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Flexibel und aktiv

21.05.2010

Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau, fordert frisches Geld für den Neubau, spricht sich für die Zweckbindung der Wohnbaufördermittel aus und für eine punktgenaue Förderung – mit Zahlungsbeleg.

Der Erfolg der thermischen Sanierungsaktion bestätigt das gewaltige Sanierungspotenzial in Österreich, wie geht es nun weiter?

Frömmel: Die 100 Millionen Euro waren für 2009 und 2010 geplant. Der Topf für private Bauvorhaben war nach 2,5 Monaten leer. Wir unterstützen die Förderung der thermischen Sanierung, weil diese auch angesichts der EU-Klimaziele unumgänglich ist. Wenn wir nicht sanieren, müssen Ausgleichzahlungen geleistet werden. Der Finanzminister profitiert von der thermischen Sanierung, jeden investierten Euro erhält er zigfach zurück – aber die Gelder dafür dürfen nicht aus den Wohnbaumitteln kommen. Dazu braucht es frisches Geld. Die thermische Sanierung hat allerdings einen hohen Materialanteil und kommt dem Baunebengewerbe viel stärker zugute als dem Bauhauptgewerbe. Angesichts des Einbruchs bei den Wohnbaubewilligungen dürfen thermische Sanierung und Neubau keinesfalls gegeneinander ausgespielt werden. Wir sind im laufenden Kontakt mit dem Finanzminister, um ihn von der Sinnhaftigkeit von fiskalischen Anreizen für Baumaßnahmen zu überzeugen, z. B. in Form des Handswerkerbonus, vorzeitiger Abschreibungen, Sonderausgabenrahmen und dergleichen.

Ihre Verbesserungsideen für die Wohnbauförderung?
Die völlige Aufhebung der Zweckbindung war ein Fehler, ich erachte zumindest ein zweckgebundenes Basisbudget zur Deckung des Wohnungsbedarfs als notwendig. Eine derartige Regelung sollte durch eine Selbstbindung der Länder erfolgen und jedenfalls beim nächsten Finanzausgleich ab 2013 fixiert werden. Aber es soll auch keine Förderung ohne Rechnung geben. Denn nur so ist gewährleistet, dass Steuern, Sozialabgaben etc. geleistet werden.

Wie hat sich der Baualltag mit der Auftraggeberhaftung entwickelt?
Anfangs war die Verunsicherung groß. Die Schwierigkeiten bezüglich der HFU-Liste sind bereinigt. Das Ziel, Sozialbetrug durch dubiose Unternehmensgründungen zu verhindern, ist weitestgehend erreicht. Bezüglich der Kritik, dass ein Unternehmen erst nach drei Jahren in die HFU-Liste aufgenommen wird, haben wir uns für geförderte Bankgarantien engagiert, Diese Forderung wurde noch nicht erfüllt. Solange Unternehmen nicht in die HFU aufgenommen werden, heißt das, dass die Sozialabgaben im Schnitt um zwei bis drei Wochen früher abgeliefert werden.

Hat die Krise Scheinfirmen forciert – bzw. die Auftraggeberhaftung unseriöse Firmen verdrängt?
Die Auftraggeberhaftung hat den Scheinfirmen einen Riegel vorgeschoben. Die Kiab kontrolliert mit ihren rund 300 Mitarbeitern aber auch sehr eifrig. Auch die Befugnisse der Buak-Kontrollore wurden erweitert. Die Kooperation mit den Kontrollbehörden und die Vernetzung wird immer dichter. Rund 80 Prozent der neugegründeten Firmen, v. a. in Wien, waren früher Scheinfirmen. Diese Zahl ging extrem zurück. Bundesweit gab es 147 Insolvenzen im Zeitraum von Jänner bis April 2010, somit 4,6 Millionen Euro offener Buak-Beiträge, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres bei 223 Insolvenzen mit 9,45 Millionen noch doppelt so viele Beitragsausfälle gab.

Die Preise am Bau sind kaputt – wie erklären Sie sich das, und wie geht es weiter?
Ja, wir haben deflationäre Preise, das begann im Sommer 2009 und hält bis heute an. Es wird teilweise unter den Herstellungskosten angeboten. Es ist zu hoffen, dass sich die Preise stabilisieren. Aber es gab schon Anbote bis zu 30 Prozent unter dem üblichen Niveau. Die Preispolitik insgesamt ist problematisch, einer unterbietet den anderen, einer drückt den anderen. Ich fürchte, so mancher Unternehmer unterschätzt, welches Risiko mit welchen Konsequenzen er eingeht.

Ihre Prognose für das Baugewerbe?
Die Bauwirtschaft erlebte immer Höhen und Tiefen. 2008 war ein Rekordjahr. Jetzt sind wir in einer Rezession, wobei die Wirtschaftsforschungsinstitute von maximal 1,5 Prozent Minus sprechen. Wenn das der Fall ist, dann können wir noch zufrieden sein. Ich hoffe, die Prognosen sind pessimistischer, als die Zahlen dann tatsächlich sind. 2010 wird sicherlich ein schwierigeres Jahr, allein schon deshalb, weil der Überhang von 2009 weggearbeitet ist. Wir konnten heuer auch schon früher zum Arbeiten beginnen, eine längere Bausaison bedeutet aber auch, dass ich mehr Aufträge benötige.

Ihre Empfehlung für Ihre Kollegen?
In guten Zeiten schaut niemand aufs Geld – aber jetzt ist es höchste Zeit. Reorganisation und Einsparungen müssen jetzt passieren. Wir müssen Einsparungspotenziale erkennen, die eigene Firma vielleicht von Grund auf neu strukturieren, sich ein Worst-case-Szenario vorstellen. Wir wissen, dass in den nächsten Jahren mit keiner Hochkonjunktur zu rechnen ist – und darauf müssen wir vorbereitet sein.

Ist das Baugewerbe flexibel genug?
Nun, das war immer schon einer meiner Hauptkritikpunkte, wir müssen viel flexibler werden. Das Standortbaumeister-Denken muss ein Ende haben. Ein erfolgreicher Baumeister ist an keinen Ort gebunden und kann sich blitzschnell in die Wünsche und Vorstellungen seines Kunden hineinversetzen. Beweglichkeit ist das Um und Auf. – Du musst der Arbeit nachgehen, die Arbeit kommt nicht zu dir!

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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