserreservoir Österreichs, wurde so stark verunreinigt, dass die Trinkwasserversorgung unmöglich wurde.

Chemikalien von ausgelaufenen Fässern
Der in der 760 Meter langen, 80 Meter breiten und im Durchschnitt 18 Meter tiefen Grube abgelagerte Abfall wurde im Rahmen einer Verwaltungsexekution (Zwangsvollstreckung eines Bescheides des BMLFUVV) in der Zeit vom August 2002 bis Dezember 2003 geräumt. Die Kosten für Räumung und Entsorgung der insgesamt 946.000 Tonnen Abfälle in der Höhe von 83 Millionen Euro wurden aus dem Budget des BM Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft sowie vom Altlastensanierungsfonds getragen.
Nur zum Teil wurden die ausgetretenen Schadstoffe vom Grundwasserstrom weitergespült. Nach Räumung des Abfalls vorgenommene Probebohrungen haben gezeigt, dass sehr wesentliche Verunreinigungen in dem direkt unter der Deponie gelegenen Schotterkörper angereichert sind. Der Untergrund ist nicht nur mit organischen Stoffen aus der Haus- und Gewerbemüllschüttung (Amonium, Nitrite etc.), sondern auch mit den im Lauf der Jahre aus den deponierten Fässern ausgelaufenen Chemikalien (diverse Kohlenwasserstoffverbindungen) verunreinigt.

Deponiesohle bis Mitte 2005 entsorgt
Um das Areal nachhaltig zu sanieren, muss daher auch die Deponiesohle geborgen und entsorgt werden. Die Arbeiten haben Anfang März 2004 begonnen. Aufgrund starker Verunreinigung wird im Ostteil der Deponie derzeit bis auf 27 Meter unter Geländekante abgebaut, die letzen 5 Meter davon mit Löffelbagger im Grundwasser. Zum momentanen Stand präsentieren sich die Arbeiten als geologisches und analytisches Abenteuer, denn es ist nicht nur die Verunreinigung der Sohle von unterschiedlicher Intensität, sondern es wurden auch regelrechte Ölseen angefahren, die sich über Zwischenstauern gebildet haben. Teilweise überschreitet die Verunreinigung in der Deponiesohle sogar den Grenzwert für die obertägige Deponierung. Bis dato waren 40.000 Tonnen als gefährlicher Abfall zu klassifizieren. Dieses Material wird in der Wiener Bodenreinigungsanlage ABW chemisch-physikalisch gereinigt. Schotter, der den Verunreinigungsklassen „Reststoff“ beziehungsweise „Baurestmassen“ entspricht (bis Ende Oktober 2004 510.000 Tonnen), soll auf Deponien in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland entsorgt werden.
Die Arbeiten liegen laut Auskunft von DI Friedrich Wilhelm Budde, Geschäftsführer der ARGE Räumung Fischer-Deponie, und Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell vor Plan. Die Untergrundauswechslung soll Mitte 2005 auf jeden Fall abgeschlossen sein. Ursprünglich wurden 140 Millionen Euro budgetiert, aufgrund der aktuellen Budgetausnützung von 107 Millionen Euro kann eine Kostenreduktion von 5 bis 10 Millionen Euro erwartet werden. HJP

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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